Kochen mit...
Fettes Brot
24.02.2010, 15:53, Text:
linus volkmann, Foto: Katja Ruge
Ihren eigenen Erinnerungen zufolge waren Fettes Brot bereits mal zu Gast in Bioleks Kochsendung, lassen sich auf Tour u. a. von der Roten Gourmet Fraktion (bekannt auch aus dem "Fast Food Duell", kabel eins) becatern und essen die Woche gern mehrmals warm. Bloß auf Intros "Kochen mit" hatten sie nie Bock.
An dieser Abneigung hat sich bis heute eigentlich nicht viel geändert. Außer vielleicht, dass wir jetzt hier zusammen bei Tisch sitzen und jeder eine Schale Rosenkohlcurry vor sich stehen hat, es dampft. Das Rezept stammt aus dem Supermarktkassenmagazin "Essen und Trinken" bzw. von Tim Mälzer. Obendrauf drapiert sind Granatapfelkerne und Koriander, dazu gibt's in der Pfanne angebratenes indisches Nan. Gerechtfertigter Erschafferstolz weht durch das Hamburger Küchenstudio der drei Boys to Men.
Ein Top-Moment - kein Zweifel. Jetzt kann vielleicht endlich mal gebondet werden, jetzt geht was: "Na, so schlecht ist es doch gar nicht, mit Intro zu kochen?" - "Nee", sagt Martin alias Doktor Renz überwältigt von seinen Gefühlen und dem ersten Schluck Rotkäppchenbier, "hab echt schon Schlimmeres erlebt." Dann fängt er sich wieder: "Zum Beispiel mal eine Wurzelbehandlung. Mmh ... ja, das war aber auch alles." Seine Hoheit König Boris grinst, immerhin hatte er morgens noch einen Kronen verheißenden Vorbesprechungstermin beim Zahnarzt. Fuck the pain away - bloß dass mit "Fuck" in diesem Betrieb meist "Lach" gemeint ist.
Fotostrecke:Kochen mit Fettes Brot
Fettes Brot hatten sich für unser Date übrigens extra was einfallen lassen: "Wir gingen davon aus, dass bestimmt wer von euch Rosenkohl nicht mag", schämt sich Björn allerdings bereits für die angedachte Zumutung - schließlich sind Fettes Brot nicht wirklich fies, selbst dann, wenn sie es mal sein wollen.
Aber jene Zumutung läuft ja ohnehin auch ins Leere: Rosenkohl, du grünes Ferrero Rocher des Gartens, du Maxi-Perle am Ohr der Nachkriegsgeschichte, du ... oh, verzeihen Sie diese expressionistische Prosa. Schließlich sind Fettes Brot die Rapper und nicht der Text. Aber sind sie das wirklich? Kaum eine Behauptung findet sich doch derart ausgehöhlt wie jene, die von der Musik der Band als Rap spricht. Fettes Brot sind, und das dürfte ihnen selbst der Missgünstigste zugestehen, unzweifelhaft ihr ganz eigenes Ding. Erkennt man sofort, selbst wenn Electro, Rock, Soul, Samples, Punk und Jingles ineinander übergehen oder sich von Song zu Song abwechseln.
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