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Mount Eerie

Spooky Windspiele

20.10.2009, 16:22, Text: Christian Steinbrink

Phil Elverum gilt als Feingeist und Charismatiker der sonst so bodenständig-rumpeligen US-Free-Folk- und -Experimental-Szene. Nach vielen verschiedenen Projekten, etwa mit den legendären The Microphones, ist der DIY-Aktivist und Alleskönner, der auch als Fotokünstler, Maler und Dichter aktiv ist, mit seinem frischesten Outfit Mount Eerie beim Kölner Label Tomlab gelandet. Das Album heißt "Wind's Poem" und ist so furios, dass es sogar in der Diskografie Elverums einen Quantensprung darstellt. Er verarbeitet darin den Klang des Windes hinter seinem Haus. Was haben sie ihm denn geflüstert, die Geister in der Luft? Fragt sich Christian Steinbrink.

Was meint das genau, "Wind's Poem"?
Na, ich habe natürlich keine Texte vom Wind eingeflüstert bekommen. Ich habe schlicht versucht, die unheimlichen Stimmen und Geräusche, die man manchmal in heftigen Stürmen hört, zu verstehen und zu interpretieren.

Hat das auch etwas mit den Mythen der Ureinwohner zu tun? Hat das auf dem Album eine Rolle gespielt?

Nein, ich kenne mich mit diesen Mythen leider nicht aus. Ich habe meine eigenen Mythen aufgemacht.


Würdest du die Sprecher des Windes denn auch als Geister beschreiben?
"Geister" sind eine interessante Idee. Manche Leute, nicht ich, denken ja tatsächlich, dass es sich dabei um etwas Seelenvolles, ähnlich dem menschlichen Geist, handelt. Andere sehen Geister eher in außerordentlichen Gefühlen oder Erinnerungen. Ich "glaube" nicht an Geister, denke aber, dass wir immer wieder mysteriöse Gefühle und Erinnerungen haben und dass wir darin gern eine tiefere Bedeutung interpretieren. Also, ja, die Idee mit den Stimmen des Windes kann man als "Geister" beschreiben. Eine unsichtbare, aber spürbare Kreatur in der Natur.

Hast du ein Erlebnis parat, bei dem du an die Grenzen des Rationalen gestoßen bist?
Manchmal denke ich, dass allein schon das Leben, Leben auf der Erde, der Weltraum und jeder Gedanke in meinem Kopf völlig irrationale Dinge sind. Magisch und verrückt. Wir sind danach bloß Berge von Molekülen und Elektrizität. Wie schaffen wir da so etwas Wundervolles wie ein Gedicht?

Würdest du dich als spirituell oder religiös bezeichnen?
Eigentlich hoffe ich das nicht, aber ich sehe immer wieder große Mysterien um mich herum. Ich mag keine Religionen, aber ich bewundere diesen generellen menschlichen Impuls, Mysterien zu erkunden und aufzudecken. Es ist nur zu schade, wie Religionen dieses Bestreben schablonisiert haben. Sie haben das Wilde in uns getötet.

Hast du einen Lieblings-Horrorfilm?
Ich liebe "Dracula", eigentlich alle Versionen. Aber nicht wegen des Horrors. Die wirklich gruseligen Filme sind die subtileren wie "Inland Empire", die ohne Monster. Nur mit Licht und Dunkelheit und Sound und Spannung.

 

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aus Intro #177 (November 2009)
 
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