The Knife
erklären ihre Darwin-Oper: Das ganze Interview
23.02.2010, 16:54, Text:
Hanno Stecher
Böse Zungen behaupten, dass "Tomorrow, In A Year" eines der unhörbarsten Machwerke der letzten Zeit geworden ist. Tatsächlich hat der Soundtrack zu einer Darwin-Oper aus der Feder von The Knife auch unter eingefleischten Fans einige Verwirrung hervorgerufen. Warum auf dieser Platte nichts so ist, wie man es erwarten würde, haben The-Knife-Mitglied Olof Dreijer sowie die Projektmitstreiter Matthew Sims (Mt. Sims) und Janine Rostron (Planningtorock) Hanno Stecher erklärt.
Ihr habt ja alle Journalisten, die Euch heute interviewen werden, mit dem Transkripit und dem Audiofile Eurer Internet-Gesprächsrunde ausgestattet, in der es darum ging, wie das ganze Projekt zustande gekommen ist und auf welchen Ideen Euer Soundtrack für eine Oper über Darwin und seine Evolutionstheorie basiert. Was ich dabei nicht so ganz verstanden habe ist die Frage, wie Ihr bei der Entwicklung Eurer Musik tatsächlich mit den anderen am Projekt beteiligten Leuten zusammengearbeitet habt, wie Ihr Euch da verständigt habt. Zum Besipiel: Wie weit war das Stück, als Ihr die Musik beigesteuert habt?
Olof Dreijer: Es war es so, dass wir am Anfang von Hotel Pro Forma einige "Rahmenbedingungen" für das Stück bekommen haben. Die haben uns eine lange Literaturliste gegeben und dazu einige konrete Vorgaben wie das Stück strukturiert sein sollte. Zum Beispiel, dass auf der Bühne der Sänger und sechs Tänzer sein würden, außerdem sollte alles einen biologischen und geologischen Fokus haben. Außerdem bestand unsere Zusammenarbeit mit Hotel Pro Forma am Anfang vor allem noch darin, in Museen zu gehen, wir haben uns zum Beispiel ein Naturhistorisches Museum und ein Geologiemuseum angesehen.
Wie lief das denn genau ab, das ist doch eine ganze Gruppen von Leuten, oder?
Olof: Im Kern sind Hotel Pro Forma eigentlich nur eine Person, Kirsten Dehlholm , eine Performancekünstlerin. Die hat dann wiederum den Regisseur Ralf Richardt Strøbech eingeladen, das Stückzu inszenieren und zusammen haben sie die künstlerische Leitung übernommen. Im Grunde bestand die Zusammenarbeit mit den beiden wirklich aus Recherchearbeiten und aus Nachforschungen. Es gab diese Rahmenvorgaben und die Literaturliste, die alle am Stück beteiligten bekamen, also Musiker, Bühnendesigner und Kostümdesigner uns so weiter. Die Leute haben dann jeweils für sich daran gearbeitet und nach einem Jahr, drei Monate vor der Premiere kam alles zusammen.
Drei Monate vor der Premiere?
Janine Rostron : Ja, das war eine ziemlich vereinzelte Art zu arbeiten, wir haben fast alles unabhängig von den anderen entwickelt.
Aber woher wussten bespielweise die Leute, die die Performance auf der Bühne inszeniert haben, was sie musikalisch erwartet? Gab es da wirklich gar keinen Austausch?
O: Nein, dass lief wirklich alles fast völlig unabhängig voneinander ab. Es gab zwei Workshops, bei denen wir ein bisschen mit den Tänzern herumjammen konnten, aber das war völlig abstrakt. Trotzdem fand ich diese Art zu Arbeiten wirklich spannend. Ich sehe das ganze als so eine Art große Impro-Session, bei der keiner der einzelnen Musiker aufeinander hört und alles unabhängig voneinander passiert. Dass das so ablief sieht man dem Stück auch an, es ist wirklich ein bisschen so als würden da mehrere unterschiedliche Aufführungen gleichzeitig ablaufen...
