The Antlers
Dämonen des Abschieds
20.10.2009, 16:55, Text:
arno raffeiner
Das Album, das Sänger und Gitarrist Silberman mit zwei Freunden aufgenommen hat, beschreibe die Geschichte einer Beziehung, erzählte er unserem Autor Arno Raffeiner. Allerdings nicht irgendeiner Beziehung, sondern der zu einer krebskranken Freundin. "Hospice" ist gequält von den Dämonen eines ewig sich hinziehenden Abschieds, eines persönlichen Verlusts, der musikalisch mit einer enormen Dynamik von klaustrophobischsten Momenten bis zu Ausbrüchen voller Pathos gebannt wird.
Die Musik auf "Hospice" überwältigt mit der Intensität ihrer Stille genauso wie mit ihrer Lautstärke.
Ja, es gibt Momente, wo viel passiert, Momente, wo wenig passiert, Momente des Durchatmens. Manchmal ist es wie in einem Traum, dann wieder wie in einem Albtraum. Die Art, wie diese Dinge sich aufbauen, wie sie explodieren, illustriert einfach, wie Menschen miteinander umgehen und wie Ereignisse unser Leben bestimmen. Wenn du etwa einen sehr ruhigen Tag hast und dann hörst, dass jemand in einen Autounfall verwickelt war - plötzlich ist es sehr laut. Nicht so sehr der Unfall selbst, aber die Wucht, mit der er auf dein Bewusstsein knallt. Musik ist in diesem Sinne sehr visuell, sie kann Gefühle darstellen. Du musst etwas nicht unbedingt sehen oder erleben, du kannst es durch Musik fühlen.
Hattest du ähnliche Erlebnisse, bei denen du an die Grenzen der Rationalität gestoßen bist?
Es gibt definitiv Dinge, die ich gesehen, gehört oder gefühlt habe und nicht erklären kann. Vermutlich hat mir bloß mein Gehirn Streiche gespielt, aber auch das ist unheimlich. Wenn man zum Beispiel aufwacht und total überzeugt davon ist, dass da noch jemand Fremdes im Bett liegt oder im Raum steht - bis man merkt, dass man schläft. Solche Erlebnisse hatte ich. Könnte eigentlich auch ein Geist gewesen sein.
Vor welchen Monstern hast du dich als Kind gefürchtet?
Nachts dachte ich immer, im Wald rote Augen zu sehen. Vor denen hatte ich schreckliche Angst, weil ich keine Ahnung hatte, was das sein könnte. Und ich hatte ein Kindermädchen aus Irland, das mir erzählte, es hätte bei uns im Garten Banshees gesehen. Ich hab mir fast in die Hosen gemacht vor Angst. Ich bin nämlich in einem sehr alten Haus in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Solche Häuser machen viele Geräusche, es gibt viele finstere Ecken. Als Kind denkt man dann, es spukt überall.
Vor welchem Gespenst, das in den USA gerade umgeht, fürchtest du dich am meisten?
Vor plötzlichen Katastrophen, vor Dingen, die man nicht erwartet und über die man absolut keine Kontrolle haben kann. Schreckliche Dinge, die jede Sekunde passieren könnten. In Amerika haben seit mindestens acht Jahren alle Angst vor dem Gespenst Terrorismus. Aber deswegen mache ich mir keine großen Sorgen, die Leute sind sowieso schon paranoid genug.
The Antlers "Hospice" (Frenchkiss / !K7 // Alive)
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