Goldfrapp
Mit dem Bikini zum Melt!
09.07.2010, 14:09, Text:
Susanne Pospischil
Aktuelle Reiseroute: von der britischen Insel in die Hollywood Hills über Südeuropa ins sachsen-anhaltinische Auenland. Eigentlich hatten Goldfrapp vor, sich ihren hellen Teint den Sommer über in ihrer englischen Heimat zu bewahren.
Mit einem etwas weniger elektrisierenden Album wäre dieser Plan vielleicht auch aufgegangen. „Head First“ durchkreuzt aber nicht nur voreilig geschmiedete Urlaubspläne der unmittelbar beteiligten Künstler, es wirbelt auch erwartete Klangmuster munter durcheinander. „Normalerweise nähern wir uns einem neuen Thema langsam auf akustischer Ebene, diesmal wollten wir es anders machen. Mit den ersten Liedern ‘Rocket’ und ‘Alive’ ist uns ein sehr kraftvoller Start gelungen, von dem sich ein Song nach dem anderen voller Leben und Dynamik entwickeln konnte. Über diesen Prozess sind wir sehr glücklich“, erklärt Will Gregory.
Noch im März waren Alison Goldfrapp und er beinahe freudig überrascht gewesen, von ihrem einzigen Festival-Auftritt in Deutschland zu erfahren, mittlerweile haben sie neben ihren aktuellen Stücken sicherlich auch schon jede Menge Jetlag und eine gehörige Portion Reisefieber mit im Gepäck. Ihre Anreise liest sich jedenfalls nach mächtig Flugmeilen: Nach ihrem Gig in der Hollywood Bowl von Los Angeles geht es über Festivals in Portugal und Spanien ca. 9000 Kilometer Luftlinie weiter östlich auf die Melt! Mainstage. Wetten, Alison hat auch ihren Bikini im Koffer? Jedenfalls war sie sichtlich erfreut, als sie von der direkten Seelage des entspannten Festivalgeländes erfuhr: „Nach dem Auftritt zur Abkühlung gleich in den See springen, au ja, das klingt nach Spaß.“
Genau diese sommerfrische Stimmung macht sich auch auf ihrem selbst produzierten fünften Album breit, es ist dafür gemacht, in lauen Nächten die Arme in den Himmel zu strecken und zu feiern. In perfekter Ergänzung zum euphorischen Sound setzt Alison im Titelstück wie auch in „Believer“ entwaffnend sanft und eindrücklich ihre Stimme ein. Der Europop-Beat von „I Wanna Life“ oder „Rocket“ wird uns dann vor der Bühne jubeln lassen, während „Voicething“ uns zu späherischen Höhenflügen abholt.
„‘Head First’ ist eines dieser Alben, bei denen ein Lied die Richtung zum nächsten weist. Wir haben gut zusammengearbeitet, und nach gerade mal sechs Monaten waren wir fertig“, erklärt Will zufrieden. Auf die Frage, was der Auslöser gewesen sei, um Kurs aus düsterem, launenhaftem Fahrwasser in freundlichere und stärker befahrene Routen zu setzen, reißt Alison das Wort an sich: „Es geht doch darum, dass wir Klänge entdecken und eine Geschichte davon erzählen wollen, was in unserem Leben gerade passiert.“
Der positiven Energie des Albums nach zu folgern, scheint es den beiden prima zu gehen. Es gelingt kaum, ihnen zu entlocken, wann und worüber sie sich zuletzt in die Haare bekommen haben. Nach längerem Nachdenken fällt Alison aber doch noch ein aktueller Zwist ein: „Wer wann Urlaub machen darf ...“ Aber wer braucht schon Urlaub, wenn er aufs Melt! darf.
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