Jamie T
Fuck off, Opa!
22.09.2009, 14:57, Text:
Sebastian Ingenhoff
Nach seinem Debütalbum "Panic Prevention" galt Jamie T als der neue Mike Skinner, Joe Strummer, Billy Bragg oder die männliche Lily Allen. Gute Portionen Chuzpe und Cockney bescherten dem Pfiffikus aus Wimbledon einen Majorplattenvertrag und satte Chartserfolge. Nun ist er mit einem neuen Album zwischen Pubrock, Ska und HipHop zurück. Sebastian Ingenhoff verstand den Guinnesssprech des Huckleberry-Finn-Lookalikes zwar nur zur Hälfte, hörte aber interessiert zu.
Deine Musik schert sich gar nicht mehr um irgendwelche Genregrenzen. Trotz der Gitarren hört man immer deine HipHop-, Dancehall- und Skasozialisation heraus. Das ist ein sehr eigenartiger, aber schöner Kontrast.
Es ging mir immer darum, Genregrenzen zu überwinden. Ich bemühe mich, möglichst viele verschiedene Stile zu integrieren. Bevor ich Musik schreibe, höre ich halt viel Musik. Ich lasse mich durch alles Mögliche inspirieren, ohne irgendwelche Einschränkungen.
Das ist vielleicht das Spannende an diesem Zeitalter. Früher musstest du dich entscheiden, ob du Punk, Mod oder Rude Boy sein wolltest, heute wird alles wild gemischt, es gibt kaum noch Subkulturen mit starren Abgrenzungen voneinander.
Wobei ich auch Freunde habe, die sagen, dass es traurig ist, nicht mehr diese verschiedenen Gangs mit diesem inneren Zusammenhalt zu haben. Ich bin da hin und her gerissen. Auf der einen Seite mochte ich diese Gruppenzugehörigkeit, auf der anderen Seite bin ich froh über diese neue Narrenfreiheit. Es ist doch natürlich, dass man viele verschiedene Musikstile hören will. Übers Internet ist es heutzutage viel leichter, Musik zu entdecken. Früher bist du in den Plattenladen gegangen und hast dir nur bestimmte Fächer angeschaut. Das ist definitiv vorbei. Wenn jetzt also irgendein Rude Boy ankommt und sagt: "Mann, du kannst Ska doch nicht mit HipHop vermischen", dann sage ich: "Fuck off, geh deine alten Specials-Platten hören, Opa."
Du hast früher gerne Mixtapes verteilt bei deinen Shows. Dein Songwriting ähnelt ein bisschen einem Mixtape, deine Songs bauen oftmals auf anderen Songs auf.
Ja, ich mag es, Versatzstücke aus anderen Songs einzubauen oder Songs zu zitieren. Ich fühle mich deshalb auch etwas unwohl, wenn mich jemand als Songwriter bezeichnet, denn das bin ich definitiv nicht. Ich bin ein Dieb, ein Pirat, ich bediene mich bei anderen Sachen und füge sie zu etwas Neuem zusammen. Ich klaue Ideen und nutze sie für mich. Von daher hast du natürlich recht, im Prinzip ist das wie eine Art Mixtape.
Jamie T "Kings & Queens" (CD // EMI)
Termine Jamie T (abgesagt)
28.10.2009 Hamburg, Knust » Details | Merken | Anreise
30.10.2009 Berlin, Frannz » Details | Merken | Anreise
31.10.2009 München, Atomic Café » Details | Merken | Anreise
02.11.2009 Köln, Luxor » Details | Merken | Anreise
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