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Calvin Harris

Pole-Position für Nichts

28.09.2009, 15:25, Text: Sebastian Ingenhoff

Calvin Harris kennt man hierzulande in erster Linie als Komponisten des "Germany's Next Topmodel"-Jingles "Acceptable In The 80s". In Großbritannien ist der Kinderzimmerproduzent dagegen seit seinem Debütalbum "I Created Disco" eine große Nummer. Sebastian Ingenhoff sprach mit der von Katy Perry und Kylie Minogue umworbenen Hitmaschine in London über dessen neues Album und Musikvideos.

Nimmst du deine Sachen eigentlich immer noch im Schlafzimmer auf deinem Laptop auf, oder hast du dich produktionstechnisch jetzt mal professionalisiert?
Ich hab das neue Album unter ähnlichen Bedingungen aufgenommen wie "I Created Disco". Es war halt nur nicht mehr das Schlafzimmer, sondern ein anderer Raum in meiner Wohnung. Das Equipment war dieses Mal etwas moderner. Ich war nicht mehr ganz so limitiert in meinen Möglichkeiten.


Stimmt es, dass du die Hälfte der ursprünglichen Aufnahmen in Heathrow verloren hast, weil du sie auf einer Bank hast liegen lassen?
[lacht] Nein, das war nur eine Ente, um mehr Zeit zu bekommen. Mein Label wollte das Album haben, ich hatte zu dem Zeitpunkt aber nur zwei Songs fertig. Dafür ist es jetzt aber richtig gut geworden.

In unserem nächsten Heft gibt es ein Special über Musikvideos. Wie wichtig ist Visualisierung für deine Kunst?
Ich glaube, dass Musikvideos allgemein immer weniger wichtig werden. Für eine Plattenfirma lohnt es sich kaum noch, aufwendige Videos zu produzieren. Die besten YouTube-Videos sind doch jene, die mit ganz bescheidenen Mitteln gemacht worden sind. Ich glaube, dass Musikvideos als Fingerübung der ganz großen Regisseure definitiv aussterben werden, so etwas wie "Windowlicker" von Aphex Twin und Chris Cunningham wird es einfach nicht mehr geben.



Was ist das schlimmste Musikvideo, das dir einfällt?
Ich habe in dem schlechtesten Musikvideo der Welt selbst mitgespielt. Das war das Video für Dizzee Rascals "Dance Wiv Me". Es wurde für 1.200 Pfund in einem Club gedreht, ich habe einen Barmann im Hintergrund gespielt, während Dizzee sein Ding gemacht hat. Das Video ist wirklich scheiße, es sieht aus, als wäre es mit dem Handy aufgenommen worden. Es wurde alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, die Bilder und die Musik waren nicht mal synchron, die Lippenbewegungen wirkten total bizarr.



Aber der Song wurde ein Nummer-eins-Hit ...
Genau, das ist ja das Merkwürdige daran. Der Song ist auf einem Indielabel erschienen, hatte das beschissenste Video der Welt und marschierte auf die Pole-Position. Das war das Gesprächsthema Nummer eins in England. Alle haben mich gefragt: "Oh Mann, das hier soll wirklich das Video sein?" Aber ein guter Song wird halt immer seinen Weg gehen, am Ende siegt immer die Qualität der Musik.

Intro empfiehlt:
Calvin Harris
"Ready For The Weekend" (CD // Ministry Of Sound / Edel)

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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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