Tokio Hotel
Das komplette Interview: "Für uns ist das heute vollkommen normal, dass Leute uns hassen."
25.11.2009, 10:21, Text:
Sandra Grether,
Kerstin Grether, Foto: Katja Ruge
[2 Kommentare]
Aufgrund der großen Nachfrage und der vielen Reaktionen auf unsere Tokio Hotel-Titelstory in Intro #177: das komplette Interview mit Bill und Tom Kaulitz von Sandra und Kerstin Grether.
HUMANOID
Stimmt es, dass es in der Wüste kalt war, als ihr dort neulich das Video zu "Automatic" gedreht habt?
Bill: Ja, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Man denkt doch: Afrika, da gibt's Tiger und Giraffen, da ist es heiß!
Tom: Und dann gab es selbst in der prallen Sonne nur 20 Grad, und auch das nur für zwei, drei Stunden am Tag.
Bill: Die Tage gingen unglaublich schnell vorbei, nachts waren Minusgrade und ich hatte nur eine warme Trainingsjacke dabei! Aber das Video wird total warm aussehen, weil die Sonne scheint und alles so trocken ist.
Lasst uns zu Beginn mal über "Humanoid", den echt heißen Titeltrack Eures neuen Albums sprechen. Der Song behauptet gegen alles zu sein und fordert auch gleich noch das Gegenteil davon ein: alles! Also Luft, Liebe, Licht. Wuchtige Strophen-Zeilen- und Riffs brettern da in einen beschwörenden Refrain hinein, der fleht: "Gib mir Humanoid". Was bedeutet Humanoid für euch?
Bill: Ja, der Song hat wahnsinnig viele verschiedene Melodien und Einflüsse. Und genau das bedeutet "humanoid" für uns: ein Gefühl von Hin- und- Hergerissen-Sein und Nicht-Wissen-Wo-Man-Hingehört. Wir haben uns von den typischen Songstrukturen freigemacht und das Lied wie eine Geschichte aufgebaut: mit Höhen und Tiefen.
Tom: Die Gesangsmelodie im Chorus ist etwas zurückgenommen und klingt trotzdem extrem einprägsam und hypnotisierend.
Zehn Fragen zu Tokio Hotel
Von wem stammt folgende Textzeile: "Neues von Bronski Beat und Tokio Hotel
Gerüchte um Abschied, erschreckend aktuell!"?
Kettcar.
Jens Friebe.
Tele.
Wir finden, ihr habt einen schönen Weg gefunden, Elektronik in die Songs miteinzuarbeiten, z.B. diese science-fiction-mäßigen, flirrenden, kleinen Tönchen...
Bill: Es war echt so viel Detailarbeit. Wir haben die letzten Tage fast nicht geschlafen und bis zum Schluss daran herum geschraubt. Tom und ich haben bei dem Album auch co-produziert! Und dabei verliebt man sich auch ins Detail.
DER NEUE SOUND
Wie kam es überhaupt zum neuen Sound?
Tom: Wir wollten davon wegkommen, nur Bass, Schlagzeug und Gitarre zu benutzen - und einfach mal ein paar andere Sachen ausprobieren. Dafür hatten wir die besten technischen Möglichkeiten, wir können ja in allen Studios der Welt aufnehmen. Unser Ziel war es, fette Songs zu haben und soundweltmäßig etwas Neues reinzukriegen.
Habt Ihr vorher schon gerne elektronische Musik gehört?
Tom: Unser privater Musikgeschmack hat, ehrlich gesagt, wenig Einfluss auf unsere Musik.Ich höre beispielsweise privat fast nur Hip Hop und das wirkt sich kaum auf die Songs aus.Wenn wir uns zusammensetzen, um unsere Musik zu machen, dann entsteht etwas Eigenes - wir haben immer alle das gleiche Bauchgefühl, in welche Richtung es gehen soll.
Bill: Wir schreiben unsere Songs immer noch mit den vier selben Produzenten zusammen. Und die empfinden das auch so.
Wie hat man sich bei euch den Prozess des Songwritings vorzustellen? Entstehen die Songs auf der Gitarre oder auf dem Keyboard?
Tom: Früher sind 90 Prozent unserer Songs auf der Akustikgitarre entstanden, und man hat dann zusammenhängend im Studio geschaut, wie man sie umsetzt. Diesmal war es so, dass wir im Studio direkt komponiert und recorded haben.
Bill: Unsere Produzenten haben uns beispielsweise etwas vorgespielt oder programmiert - und gesagt: "so und so in die Richtung". Dann haben Tom und ich uns das angehört, und Tom hat dazu eine Gitarre gespielt oder ich habe etwas dazu gesungen. Es war ganz unterschiedlich wie die Songs entstanden sind.
Tom: Wir können uns eigentlich komplett ausleben alle. Das ist selbstverständlich bei uns. Ich gitarrenmäßig, Gustav am Schlagzeug usw. Bill und ich haben jetzt bei uns zu Hause ein Homestudio eingerichtet. Ein ganz kleines nur - aber das reicht aus, um ein paar Sachen zu machen. Wir haben viel direkt auf "umsetzen" geschrieben. Einen Beat programmiert und darauf dann schon eine Gesangsmelodie überlegt, ohne dass bereits eine andere Musik stand, usw.
Dein Gesang auf den neuen Songs klingt sehr ausgefeilt und dabei sehr emotional. Inwiefern hat das etwas mit dem Recordingprozess zu tun?
Bill: Ich habe diesmal auf die komplett ausproduzierten Versionen gesungen, wobei natürlich die Gesangsmelodie und der Text schon standen. Es ist einfach ein geileres Gefühl, den fertigen Song auf dem Kopfhörer zu haben, anstatt auf eine halbfertige Demoversion zu singen.
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Kommentare
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Filthy7McNasty 08.12.2009 | 10:06:25
...war ja noch nie wirklich Fan von dieser Truppe aber das aktuelle Album ist mehr als hörbar und auch die Entwicklung von Tokio Hotel verdient Respekt.
Vlad 08.12.2009 | 11:43:26
losing my edge
"Super, dass das jemand erkennt."
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