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Get Well Soon

Nur die Ruhe

22.01.2010, 15:44, Text: Peter Flore, Foto: Sandra Stein

Der allgemeinen Aufregung um seine Band und das gefeierte Debüt lässt Konstantin Gropper ein unaufgeregtes und im wahrsten Sinne stoisches Zweitwerk folgen, auf dem griechische Philosophen, deutsche Regisseure und sogar der Tod auf engstem Raum noch Platz finden. Peter Flore hakte in Köln mal nach.

Es beginnt wie im Märchen: Jemand stapft durch den Wald, auf der Suche nach Feuerholz, und stolpert über eine merkwürdig aussehende Wurzel. Dann folgen Harfenklänge, jener träumerische Verzauberungseffekt, wie wir ihn aus Hörspielen und Filmen kennen. "Falsch", entgegnet Konstantin Gropper, der junge Mann hinter Get Well Soon, lächelnd. "Es geht in dem Stück nicht um Verzauberung, sondern um Entzauberung. Diese vermeintlich kindliche Idylle am Anfang des Songs wird ja aufgehoben. Plötzlich verstecken sich hinter den Bäumen unbekannte Gefahren und Unbequemes, das im Verborgenen schlummert."


In "Nausea", dem Eröffnungssong des neuen Get-Well-Soon-Albums "Vexations", lauert also auch gleich das erste Missverständnis. "Es geht letztlich ums Erwachsenwerden und um die Desillusionierung, die so ein Prozess oft mit sich bringt. Durch meinen Beruf, den ich jetzt seit über zwei Jahren ausüben darf, wurde mir ja ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens quasi abgenommen." Was hier ernüchternd klingt, meint Gropper aber tatsächlich ganz positiv. Fast aus dem Nichts ist der aus Oberschwaben stammende und mittlerweile in Berlin lebende Musiker binnen nur eines Jahres zum heimlichen Star der deutschen Indieszene avanciert: Sein Erstling "Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon" schaffte es zum bestverkauften Debütalbum seines Berliner Labels City Slang, und in der Folge gab es dann kaum jemanden, der Gropper ob dessen opulenter und nach allgemeinem Verständnis "herrlich undeutsch" (was immer das auch heißt) klingender Musik nicht mit dem Prädikat "besonders wertvoll" versah.


And if the world relies on me now / And I have no hope myself

Ob Gropper damit nicht schon zu Beginn seiner jungen Karriere in höchste Höhen gehievt wurde, aus denen ein eventueller Absturz dann umso schmerzhafter sein kann, ist eine Frage, die sich nicht nur der Künstler selbst im Vorfeld seines zweiten Albums gestellt hat: "Ich hatte ein paar Bedenken. Ich habe anfangs probiert, mich von sämtlichen Erwartungshaltungen zu befreien, aber es ging nicht. Ab einem gewissen Punkt dachte ich dann: Egal, ich bin ja eh nur meinem eigenen Urteil unterworfen." Der Umstand, dass sein neues Album nun weitaus düsterer, aber auch kompakter und zwingender klingt, sei eher einer verknappten Schreibweise (ein Gros des Albums entstand in gerade mal zwei Wochen intensiven Schreibens) statt oben erwähnter vermeintlicher Drucksituation geschuldet. "And if the world relies on me now / And I have no hope myself", heißt es im Song "A Burial At Sea". Gropper möchte das aber nicht, wie überhaupt seine Arbeit, als confessional writing verstanden wissen. "Die Leute hören einem mehr zu, als einem manchmal lieb ist. Einerseits ist es das Schönste, wenn man als Künstler verstanden wird und die eigene Arbeit jemandem etwas bedeutet, andererseits ist es manchmal auch eine Bürde. Ich schreibe nach meinem Verständnis sehr verklausuliert, und bei vielem sitzt man auch gar nicht am Steuer: Zunächst dachte ich, das Album sei sehr viel leichter und heller ausgefallen als das letzte. Das Ergebnis sieht aber jetzt doch ganz anders aus. Anfangs fragten die meisten Leute, ob 'Vexations' ein Konzeptalbum über den Tod sei - das ist es nicht, aber anscheinend kommen da beim Schreiben unbewusst doch einige Dinge hoch, die man so gar nicht kontrollieren kann."


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aus Intro #179 (Februar 2010)
 
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