Death Cab For Cutie
Shine On You Crazy Diamond
21.10.2009, 14:29, Text:
Michael Weiland
Mit "Meet Me On The Equinox" steuern Death Cab For Cutie den Titelsong zum zweiten Film der "Twilight"-Vampirreihe bei. Diesmal neu dabei: Werwölfe. Michael Weiland sprach mit Bassist Nicholas Harmer über Regen, Sonne und internationale Konventionen zur Vampirbekämpfung. Kruzifix!
Ihr seid eine Band aus dem Nordwesten der USA, die einen Song zu einer Filmreihe beisteuert, die im Nordwesten spielt. Vielleicht kannst du mir erklären, was den Reiz der Landschaft dort ausmacht.
Der Nordwesten ist eine ziemlich düstere Gegend. Der Rest Amerikas denkt nicht ganz zu Unrecht, dass es hier die ganze Zeit regnet. Wir sind allerdings gerne Teil einer Geschichte, die dort spielt: Unsere Musik ist manchmal etwa so trübsinnig und dunkel wie das Wetter. Dass die Handlung von "Twilight" hier stattfindet, ist ganz passend, der Nordwesten macht sich gut als Kulisse für Mysteriöses. Wir waren alle große Fans von "Twin Peaks", als wir klein waren, das ist eigentlich das gleiche Setting: eine triefnasse Kleinstadt, in der eigenartige Dinge passieren. Also im Grunde, wo wir auch aufgewachsen sind. [lacht]
Warum, glaubst du, ist die "Twilight"-Saga so erfolgreich?
Amerika ist derzeit besessen von Vampirgeschichten. Es gibt eine HBO-Serie "True Blood" und eine neue Sendung "The Vampire Diaries". Es gibt bereits eine Menge Filme und in Zukunft noch mehr. Ich glaube, die Geschichten finden deshalb so viel Anklang, weil wir sie auf unsere wirtschaftliche Situation beziehen: Es ist eine Metapher dafür, wie Menschen von anderen Menschen profitieren. Bernie Madoff ist so ein moderner Vampir. Er saugte den Leuten zwar nicht buchstäblich das Blut aus dem Hals, hat sich aber von ihnen ernährt. Ich bin ehrlich, ich glaube nicht, dass die "Twilight"-Bücher für mich geschrieben sind: Ich bin ein 34 Jahre alter Mann. [lacht] Aber wenn es einen Teil der Story gibt, der für mich funktioniert, mal abgesehen von der Liebesgeschichte, dann ist es dieser Gesellschaftskommentar.
Welchen Film findest du gruselig?
Ich glaube, der Furcht einflößendste Film, den ich kenne, ist "Poltergeist". Aus irgendeinem Grund bekomme ich bei dem jedes Mal eine Scheißangst. Auch da hast du wieder so eine Metapher: Dass da etwas aus dem Fernseher kommt, das die ganze Familie ins Unglück stürzt.
Ich hatte den Eindruck, dass eure Fans die "Open Door"-EP lieber mochten als das letzte Album, weil die Songs etwas gradliniger waren. Ist das die Richtung, in die euer nächstes Album gehen soll?
Ich habe noch keine Ahnung, was zu erwarten sein wird. Ich bin sehr froh, dass all diese Songs zum gleichen Zeitpunkt entstanden und dabei so unterschiedlich ausgefallen sind. Das heißt aber auch, dass wir nicht wissen, was beim nächsten Mal im Studio passieren wird.
Letzte Frage: Werwolf gegen Vampir, wer gewinnt?
Ich glaube, der Vampir hat mehr drauf. Ein Werwolf ist entweder ein Wolf oder ein Mensch: langweilig. Vampire können sich in Fledermäuse verwandeln oder mit ihrem Blick lähmen! Ich wünschte, es gäbe mal eine internationale Konvention, was Vampire beeinträchtigt und was nicht. Ich glaube ja, dass Vampire nicht ins Sonnenlicht gehen dürfen, weil sie sonst in Flammen aufgehen. In "Twilight" funkeln sie bloß wie Diamanten, das finde ich ein bisschen - eigenartig.
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