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Titiyo

Trommeln beim Elternabend

20.10.2009, 17:11, Text: Lutz Happel, Foto: Annika Aschberg

Vor acht Jahren erschien "Come Along", das die schwedische Soulprinzessin Titiyo ziemlich weit nach oben chartete. Dann wurde es still um sie. Jetzt ist die Halbschwester von Neneh Cherry mit "Hidden", ihrem düster-elektronischen Neuanfang, zurück im Biz. Lutz Happel hat sie ausgefragt über einsame Homerecording-Sessions, Pferdezucht und ihre Hippiefamilie.

Deine letzte Platte "Come Along" ist 2001 erschienen. Was hast du in der Zwischenzeit gemacht? Musik oder andere Sachen?
Ich hab sehr viel Promotion für "Come Along" gemacht. Eineinhalb Jahre lang ging das. Danach hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf das alles. Ich hatte zu der Zeit ein bisschen Geld über, wovon ich mir ein Pferd gekauft und den Führerschein gemacht habe. Ich war dann ein Jahr lang auf dem Land und hab mich nur mit Pferden beschäftigt. Letztlich wusste ich aber nicht so genau, was ich tun sollte. Am Ende wurde ich sogar ein wenig panisch. Deshalb hat es ein bisschen gedauert, bis das neue Album kam.


In deiner Familie macht jeder Musik. Wie war es, in solch einem Umfeld aufzuwachsen? Wie hat es dich geprägt?
Keiner von uns war dieser Jackson-Five-Typus, der ständig tanzt und singt. Privat haben wir niemals einfach die Gitarre rausgeholt und gesungen. Als Kind war ich überhaupt nicht beeindruckt davon, einer Musikerfamilie anzugehören. Ich wollte ein "normales" blondes, blauäugiges, schwedisches Mädchen sein, aber ich wuchs in dieser Hippie-Familie auf. Mein Vater brachte zum Elternabend seine Kongas mit und wollte, dass alle tanzen, bevor es losging. Und ich dachte: "Oh, tu mir das nicht an." Ich begann erst mit 17, 18 zu singen. Damals war ich sehr schüchtern. Aber ich hab mich letztendlich getraut. Und bei meiner Schwester Neneh war es ähnlich. Sie kam auch erst als Teenager zur Musik.

Lass uns über deine Platte reden. Das Cover sieht ja ziemlich düster aus. Bezieht sich das auch auf die Musik?
Ja, das trifft schon das Gefühl dazu ganz gut. Als ich das Album schrieb, war ich sehr zurückgezogen, "Hidden". Ich saß zu Hause und arbeitete bis in die Nacht, wenn alle anderen längst schon schliefen. Keiner durfte etwas davon hören, über ein halbes Jahr lang. Niemals zuvor habe ich mehr selbst gemacht als bei diesem Album.

Vor welchem Monster o. Ä. hast du dich als Kind gefürchtet?
Ich würde sagen, dass die Finsternis mein Monster war. Immer, wenn die Sonne verschwand, wurde es etwas spukig.

Guckst du gern Horror/Grusel-Filme? Welchen schätzt du am meisten?
Niemals, denn dabei fürchte ich mich zu sehr. Aber ich hab als Teenager "Der Exorzist" gesehen. Das steckt mir immer noch in den Knochen.

Was rätst du Bekannten, wenn sie dir sagen, sie haben einen Geist gesehen?
Ich kann keine Ratschläge geben, weil ich keine Erfahrungen damit habe. Es ist seltsam: Ich glaube nicht an sie, aber ich fürchte mich ein wenig vor ihnen.

Was müsste man dir bieten, damit du eine Nacht alleine in einem Spukschloss verbringst?

Mein Preis wäre, dass meine gesamte Familie ein langes Leben hat. Darf man Valium mitnehmen? Mit Valium würde ich es für 50.000 Euro tun. Oder einfach nur so zum Spaß? Ohne Valium vielleicht für 75.000.




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aus Intro #177 (November 2009)
 
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