J: ... die allerdings wirklich nicht immer miteinander in Verbindung treten. Ich meine, als dann am Ende alles zusammen kam haben wir eigentlich erst wirklich begriffen, dass diese Art zu arbeiten ihre Vor- und Nachteile hat. Wir haben uns dann auch schon überlegt, dass es vielleicht besser gewesen wäre, die Zusammenarbeit vielleicht etwas früher zu beginnen. Gleichzeitig war es natürlich toll, diese Unabhängigkeit zu haben und uns nur auf die Musik konzentrieren zu können ohne den Einfluss der anderen Elemente.
Was war den überhaupt die Idee, die hinter diesem ganzen Projekt steckte? Wisst Ihr, was Hotel Pro Forma an dem Thema gereizt hat?
O: Ich denke es ging in erster Linie um das Jubiläum, dass Darwins Buch "Die Entstehung der Arten" im letzten Jahr hatte. Das Buch ist vor 150 Jahren erschienen. Und ich denke, das war eine gute Möglichkeit für Hotel Pro Forma, um an Fördergelder zu kommen. Außerdem haben die sich schon immer für solche großen Themen interessiert, es gab zum Beispiel ein Stück von ihnen über China und ein anderes über den Islam.
Es gab also keinen politischen Hintergrund? Ich habe mir überlegt, dass so eine Oper sich vielleicht auch gegen religiöse Fundamentalisten wenden könnte oder zumindest thematisieren könnte, dass es gerade in den USA immer mehr Menschen gibt, die die Evolutionstheorie in Frage stellen. Außerdem könnte man ja auch in so einem Stück auch den Begriff des Sozialdarwinismus thematisieren.
J:: Ja, das stimmt schon, es ist einfach wirklich ein großes Thema. Die politische Dimension von Darwin uns seinem Werk fanden wir auch wirklich spannend. Ich hätte auch gerne mehr davon im Stück gehabt, aber Hotel Pro Forma haben sich dafür nicht so sehr interessiert.
O: Die hatten wirklich diesen ganz klaren Fokus auf die wissenschaftliche, auf die biologische Seite des Themas. Wenn ich ehrlich sein soll habe ich mich viel mehr für diese Frage des Sozialdarwinismus interessiert, aber das war eben nicht unser Auftrag.
Wie habt Ihr Euch denn als Team organisiert, um Euch Darwin und sein Werk musikalisch zu erarbeiten? Ich habe gelesen, dass Ihr Euch für die Arbeit an dem Soundtrack an ganz unterschiedlichen Orten auf der Welt getroffen habt.
J: Wir haben am Ende meist unterschiedlichen Zusammensetzungen, oft paarweise zusammen gearbeitet. Olof und ich waren dafür zum Beispiel in Island zusammen und Matt und Olof haben eine Reise zum Amazonas unternommen. Außerdem haben wir natürlich viel in Berlin gearbeitet, wo wir leben und auch in Kopenhagen, wo Karen lebt. Das war immer davon abhängig, woran wir konkret gerade gearbeitet haben.
O: Am Anfang wurden wir von Hotel Pro Forma ja eigentlich nur als The Knife beauftragt und hatten auch unsere ersten Treffen mit ihnen als Duo. Als wir dann verstanden haben, worum es in diesem Projekt tatsächlich geht, haben wir Janine und Mathew eingeladen: Das war zum einen, weil ich schon immer mal mit den beiden zusammenarbeiten wollte und weil ich das Gefühl hatte, dass es Spaß machen würde, zu viert zu arbeiten. Zum anderen sind Darwins Leben und seine Evolutionstheorie einfach große Themen, da steckt irgendwie alles drin und ich fand es komisch, mit nur als einzelnes Gehirn oder nur zu zweit musikalisch etwas dazu einfallen zu lassen.Wir wollten für die Tracks ja ein möglichst großes Spektrum an verschiedenen Perspektiven auf das Thema abdecken. Deshalb auch diese Arbeit in verschiedenen Zusammensetzungen. Mit Karen habe ich zum Beispiel eher song-orientiert gearbeitet, während ich zusammen mit Janine mehr Zeit an den abstrakten Stücken verbracht habe. Was die inhaltliche Arbeit anging haben wir uns oft wirklich ganz konkrete Aufgaben gestellt, fast wir in der Schule. Teilweise hat z.B. einer von uns einen Text laut vorgelesen und die anderen sich dann Gedanken darüber gemacht, wie man den Text in Musik umsetzen könnte.
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...






