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Uwe Flade

Der Clip-Regisseur im Interview: "Die Nachfrage ist groß"

02.10.2009, 18:15, Text: Felix Scharlau

Nie zuvor gab es so viele Musikvideos frei verfügbar im Netz zu sehen. Aber auch noch nie waren die Budgets für neue Produktionen so niedrig. Quo vadis, Videokunst? Felix Scharlau sprach mit dem Depeche-Mode- und Franz-Ferdinand-Regisseur Uwe Flade, 38, über Krise, Innovationsdruck und Hoffnungen.

Uwe, du hast in der Vergangenheit Clips für Rammstein, Sportfreunde Stiller, 2raumwohnung, Franz Ferdinand und Depeche Mode gedreht. Blöd gefragt: Wie kommt man an solche Aufträge überhaupt ran?
Ich hatte nach meinem Filmwissenschaftsstudium einige Jobs hinter den Kulissen gemacht. Ich kannte Peter von Sportfreunde Stiller, weil wir zusammen auf der Schule waren. Und da ergab sich die Möglichkeit, ein unwichtiges Video für die zu drehen - viertes Video zur ersten Platte. Danach habe ich angefangen, Video-Treatments zu schreiben, und so kam eins zum anderen.


Wie überall in der Plattenindustrie sinken auch in der Videoproduktion die Budgets. Du drehst mittlerweile auch Werbung und Kurzfilme. Wie sieht denn momentan deine Video-Quote aus?
2009 eigentlich wieder ganz gut. Ich habe jetzt schon vier Videos gedreht, das ist so viel wie letztes Jahr insgesamt. Wobei ich es auch nicht mehr so sehr darauf anlege. Man verdient beim Videodrehen kaum noch Geld. Und man wächst natürlich auch raus aus so einem Job: Ich bin jetzt 38, viele Bands sind erst 21, das wird zunehmend schwieriger. Außerdem existiert das Genre nun ja auch schon 25 Jahre und mehr. Ich finde es immer schwieriger, gerade vor dem Hintergrund sinkender Budgets, kreativ etwas wirklich Originelles zu machen. Originell heißt heutzutage zu oft auch leider einfach nur "merkwürdig".

Sinken denn nur die Videobudgets der mittleren und kleineren Acts? Oder auch die der Superstars?

Ja, auch die. Depeche Mode haben bei mir vor vier Jahren ja schon viel weniger ausgegeben als für ihre Videos von 2001, zu "Exciter"-Zeiten. Damals hatten die Videobudgets im sechsstelligen Bereich. Bei mir waren es nur noch fünf Stellen, was immer noch okay war, aber jetzt sind sie noch mal 30 Prozent runtergegangen. Und gerade bei solchen Bands ist es schwierig zu kalkulieren: Die wollen dann gerne später kommen und früher gehen, das heißt, du brauchst zusätzliche Kameras, um das Material in der Zeit zusammenzukriegen. Die wollen bestimmtes Essen, drei Limousinen und so. Das bleibt ja alles im Budget hängen. Ist ja auch ihr gutes Recht, sie kennen die konkreten Zahlen in der Regel auch nicht. Deshalb kommen solche Acts auch heute ans Set und wollen, dass alles so läuft wie früher. Grundsätzlich ist das Budget aber auch heute noch sehr abhängig vom Verhältnis der Band zur Plattenfirma, das heißt, es kann durchaus sehr unterschiedlich hoch sein. Ich hatte jetzt zum Beispiel mehr Geld für den Videodreh von Jennifer Rostock als für den von a-ha. Das ist schon ein bisschen absurd, wenn man drüber nachdenkt.


Gibt es denn in so einer prekären Situation überhaupt noch eine wirkliche Chance für junge Regisseure, sich zu etablieren?
Es gibt schon viel Neues zu sehen. Polarkreis 18 haben sich zum Beispiel einen Regisseur "mitgebracht". Die Get-Well-Soon-Videos, die mir gut gefallen, hat auch jemand gemacht, den ich vorher gar nicht kannte. Aber unterm Strich bleiben Newcomer, die eine echte Chance kriegen, rar. Die Plattenfirmen wollen ja trotz weniger Geld immer noch ein tolles Produkt, das überall auf der Welt laufen könnte. Und da braucht es viel Erfahrung, man muss alle Tricks kennen, um den kleinen Finanzrahmen voll auszulutschen. Schwierig, aus wenig Geld immer das Production Value zu zaubern, das die Auftraggeber sich vorstellen.


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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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