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Tiny Vipers

Burning Down The Crowd

01.10.2009, 12:03, Text: Wolfgang Frömberg, Foto: Katharina Poblotzki

Unter dem Namen Tiny Vipers legt die in Seattle lebende Jesy Fortino ihr zweites Album vor. Wolfgang Frömberg traf die robust-zarte Solokünstlerin und erfuhr, dass sie weiterhin keine Band sein möchte und ihre Eigenart auf jeden Fall bewahren will.

Das Tiny-Vipers-Sub-Pop-Debütalbum aus dem Jahr 2007 trug nicht zufällig den Titel "Hands Across The Void". Beim Gespräch nach dem phänomenalen c/o-pop-Gig in der Kölner Clubbar King Georg werden die Hände ausgestreckt über die Leere, die entsteht, wenn ein Fragensteller nicht die immer gleichen Floskeln benutzen will - und die Befragte die nicht immer gleichen Antworten liefern möchte.


Jesy Fortinos Ansatz ist charmant, führt jedoch zu längeren Ruhepausen in der Konversation, die auch den Neugierigen stocken lassen. Dabei hatte der sich einige komische Gedanken gemacht. Angefangen beim Funkenflug auf dem düster-melancholischen Cover der aktuellen CD "Life On Earth", über deren an David Bowies "Life On Mars" gemahnenden Titel und dessen sowohl spirituell wie materiell zu deutenden Unterton bis hin zur Naturmetaphorik der Texte, die lautmalerisch durch die Dunkelheit geistern. Ob die Verbundenheit zur Erde, welche in den Worten und den Geistern, die sie beschwören, zum Ausdruck kommen, die Zuneigung der Künstlerin zum Urwüchsigen repräsentiere, weil diese sich in dieser Gesellschaft besonders fremd oder außerordentlich heimisch fühle? Hm. Darauf mag Jesy Fortino nicht antworten. Dafür betont sie, dass sie ihr zweites Album auf Sub Pop, wo sie sich ins Restprogramm schmiegt wie eine Cat-Power-Platte im Repertoire von Kompakt, ganz alleine produziert und der zur Seite stehende André Hernandez lediglich den Soundingenieur gegeben habe. Wer sie live sich hineinmeditieren sah in fieberhaft gefangen nehmende Songs wie "Dreamer" mit beklemmenden Zeilen wie "I'm dying for a way out", wird Jesy Fortino glauben schenken, wenn sie sagt, dass sie sich Auftritte mit Band nicht vorstellen könne. Die Zartheit, die hinter der robusten Autonomie ihrer Kunst aufscheint, ergibt sich aus ebendieser Einstellung gegenüber dem Tragen der eigenen Haut zu Markte. Jenen Weg mag sie nur für sich und unter den von ihr für gut befundenen Bedingungen zurücklegen. Keine Diskussion. In Köln haben auch fast alle brav die Schnauze gehalten.


Tiny Vipers "Life On Earth" (CD // Sub Pop / Cargo)

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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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