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2raumwohnung

Über ihren Song

15.09.2009, 18:37, Text: Kerstin Grether

"Alles aus" - Inga Humpe: Das Stück handelt von Momenten, in denen man erkennt, hier geht's echt nicht weiter. So was kann sehr intensiv sein, weil es auch Klarheit bringt: à la "hier und so leb ich nicht mehr!" Ich gehe endlich woandershin.

Der Sommer fiel mit kleinen, grellen Stücken Wüste in die Stadt ein. Und ich bin high, ohne Droge, und ohne Drohung. High nur vom neuen 2raumwohnung-Album "Lasso". Es fängt mich ein: Ja, ich will Menschen mit himbeerfrischen Gefühlen, ich will Großstadtbuschtrommeln, ich will aussteigen aus der Hölle. Der Sound, die Stimme und die Texte von "Lasso" stärken mein Rückgrat. Ich denke an den Song "Alles aus" und seine Zeilen: "Mit ein paar Grüßen aus der Hölle, ein Nebel aus der dunklen Welt, an einer großen kalten Welle hab ich mein schönstes Ziel verfehlt." Ein Song wie eine Trauerminute, weiter geht's: "Der Fluss hört kurz auf zu fließen. Soldaten hören kurz auf zu schießen. Eltern hören kurz auf zu schlagen. Der Nachrichtensprecher hat kurz nichts zu sagen, alles aus. Schmetterlinge liegen am Boden, und ich tret' drauf, alles aus."


Hmm, muss man den Fluss des Lebens erst unterbrechen, damit die Soldaten nicht mehr schießen? Tut der Depressive das nicht sowieso ohne Unterlass? Und wenn der Nachrichtensprecher kurz nichts zu sagen hätte, was wäre dann wirklich? Das Unvorstellbare bleibt weiterhin das Gute, und nicht das Böse. Aber 2raumwohnung, also Inga Humpe und Tommi Eckart, wissen, dass man die positiven Gefühle nicht nur aus dem Positiven schöpfen kann. Es gibt mehr Dagegenhalten und süße Provokation auf diesem Album, mehr Nebel und Düsternis als früher; kleine, offene, aber nie spitze bösartige Sarkasmen. Und zum ersten Mal Bläser und Klarinetten und einen Groove, der hauptsächlich von großen Trommeln kommt und zum Voodoo-Sommertanz lädt. Wie immer gelingt es dem Duo, Elektronisches mit Handgemachtem so zu verbinden, dass es organisch klingt. Nur eins gibt es nicht: Gefangenschaft. Trotz Lasso!

T: Wir hatten uns vorgenommen: keine Impulskontrolle, nur nach den Impulsen spielen.
I: Wir hatten das Gefühl, dass die Ideen alle schon im Raum sind. Man muss nur ein Gefühl dafür entwickeln, diese wahrzunehmen. Das geht natürlich nur mit Leuten, die nicht frustriert sind und die das zulassen können.
T: Depression ist meistens eine Verknüpfung von unterdrückten Gefühlen. Weil man die negativen Gefühle nicht fühlen möchte, kapselt man auch die positiven ab. Denn diese Ausgewogenheit hängt zusammen, und dann geht man in die Depression.

So viel zum Opener "Alles aus". Die anderen zwölf Tracks sind genauso schön.

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aus Intro #175 (September 2009)
 
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