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Air

Die Imitation von Chinesisch

25.09.2009, 15:26, Text: Sebastian Ingenhoff, Foto: John Landorîo
[1 Kommentar]

Nach Kollaborationen mit unter anderem Charlotte Gainsbourg, Jarvis Cocker und Neil Hannon sind Air auf ihrem neuen Album "Love2" wieder auf sich gestellt. Sebastian Ingenhoff traf Jean-Benoît Dunckel in Berlin und wollte erst mal wissen, wie man denn eine so Jam-artige Platte machen könne. Foto: John Landorîo.

So ein Album muss man sich wahrlich leisten können. Es gibt mal wieder keinen Hit. Auch keine Stargäste wie noch auf dem Vorgänger "Pocket Symphony". Das Titelstück besteht gesanglich einzig und allein aus der monotonen Wiederholung des Wortes "Love". Die Single ist eine Art instrumentaler Progrock mit synthetischen Gitarrensoli. Und dann dieser Albumtitel: "Love2". Der macht doch überhaupt keinen Sinn.


Air veröffentlichen wohlgemerkt noch auf einem großen Majorlabel. Auf die Frage, ob ihr Plattenboss ihnen die Mastertapes nach dem ersten Hören nicht um die Ohren gehauen habe, muss Jean-Benoît Dunckel lachen. "Nein, hat er nicht. Wir sind tatsächlich in der angenehmen Situation, totale Narrenfreiheit zu haben. Auch viele unserer älteren Stücke klangen ja erst mal völlig weird, aber es hat irgendwie immer funktioniert. Also, was sollen sie sagen? Ich glaube, die hören sich das gar nicht mehr richtig an. Das läuft so nach dem Motto: 'Macht, was ihr wollt, ihr seid sowieso Spinner.' Es ist halt eine gegenseitige Abhängigkeit. Wir brauchen diese professionelle Hilfe, weil wir von dem ganzen Businesskram keine Ahnung haben, und sie brauchen uns, weil wir trotz allem immer noch gut Platten verkaufen. Auch wenn es schon ein paar Jahre her ist, dass wir unseren letzten Radiohit hatten."



Falls hier der Eindruck völliger Unhörbarkeit entstanden sein sollte, das wäre natürlich arg übertrieben, denn auch auf dem mittlerweile siebten Album der Franzosen (den "Virgin Suicides"-Soundtrack mit eingerechnet) gibt es noch den einen oder anderen klassischen Song. Zum Beispiel das empfindsame, von einem Oscar-Wilde-Stück inspirierte "So Light Is Her Footfall", das tatsächlich an "Virgin Suicides"-Zeiten erinnert. Progrock-Einflüsse ließen sich auch früher schon heraushören, nur war das Fundament weitestgehend elektronisch. Auf "Love2" hingegen gibt es mehr Gitarren denn je, und durch die Zusammenarbeit mit Joey Waronker spielt das Schlagzeug eine immer wesentlichere Rolle in der Produktion. In ihrem Pariser Studio haben Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin einen Fuhrpark an Synthesizern und Gitarren angehäuft. Das Album wurde erstmals im Alleingang produziert: "Ohne unser neues Studio Atlas hätte 'Love2' niemals entstehen können. Wir hatten absolut keinen Zeitdruck und improvisierten viel. Das hört man den Songs an, die Stücke sind freier, es gibt viele obskure Sounds zu hören. Wir wollen einfach keine Radiohits mehr schreiben, das ist so ermüdend auf Dauer. Es ging uns eher darum, Sounds zu entdecken und mit ihnen zu experimentieren."



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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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AIR, Love2, Pocket Symphony, Sing Sang Sung
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  • User: hatebag
  • hatebag 29.09.2009 | 13:47:47
    You're welcome

    Falls hier der Eindruck völliger Unhörbarkeit entstanden sein sollte, das wäre natürlich arg übertrieben, denn auch auf dem mittlerweile siebten Album der Franzosen (den "Virgin Suicides"-Soundtrack mit eingerechnet) gibt es noch den einen oder anderen klassischen Song.
    Das Ergebnis hat tatsächlich Jamsession-Charakter.
    Großen kommerziellen Erfolg haben Air also scheinbar nicht mehr nötig.

    Vs
    Auch wenn man den beiden sensiblen Franzosen ungern Kalkül unterstellt: Das dürfte natürlich besonders die Milchkaffee trinkenden und Cabrio fahrenden Fans freuen, die von Air eigentlich nur "All I Need" kennen und mögen und dringend mal Nachschub für die Dauerberieselung im iPod brauchen. Man gönnt ihnen ja die Kohle.
    hier zeigen sie wieder Mut zur einfachen Melodie und schwelgen im Rausch der Easy-Listening-Zitate aus den Siebzigern.Link


    Gibt es verschiedene Versionen des Albums?

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