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Mika

Camp Rock

30.09.2009, 17:38, Text: Jürgen Dobelmann, Foto: Sandra Stein

Auf Du und Du mit The Who: Den einen geht er mit seiner Fünf-Oktaven-Stimme ordentlich auf den Zeiger, die anderen vergöttern die musikalische Opulenz seines Freddie-Mercury'esken Schnörkel-Rockpop. Bei der Vermeidung des "Zweites-Album-Syndroms" kommen dem jungen Anglo-Libanesen laut Jürgen Dobelmann allerdings v. a. seine popmusikhistorischen Kontakte und Kenntnisse als selbst ernannte "Enzyklopädie der Popmusik" zugute.

Ist es einem Musiker gelungen, von seinem Debütalbum mehr als sechs (!) Millionen (!!) Exemplare zu verkaufen sowie den einen oder anderen repräsentativen Award abzuräumen, darf er sich nicht nur über entsprechende Barmittel, Beliebtheit in der Zielgruppe und Anerkennung freuen, er sieht sich auch irgendwann mit der Aufgabenstellung konfrontiert, ein Nachfolge-Album aufnehmen und veröffentlichen zu müssen.


Für manch durchschnittlich Begabten ein mittelheftiges Problem, für einen blitzgescheiten Pop-Auskenner wie Mika alles lediglich eine Frage der Perspektive. "Ich habe mir von verschiedensten Leuten Ratschläge geholt, einer davon war Pete Townshend. Er sagte: 'Weißt du was, Mann? Denke wie ein Handwerker, nicht wie ein Künstler. Alles andere kommt dann schon.' Das hat mir sehr eingeleuchtet", erklärt der 26-Jährige.

Neben der Who-Legende war es vor allem aber seine Mutter, die großen Einfluss auf die Entstehung der Songs für "The Boy Who Knew Too Much" nahm. Gerade mal zwei Tage, bevor Mika sein neues Domizil, ein eigenes Haus, beziehen wollte, sagte sie dem Makler ab und buchte den begabten Sprössling flugs in jenes Hotel ein, in dem bereits die Erfolgskompositionen des Multiplatin-Erstlings entstanden waren. "Sie sagte zu mir: 'Je mehr Geld du für deinen Komfort ausgibst, desto schlechter wird dein Album', und belegte mich obendrein mit einem Fluch, denn sie weiß ja, wie abergläubisch ich bin", erklärt Mika. "Meine Mutter ist ein ziemlich tougher Motherfucker."

Ganz besondere Regeln gelten auch bei den Studioarbeiten: Möchte ein Musiker zur bestehenden Komposition (allesamt ausschließlich von Mika allein erarbeitet) ein neues Element hinzufügen, muss er zunächst einen Beleg für dessen Eignung erbringen: "Bei mir gilt das Prinzip, dass jede Melodie singbar sein muss. Deshalb muss auch jeder Gitarrist seinen Part zuerst singen", erklärt er. "Das zeichnet z. B. auch Prince-Platten aus: die Kickdrum, die Gitarre, der Beat - jedes noch so winzige Element ist eine Hookline." Darüber hinaus werden alle Mitwirkenden dazu angehalten, sich während des gesamten Aufnahmeprozesses keinen anderen musikalischen Einflüssen auszusetzen. "Wir sperren aber niemanden ein!" versichert Mika. "Alle Beteiligten verstehen, worum es geht. Wenn man sich das Programm eines Top-40-Radiosenders während der Aufnahmen anhört, ist das nicht förderlich. Diese medialen Einflüsse bewirken, dass man sich automatisch in einen Wettbewerb begibt, anstatt sich ganz auf die kreative Seite einer Albumproduktion zu konzentrieren. Wir machen Musik nicht, um in einer bestimmten Kategorie besser zu sein als andere, sondern weil sie uns glücklich macht."

Die Fähigkeit, diese Positiv-Stimulanz auch auf Radio- und Musik-TV-Konsumenten abzustrahlen, mag der Schlüssel für den massiven Erfolg des hochsympathischen Musikers sein. Den Grund für den verschwenderischen Umgang mit Catchiness sieht Mika selbst derweil weniger in seinem etwaigen musikalischen Genie, sondern vielmehr in handwerklicher Unzulänglichkeit begründet. "Ich interessiere mich nur so extrem für Melodien, weil mein Klavierspiel nicht sehr gut war. Ich kann ja nicht mal Noten lesen und habe mir alles selbst beigebracht. Und wenn man nicht besonders gut spielt, versucht man das mit einem möglichst pointierten Text und einer effektiven Melodie zu kompensieren."

Mika "The Boy Who Knew Too Much" (CD // Universal)

Termine Mika
20.03.2010 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle » Details | Merken | Anreise
21.03.2010 Wiesbaden, Schlachthof » Details | Merken | Anreise
23.03.2010 Hamburg, Große Freiheit 36 » Details | Merken | Anreise
24.03.2010 Berlin, Huxley's » Details | Merken | Anreise
26.03.2010 Leipzig, Haus Auensee » Details | Merken | Anreise
27.03.2010 München, Zenith » Details | Merken | Anreise
29.03.2010 Wien, Gasometer » Details | Merken | Anreise
30.03.2010 Stuttgart, LKA-Longhorn » Details | Merken | Anreise

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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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