Editors
Im Interview: Mit dem Dritten sieht man besser
29.09.2009, 12:04, Text:
Peter Flore, Foto: Jan Wilkenn
Andere Stadt, andere Arbeitsweise: Bei dem Quartett aus Birmingham hat sich einiges geändert. Das spiegelt sich auch im neuen Werk "In This Light And On This Evening" wider, mit dem Tom Smith und seine Band zwiespältige Reaktionen nicht nur befürchten, sondern sogar billigend in Kauf nehmen. Von Peter Flore.
Manchmal empfiehlt es sich, die Dinge noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Weil man sie dann klarer, zumindest aber anders sieht. Und manchmal erscheinen die Dinge auch einfach in einem anderen Licht, einfach so, ganz von selbst. Gut möglich, dass Editors-Kopf Tom Smith diese Erfahrung zuletzt einige Male gemacht hat.
Vielleicht, als er von der bisherigen Band-Homebase Birmingham (in der mittlerweile tatsächlich nur noch Schlagzeuger Ed Lay lebt) in die englische Hauptstadt London zog; vielleicht, als es darum ging, dem neuen und dritten Editors-Album einen entscheidenden Kick in eine andere Richtung zu geben. "I swear to god / In this light and on this evening / London's become the most beautiful thing I've seen", heißt es im monoton brummenden Titeltrack, und das kann im Hinblick auf den weiteren Verlauf durchaus als übergeordnetes Motto begriffen werden: die Dinge einfach mal von einer anderen Seite aus zu betrachten.
"Es ist nicht so, dass wir uns konkret hingesetzt und gesagt haben: 'Wir machen jetzt ein synthielastiges Album', es hat sich einfach so ergeben", erklärt Smith den doch überraschenden nächsten Schritt, auf dem neuen Album fast schon inflationär auf klinische Synthie- und Keyboardhooklines zu setzen. Manch einem, der die erste Single "Papillon" zum ersten Mal hört, mag diese wie eine zügellose Eurythmics-Coverversion erscheinen.
"Es fing damit an, dass wir dieses Mal beim Schreiben schon bewusst andere Instrumente als Bass, Gitarre, Schlagzeug verwendet haben. Für mich war es spannend, Melodien auf dem Keyboard zu komponieren - auch, weil ich beileibe kein Crack auf diesem Instrument bin. Ich habe mich wie ein Anfänger gefühlt, der einfach mal ausprobiert und ein bisschen klimpert. Das kam aber wiederum den Songs zugute, denn diese fast naive Herangehensweise war letztlich sehr befreiend."
Das Ergebnis ist ein überraschend räumlich klingendes Album, jedes Instrument scheint seinen Platz zu haben, und die daraus entstehenden Lücken sind absolut beabsichtigt: Mut zum Nichts, gewissermaßen. Die Möglichkeit, die bisherige Fanbase damit regelrecht zu spalten, habe man einkalkuliert und sich nicht weiter darum geschert; immerhin gehe es nicht darum, irgendwelche Kunden zu bedienen, findet Gitarrist Chris, wie Bassist Russell mittlerweile in New York wohnhaft.
Die Stadt, also London, habe schon einen großen Einfluss auf die Musik und vor allem die Texte gehabt, sagt Tom Smith. "Es gibt einige Songs, in denen die Stadt explizit als Setting vorkommt, bei den anderen hat London zumindest im Hinterkopf mitgespielt." Wobei hier nicht "Stadt" als Ort der kulturellen Vielfalt und Lebensfreude gemeint ist, vielmehr geht es durchweg um eine düstere Vision von urbanem Zusammenleben - mit all dem Dreck, dem Krach und dem Gesindel, das sich spät nachts in den dunklen Seitenstraßen herumdrückt.
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