Pop Montreal / CMJ 2009 / Ausblick 2010 - Aber hallo: Checkt das, neue Bands Artikelbild (groß)

Pop Montreal / CMJ 2009 / Ausblick 2010

Aber hallo: Checkt das, neue Bands

25.11.2009, 12:36, Text: Thomas Venker

Das Jahr geht, Bilanz wird gezogen. Doch noch spannender als der Blick zurück sind die ersten Versuche, das Kommende zu erahnen. Thomas Venker war unterwegs in Montreal (Pop Montreal Festival) und in New York (CMJ Festival, das jährliche Schaulaufen der US-Indie-Labels) und hat ein paar tolle neue Acts gesehen. Das hier ist ihre Geschichte.


The Phenomenal Handclap Band

Gesehen: National, Pop Montreal, 30.10.
Im Netz: www.myspace.com/phenomenalhandclap
Das Wichtigste: Mehr Retro geht nicht mehr, das muss man so faktisch sagen. Denn die beiden New Yorker Produzenten Daniel Collas und Sean Marquand clustern ihren Sound als ein Best of Krautrock, Psychedelica, Rock-Rock-Soli und cheesy Keyboards zusammen. Live sind sie mit 6-köpfiger Bandunterstützung unterwegs - spätestens hier es dann, nicht zuletzt wegen des 70s-lastigen Auftretens der Protagonisten, manchmal echt too much.
Lieblingsalbum 2009: Collas & Marquand: Wollen wir vor Ende des Jahres noch nicht sagen.
Lieblingsalben Jahrzehnt: 1. Daft Punk "Discovery" 2. OutKast "Speakerboxx / The Love Below" 3. Dungen "Ta Det Lugnt" 4. The Rapture "Echoes" 5. J Dilla "Donuts"
Pläne für 2010: Konzerte, Konzerte, Konzerte. Als Nächstes mit Chromeo und Simian Mobile Disco.
Aktuelles Album: "The Phenomenal Handclap Band" (Gomma / Groove Attack)


Ihr habt ja eine ganz schön große Band dabei. Fühlt sich das nicht manchmal wie ein Kindergarten an?
[beide lachen] Oh ja, aber wir kommen sehr gut miteinander aus. Es ist wie eine Familie. Wir sind jetzt schon ein Jahr in dieser Besetzung zusammen.

Euer Sound ist sehr eklektisch - und dabei auch sehr retrolastig mit all diesen Einflüssen aus Soul, Psychedelic, Krautrock ... Sind das schon lange gepflegte Leidenschaften von euch, oder ist es das Ergebnis von Frustrationen über den aktuellen Sound?
Beides trifft zu. Wir sind beide an obskurer Tanzmusik interessiert - all die genannten Genres bieten solche Momente, vor allem die Soulmusik aus den 60ern. Man kann die Einflusslinie dieser Musik in all die anderen Genres der folgenden Epochen sehen, sei es nun Progrock oder Psychedelic, sei es Südamerika oder Ungarn ...

In Deutschland seid ihr ja jetzt bei Gomma, einem der führenden Labels der NuDisco. Habt ihr diesen Sound denn auch begeistert verfolgt?
Definitiv. Die Art, wie viele dieser NuDisco-Künstler ihre Musik anlegen, liegt uns nahe - und ich denke auch, dass sie unsere Musik mögen. Letztes Jahr haben wir beispielsweise mit WhoMadeWho beim CMJ zusammen gespielt - das passte gut. Wir kannten sie zuvor nicht, aber ihr Sound war so ähnlich und doch so anders.

Sprechen wir mal über euer Publikum: Denkt ihr, dass sich die Hörer der Kontexte eurer Musik bewusst sind, dass es sie interessiert?

Es gibt sicherlich die Checker, die das alles erkennen und auch suchen und mögen, aber es ist doch vor allem toll, wenn irgendwelche 13-Jährigen posten, dass sie unseren Sound mögen und nichts von all den Einflüssen kennen. Oder Großmütter. [lachen]

Euer Sound ist ziemlich voll - gerade nach all den Minimaljahren mit so viel Luft im Sound. Denkt ihr, die Leute müssen es erst wieder lernen, mit dieser Informationsdichte umzugehen, die in den 70ern ja noch normal war?
[lachen sehr laut] Punk und all das, was danach kam, und auch HipHop, das waren alles Reaktionen auf diese Exzesse der 70er. Ich mag Bands, die einen übersichtlichen Sound aus drei Instrumenten spielen, sei es E.S.G. oder Gang Of Four, aber es reizt mich doch sehr, im Studio alles Mögliche einzubringen - wir wollen nichts ausblenden an Möglichkeiten. Wir wollen aber nicht aus Selbstzweck wie in den 70ern rumdudeln, wir verfolgen einen Song.

Ihr habt ja für die Aufnahmen viele namhafte Gäste im Studio gehabt. Fehlen die euch nicht auf der Tour?
Oh ja. Wir haben beim Zusammenstellen der Show erst darüber nachgedacht, eine Revue zu machen und alle mitzunehmen, aber wir wollten dann doch eine Band. Es hätte sich seltsam angefühlt, dass all die anderen immer rumgesessen hätten für einen Song. Und nicht alle von ihnen sind so deep an unserem Sound interessiert wie die acht, die jetzt auf der Bühne stehen.

Auf der nächsten Seite: Silly Kissers



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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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