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Holly Miranda

Naturkind in New York

16.03.2010, 15:23, Text: Martin Büsser, Foto: David Hochbaum

Ihre Kindheit verbrachte sie bei christlichen Eltern in den Südstaaten. Popmusik galt dort als Teufelszeug. Holly Miranda trat die Flucht an - nach New York, wo sie gerade mit Dave Sitek von TV On The Radio ihr neues Album fertiggestellt hat. Das Artwork stammt vom nicht minder begehrten Künstler David Hochbaum.

Im CD-Booklet hat David Hochbaum dich in einer Traumlandschaft dargestellt, du hältst eine Kirche in den Armen. Ist das eine Referenz an deine christliche Kindheit?
H: Sicher, meine Kindheit hat mich sehr geprägt. Aber ich hadere nicht mit meiner Familie, ich bin ihnen sehr dankbar, denn das hatte positive Auswirkungen auf meine Musik. Dadurch bin ich ein sehr sensibler und spiritueller Mensch geworden.

Aber wie konntest du musikalische Erfahrungen machen, wenn Musik in deinem Elternhaus verboten war?
H: Es war ja nicht alles verboten. Motown war erlaubt, die Beach Boys waren erlaubt - eigentlich war alles erlaubt, mit dem meine Eltern selbst aufgewachsen waren. Aber sie wollten uns Kinder vor Musik schützen, von der sie glaubten, sie sei schädlich für uns. Natürlich ist das genau die Musik, die du als Jugendliche anziehend findest. Dennoch, wir waren ein musikalischer Haushalt, ich bekam schon mit sieben Jahren Klavierunterricht.


Wie hast du David Hochbaum kennengelernt, in dessen Bildern du ja öfters als Modell vorkommst?
H: Freunde haben ihn mir vorgestellt, er arbeitete damals gerade als Barkeeper im East Village. Seitdem sind wir befreundet, denn wir haben beide einen Hang zum Magischen und Surrealen, der uns verbindet.

David, siehst du Ähnlichkeiten zwischen der verschlungenen Musik von Holly und deinen Traumlandschaften?
D: Na klar. Musik und Kunst sind doch sowieso dasselbe, dieselben Ideen und Emotionen, nur in einem anderen Medium ausgedrückt. Wenn ich male, höre ich die ganze Zeit Musik. Sie ist also quasi Teil meiner Kunst.

Architektur, Menschen und Natur durchdringen sich in deinen Arbeiten. Ist das deine Vorstellung von idealer Architektur?
D: Sicher, denn ich denke, dass alles, was wir als Menschen erschaffen, Ausdruck unserer selbst ist, Projektion unserer Träume und Wünsche. Und so sollte es auch mit der Architektur sein.

Natur spielt auch in deinen Songs eine große Rolle, Holly. Ist das nicht paradox, wo du doch eigentlich in New York lebst?
H: Ich bin ja auf dem Land aufgewachsen, meine Großeltern besaßen eine Farm in Tennessee. Ich hatte mein eigenes Pferd, war umgeben von Tieren. Wir haben unsere ganze Nahrung selbst angebaut. Im Grunde ist das auch mein Lebensziel. Ich wollte eigentlich nie länger in einer Stadt leben. Vor allem in den USA haben sich sehr viele Menschen von der Natur entfremdet.  

Siehst du gesellschaftliche Ursachen für das Comeback von Songwriter-Musik?
H: Wir leben in Zeiten voller Angst, da sehnen sich die Leute nach etwas Echtem. Nicht dass es so was nur in Songwriter-Musik gäbe, aber in dem Mist, der im Radio läuft, gibt es das nicht.


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aus Intro #181 (April 2010)
 
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