Kings Of Convenience
Im Interview: Nichts geht verloren
25.09.2009, 17:32, Text:
Mario Lasar, Foto: Lars Borges
Ein später Nachmittag im sommerlichen Berlin. Nur wenige Stunden, nachdem Mario Lasar wegen eines "widerwilligen Gesichtsausdrucks" Hausverbot in einem Plattenladen am Prenzlauer Berg erteilt worden ist, trifft er im Innenhof eines Hotels auf Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe, die nach fünf Jahren des Schweigens das kollektive Verlangen nach einem neuen Kings Of Convenience-Album erhört haben.
Erlend Øye, im gelangweilten Tonfall: "We've met before, I guess." Und in der Tat begann bereits im Februar 2001 ein Kings-Of-Convenience-Interview im Café Central zu Köln damit, dass sich Erlend Fragen nach dem Bandnamen und dem Titel des ersten Albums ("Quiet Is The New Loud") verbat. Dieses Mal ist es eine leicht überspannte (aber grundsätzlich freundliche) Stimmung, die daraus resultiert, dass ich der letzte einer Reihe von Journalisten bin, die die Band mit komplexen und fantasievoll zusammenfabulierten Fragen peinigen. Erleichterung: Der Erfolg hat Erlend Øye nicht korrumpiert, er war schon vorher eine Diva.
Während Eirik beim Anblick des Obstkuchens auf dem Tisch sagt, dass er Lebensmitteln misstraue, die man nicht eindeutig definieren könne, hadert Erlend damit, so nett und verständnisvoll sein zu müssen, wie es seine Musik vermeintlich nahelege. "Ich bin so gelangweilt davon, als dieser Typ rüberzukommen, für den Liebe dieses unglaubliche Ding ist, das nur mit Samthandschuhen angefasst werden darf. Pah!" Aber Erlend, wir haben alle unseren Part im Leben zu spielen. "Ja, ich tue mein Bestes!" [großes Gelächter allerseits]
Und das tut er wirklich, wie das neue Album mit dem wortspielverliebten Titel "Declaration Of Dependence" eindrucksvoll belegt. Wenn es stimmt, was Rainald Goetz sagt, nämlich, dass Sich-nicht-Weiterentwickeln etwas Königliches habe, wäre es an der Zeit, die sich schon durch den Bandnamen auf der entsprechenden Begriffsebene bewegenden Kings Of Convenience endlich zu krönen. "Declaration Of Dependence" ist keine "Weiterentwicklung", sondern einfach eine weitere Variation der unaufgeregten, vergeistigten Gesten, für die die Band geliebt wird. Der undogmatischen Fixierung auf zwei akustische Gitarren, die auf elaborierteste Weise miteinander interagieren, wohnt eine ikonische Qualität inne, die scheinbar auf nichts mehr verweist, was außerhalb ihrer selbst liegt.
Gleichwohl erklärt Eirik, in der Zwischenzeit viel von brasilianischer Musik gelernt zu haben: "Bossa Nova zu entdecken hat einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Ich war vor allem darüber erstaunt, dass ein Song umso stärker ist, je weniger Elemente zu seiner Realisation benötigt wurden. Musikalische Homöopathie." Eine Beschreibung, die sich auch auf die komplexe Simplizität der KOC-Musik beziehen lässt. Neben der atemberaubenden Fingerpicking-Technik der beiden fasziniert vor allem die Weise, wie melodie- und rhythmusorientiertes Spiel ineinandergreifen.
Ei: "Second To Numb", der Song, der Kings Of Convenience am besten auf den Punkt bringt, ist ein gutes Beispiel für diesen Ansatz. Er wird geprägt von zwei unterschiedliche Rhythmen spielenden Gitarren, die übereinandergelegt werden. Diese Komplexität macht den Song interessant. Deswegen dauert es so lange, unsere Songs aufzunehmen. Wir müssen so präzise spielen, als wären wir Computer, und dabei gleichzeitig darauf achten, die Musik relaxt klingen zu lassen.
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