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Jay-Z

Ich will Musik machen, die Generationen überdauert!

17.11.2009, 14:53, Text: Thomas Venker, Foto: Elisabeth Moch

Eben noch der Clown bei Stefan Raab, nun der König auf der Intro-Couch. Shawn Carter im Gespräch über das Jahrzehnt in HipHop. Da musste sich Thomas Venker keine Sorgen um den Flow machen: Der erfolgreichste Rapper aller Zeiten weiß genau, was Sache ist im Hause HipHop.

Jay-Z kommt von seinem Auftritt bei Stefan Raab in die Umkleidekabine - und wirkt extrem entspannt. Stress scheint er nicht zu kennen.

Du bist in letzter Zeit viel im Fernsehen zu sehen ...
Hast du die Schnauze voll von mir?

Oh nein, eher im Gegenteil. Ich muss sagen, du machst das gut: sehr eloquent, sehr cool, sehr humorvoll - zumindest, wenn es der Showmaster zulässt. Aber lass mich dich doch lieber für das neue Album abfeiern: Well done. Dein Album "Blueprint 3" und "The Ecstatic" von Mos Def haben mir den Glauben an HipHop zurückgegeben. Womit wir auch gleich beim ersten Song des Albums wären: "What We Talkin' About". Da stellst du dir die Frage nach dem Sinn des Lebens, was bei dir dann gleichzeitig meint, wie es mit HipHop weitergehen soll.
Ich versuch immer am Ball zu bleiben. Nur wenn man weiß, was sonst so passiert, kann man Akzente setzen. Wir reden schließlich von "Blueprint 3". Natürlich könnte ich auch über die alten Sachen sprechen, aber ich wähle den Fortschritt - und da fällt mir so viel ein, dass wir den ganzen Tag sprechen könnten.


Dann tun wir das doch. Wo siehst du die Fortschritte? Was sind die neuen Themen, die verhandelt werden?
Das ist ja das Problem. Die Rapper der nachwachsenden Generation schwächeln da etwas. Weißt du, ich rappe schon so lange, bin dem Genre so verbunden, dass ich es nicht mit ansehen kann, wie es sich aktuell zusammenzieht. Dafür gibt es doch auch keinen Grund. Eigentlich ist es doch so, dass alle Rap hören. Warum dann also die Abkehr? Rap sollte dagegenhalten und seine Zuhörerschaft wieder vergrößern. Stattdessen sieht es so aus, als würde Rock wieder wichtiger. Bei allem Respekt für die guten Bands, die es da gibt, das kann ich so nicht akzeptieren.

Muss Rap also seine Themen verändern?
Nein. Es geht nur um einen anderen Blickwinkel auf die alten Themen. Man sieht die gleichen Dinge mit 23 anders als mit 16, man nimmt eher die Komplexität wahr. Und man weiß, was passieren kann, wenn man sich für den falschen Weg entscheidet, falsche Dinge tut.

Das war jetzt eher auf dich bezogen als auf die anderen. Aber wenn ich das mal aufgreife: Was würde der Teenager Shawn Carter wohl Jay-Z sagen, wenn er ihn auf der Straße treffen würde?
Er würde mich fragen, wie ich all das geschafft habe. Und mir sagen, wie "amazing" das alles ist.

Und was würdest du ihm als Rat erwidern?
Scheu dich nicht davor, Fragen zu stellen. Sei neugierig auf das Leben - und die Frauen -, mach eine Millionen Fehler, denn jeder macht sie. Und halt dich im Generellen an meinen Weg.

Okay, lass uns über "D.O.A. (Death Of Auto-Tune)" sprechen. Tolles Stück. Gut, da humorvoll formulierte Kritik an den Zuständen. Ich mag den Stadiongesang, der kommt schön debil.
Es ist doch wirklich nicht zu fassen, dass das alle machen - und dass es auch noch den Weg ins Radio findet. Das musste mal jemand sagen.


Da es so gut passt zu dem Stück: Sag doch mal was zu deinen Enttäuschungen/Highlights der Dekade.
Hm, schwierig. Ich verbinde mit HipHop vor allem frühere Ereignisse. Ich bin ein Oldschooler. Es ist der Jahrgang 1988, Leute wie Rakim, Public Enemy, die mich geprägt haben, später Nas, Biggy und 2Pac, die Fugees, Lauryn Hill ... Wenn wir von diesem Jahrzehnt sprechen, dann müssen wir von KanYe West reden. Er hat einen neuen Weg eingeschlagen, der dringend notwendig war. Er führte den Nerd als Protagonisten ein, brachte ein neues Thema ein - das ist das, was ich vorher meinte.


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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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