Ja, Panik
Wird bald alles uns gehören
25.09.2009, 16:32, Text:
linus volkmann, Foto: Michael Dürr
[2 Kommentare]
"Wird bald alles uns gehören" - eine schöne Vertröstung auf zukünftigen Besitz, das reiche Erbe, das topgeile Paradies. Aber was, wenn uns jetzt schon alles gehört? Der komplette aktuelle Mist and the money. Genau das sind wir und trotzdem mittellos. Die Wiener Jungs von Ja, Panik ziehen nach Berlin. Mit einem fantastischen Album. Linus Volkmann traf Sänger Andreas Spechtl. Fotos: Michael Dürr.
Ohne Geld
An der Grenze zu Österreich. Vor der Auffahrt zur Autobahn wird ein weißer Sportwagen von einer deutschen Zoll-Patrouille angehalten. Die Fahrerin, Putzi von Opel, eine der Erbinnen des gleichnamigen Automobilkonzerns, sitzt drinnen. Sie ist nervös. Auf dem Beifahrersitz Depotabrechnungen diverser Schwarzgeldkonten aus dem Nachbarland ohne Kapitalertragssteuer sowie im Handschuhfach über hunderttausend Euro in bar - die Obergrenze von unangemeldet eingeführter Barschaft liegt bei zehntausend. Mehr fällt unter die Nachweispflicht, um Geldwäsche zu verhindern. Die Beamten studieren die Unterlagen. Putzi von Opel hat Angst.
Keine Angst
Es klingelt in einem Hochhaus in Köln-Weidenpesch, in der Wohnung läuft gerade die Wiederholung von "Raus aus den Schulden" mit Peter Zwegat. Auf RTL. Die Mieterin drückt auf die Stummtaste des Fernsehers. Könnte der Gerichtsvollzieher sein, oder der Typ von Yellow-Strom, der abklemmen will. Es klopft bereits oben an der Wohnungstür. Angst!
Alles hin, hin, hin
Du kaufst dir verkatert zwei Brötchen bei Kamps, hinter dir schon eine Schlange. Wechselgeld. Aber es stimmt nicht! Ganz sicher! Oder? Die Frau hat dir zu wenig auf deinen Zehner rausgegeben. Aber der Nächste ist schon dran. Sollst du jetzt reklamieren? So, wie du dich fühlst, wie du aussiehst, wie du bist? Jetzt die Stimme erheben? Wieder Angst!
"Ohne Angst, kein Geld / Alles hin, hin, hin / Kein Geld, ohne Angst / It's all about the angst and the money."
Frauengruppe
Auf dem Stuhl eines lieblos-rustikalen Eiscafés mit Mittagstisch sitzt the hardest working Spechtl in Business. Halb abgekämpft, weil er gestern Nacht erst mit einem Umzugswagen nach Berlin kutschiert ist und sich hier, nur zwölf Stunden darauf, bereits in Köln schon wieder zum Besten gibt. Andreas Spechtl, Sänger und Texter von Ja, Panik, arbeitet sich aber nicht nur am Kilometergeld des Reisenden in eigener Sache ab, sondern ist bereits für seine neue Berliner Szenerie im Einsatz. Anfang 2009 siedelte er dorthin, dieser Tage folgte ihm nun die komplette Band in eine gemeinsame WG von der Donau in die deutsche Hauptstadt. Hauptstadt für alles Mögliche. Die Wartezeit auf die Kollegen überbrückte Spechtl dabei mit diversen Engagements bei und für andere Bands. Eine Zeit lang tauchte gefühlt bei jeder Nachricht über die nächste Supergroup aus Berlin immer "der Typ von Ja, Panik" mit auf. So ergibt sich ein Bandprojekt mit u. a. Christiane Rösinger (Buchautorin, Ex-Lassie-Singers und Britta), der Schlagzeugstuhl bei Luise Pop, zudem half er genau wie Jens Friebe und Herman Halb bei der ersten Phase von Doctorella, der neuen Band von Kerstin und Sandra Grether. Nicht wenig Stempel auf der Seitenprojekt-Karte. "Ach, ich war ja froh, dass mich wer angerufen hat, als ich neu in der Stadt war. Ich hatte ja Zeit."
Damit gibt Spechtl mal eine erste Wasserstandsmeldung in puncto Bescheidenheit ab. Diese wirkt zwar sehr hoch, aber man darf sich nicht täuschen lassen von der knuffigen Art, dem knuffigen Look, dem putzigen Bandnamen. Spechtl und die Jungs sind absolut nicht die Petting-Zoo-Indieboygroup, deren Hetero-Harmlosigkeit sich im Anschmachten der Girls via modern regressiver Lovesongs erschöpft - und die letztlich auf ein total korporatives Dasein als bemüht authentische Deutsch-Pop-Stichwortgeber-Clowns hinausläuft.
Allein, wenn man die Side-Projects von Spechtl ansieht, merkt man, dass es hier einem Typen mal um Frauen als künstlerische Pendants geht und nicht als Bussi-Bussi-Crowd vor der Bühne oder auf Facebook. "Stimmt schon. Also bis auf die Gruppe Ja, Panik ist das angenehmere Arbeiten eigentlich das mit Frauen. Dieses fehlende Mackertum genieße ich sehr."
Christiane Rösinger und Julie Miess (ebenfalls Britta) hört man im Umkehrschluss auch im Chor von "Nevermore", einem der schönsten Lieder auf dem neuen Ja,Panik-Album.
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LongJan 07.10.2009 | 22:27:14
Morgenthau
Atakeks!
henri7 08.10.2009 | 00:10:48
...kann mir mal jemand erläutern, was an der platte so toll sein soll, will sich mir echt nicht erschließen. das debut war ja mit seiner unbeschwerten popattitüde sehr super, der nachfolger mit mehr rock, der immer noch einen refrain draufsattelte ebenfalls, aber dieser verschwurbelte reigen komischen artrocks kommt mir doch sowohl musikalisch als auch textlich sehr gewollt und unsexy vor, schaffe immer nur ca. 3 stücke und muss mich spätestens wenn ihm der nebel im 30- Sekunden-Takt bis zum kinn steht immer ganz schlimm ärgern
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