The xx
Kolossale Jugend
08.07.2010, 11:49, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Louise Zergaeng
The xx aus London sind eine verschworene Gemeinschaft. Und die jungen Briten schaffen es, diese Gemeinschaft bei jedem Gig ein wenig zu vergrößern.
Man möchte sie streicheln. Eine Weile erzählten The xx zum x-ten Male jene flauschige Geschichte neu, die von den Freunden für die Ewigkeit, die dem Leben einen Streich spielen, indem sie die vorherbestimmten schiefen Bahnen und schattigen Nischen, langweiligen Büros und ordentlichen Karrieren verlassen – mit diesen paar unbekümmerten Akkorden und Melodien im Gepäck, die bei anderen ein Leben lang in der Schublade liegen. So weit das Märchen. Aber spätestens, wenn sich der Erfolg einstellt, fletscht die Welt ihre spitzen Zähne: Als die Tour der neuen Sternschnuppe am Indie-Himmel im letzten Jahr unterbrochen werden musste, hieß es zunächst, Keyboarderin Baria Quereshi habe die Gigs wegen Erschöpfung abgesagt. Allein das zarte Alter der je 19-jährigen Bandmitglieder ließ diese Erklärung plausibel erscheinen. Kurze Zeit drauf verließ Quereshi die Band dann endgültig aufgrund von „Unstimmigkeiten“.
Erst im August desselben Jahres war das Debütalbum erschienen. The xx hatten sich als Formation bereits 2005 während der Schulzeit in London gefunden – und, schwupps, nach wenigen Monaten im Rampenlicht zumindest teilweise wieder verloren. Nichtsdestotrotz setzten Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith ihren Triumphzug durch die Konzertstätten fort. Die Songs des Debüts „xx“ sind wie gemacht für Messen, die sowohl eine große Menge einbeziehen als auch eine atemberaubende Intimität erzeugen. Man stelle sich eine große Arena vor, im Dunkeln, in der das Publikum Hunderte von Feuerzeugen anzündet, deren Flammen leicht zu den Klängen von „Basic Space“, „Crystalized“ oder „Shelter“ flackern – etwa so, wie ein schüchterner Junge oder ein zurückhaltendes Mädchen in der dunklen Ecke eines Clubs tanzt. The xx spielen Musik, zu der man eng umschlungen wächst und zu der sich ganz verloren kuscheln lässt. Im Wechselgesang kleben dir Romy und Oliver Trostpflaster vor den Latz, unter deren Haut Pickel und Probleme, Kummer und Kalorien verschwinden wie schmutziges Badewasser im Abfluss.
The xx wurde schon bescheinigt, der unwiderstehliche Sog ihres aus dem Vollen schöpfenden Reduktionismus eigne sich am besten als Soundtrack für die müde Heimfahrt durch die Nebel einer Afterhour – nach einem Gig, einer Party, einem Abend im Kino. Das stimmt ein bisschen, weil man tatsächlich den Kopf an die Schulter der Songs statt an die Schulter der gesellschaftlichen Umstände oder des besten Freundes (nur um Missverständnisse zu vermeiden!) legen kann. Aber die Sanftheit von The xx entwickelt, selbst an das Motto „quiet is the new loud“ gelehnt, auch eine gewisse Portion Aggressivität. Insofern sind The xx weniger niedlich als ein Streichelzoo. Sie haben auch Zähne. „Na gut“, mag der Skeptiker sagen: „Zähne hat jedes Rädchen im Getriebe. Sonst würde schließlich der ganze Apparat nicht laufen.“
The xx beweisen jedoch Potenzial, auch morgen noch kräftig zuzubeißen: Sie tragen ohne lange Biografie eine wundervolle Schleppe hinter sich her. Oder wie nennt man das bei Sternschnuppen? Allein im Namen entblößen sie eine schöne Symbiose aus Gender Conscience und The-Band-Attitude. Außerdem beziehen sie sich unausgesprochen auf diverse Einflüsse aus der Pop-Geschichte. Die Älteren unter den Festival-Besuchern mögen sich an die beste Postpunk-Band der Welt erinnern: Die Young Marble Giants aus Wales erschienen 1980 mit ihrem Album „Colossal Youth“ auf der Bildfläche und spielten Songs, die mit kleinstmöglichen Mitteln vom größtmöglichen Widerstand gegen Hoffnungslosigkeit im Alltag erzählten. Und so machen es The xx jetzt auch. Wobei sie runder, gesünder und Erfolg versprechender klingen. Der NME kürte sie zur „band to watch 2009“. Das gilt im Jahr 2010 erst recht. In „Night Time“ heißt es: „And when the day come / It will all have been fun / We’ll talk about it soon.“ Kein Märchen.
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„Berlin Boom Orchestra - der Sound der erfolgreichen deutschen Ska- und Reggae-Band bringt euch garantiert zum Tanzen. Nach drei Jahren spielt die Band inzwischen in ganz Deutschland und avancierte zu einer der beliebtesten deutschsprachigen Skabands.“ [Riding Higher Festival, 2010]





