Devendra Banhart
New Weird America? Free Folk? Nenn es Naturalismo!
17.11.2009, 12:23, Text:
Henrik Drüner, Foto: Katja Ruge
Man sollte meinen, dass der Blick zurück aufs Jahrzehnt, gerade wenn man maßgeblich an stilistischen Neuerungen der Dekade beteiligt war, ein reizvoller ist. Nicht so für Devendra Banhart: Das 28-jährige Aushängeschild des Schwurbel-Pop widersteht im Gespräch mit Henrik Drüner allen Versuchen, seine exzentrische Attitüde zugunsten fruchtbarer Kommunikation abzulegen.
Im Panorama-Obergeschoss des Hamburger Golden Pudel Clubs fläzt Banhart auf dem Sofa und gibt sich größte Mühe, dem berüchtigten Bild eines Gesprächspartners zu entsprechen, der mit seinen Ausführungen mehr Fragen aufwirft als beantwortet - er baut theatralische Pausen ein, driftet thematisch vollkommen ab und verheddert sich gedanklich. Zu seiner Verteidigung: Es ist das abschließende halbstündige Interview eines ermüdend langen Promotion-Tages zum neuen Album "What Will We Be", der Soundcheck für den abendlichen Showcase rückt näher.
Auf die Frage, wie er mit etwas Distanz die New-Weird-America-Bewegung, von ihm stilprägend mitgetragen, einordne, macht der überaus schlaksige und haarige Banhart unverblümt klar, dass er mit solchen Kategorien gar nichts anfangen könne. "Nein, ich sehe absolut keine Zugehörigkeit oder Verbindung zu 'New Weird America'. Alles andere, wirklich, aber nicht 'New Weird America'."
Fotostrecke:Devendra Banhart-Foto-Shooting
Geprägt wurde der Begriff von dem Musikjournalisten David Keenan, der im The Wire über das Brattleboro Free Folk Festival 2003 in Vermont berichtete. Er bezieht sich dabei auf Greil Marcus' Wendung "Old Weird America" - von diesem erstmals in seinem Buch "Invisible Republic" als eine Beschreibung für die amerikanische Folkmusik von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er benutzt. Obgleich rein formal-ästhetisch keine klare Kategorisierung auszumachen ist, werden mittlerweile Musiker und Bands wie Animal Collective, Will Oldham, Sufjan Stevens und eben auch Banhart unter diesen einen Hut gebracht.
Aber gut, ändern wir also das Labeling: Welche Bedeutung hat denn deine Zeit in New York, wo du dich in den sogenannten New-Folk-Kreisen aufgehalten hast? "Es existiert eine Gruppe von Musikern, Antony And The Johnsons, Joanna Newsom, Bat For Lashes, Vetiver, Vashti Bunyan, CocoRosie [es folgen 17 weitere genuschelte Namen, die bei Interesse in den Credits des CD-Booklets nachgelesen werden können] ... eine große Familie von Freunden, die Musik machen. Das verbindende Element ist unser [Pause] Abwechslungsreichtum und die Tatsache, dass unsere Offenheit gegenüber anderen Kulturen vor allem durch Intimes, Persönliches, Einheimisches gebildet wurde. Wir sind nicht verbunden durch eine Wahl von Stil oder Musik, eher durch das gemeinsame Ideal bestimmter literarischer Themen. Ich bin sehr glücklich, diese Menschen meine Freunde nennen zu können."
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...
Gruppen
Real New Wave Party
---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town---
Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen.
Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League.
Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic.
Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“






