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Sally Shapiro

Schön ausgedacht

28.08.2009, 18:15, Text: Sebastian Ingenhoff, Foto: Sibilla Calzolari

Nicht nur über Labels wie Italians Do It Better erfährt Italo Disco seit geraumer Zeit eine skurrile Renaissance. Die Szeneprotagonisten scheinen von überallher aus der Welt zu stammen - nur nicht aus Italien. Der rheinische Südländer von Intro, Sebastian Ingenhoff, weiß mehr darüber.

Auch die Schwedin Sally Shapiro hat sich mit ihrem Produzenten Johan Agebjörn eine warmblütige Tanzmusik ausgedacht, die ihr bereits Kollaborationen mit Bands wie den Junior Boys oder Holy Ghost einbrachte und das hellwache Permanent-Vacation-Label auf den Plan rief. Dort erscheint ihr zweites großartiges Album "My Guilty Pleasure".


Du hast Sally Shapiro als reine Kunstfigur entworfen. Über dich selbst erfährt man so gut wie nichts, auch deinen richtigen Namen möchtest du nicht verraten. Warum so viel Geheimniskrämerei?
Sally: Ich betreibe die Musik ja nicht hauptberuflich, sondern habe einen ganz normalen Job. Da wir nicht live spielen, gibt es Sally Shapiro eben nur auf Platte. Das soll auch so bleiben. Ich finde es schön, jemand anders sein zu können, das macht es ein bisschen mysteriöser. In meinen Texten geht es hauptsächlich um Dinge, die jeder kennt. Ich versuche eben, das möglichst von mir selbst zu abstrahieren, sodass immer nur die Kunstfigur Sally Shapiro spricht.
Johan: Natürlich steckt in unseren Texten auch immer etwas Eigenes drin, aber es ist eben nie die ganze Wahrheit. Das tatsächlich Erlebte wird immer um irgendwas Fiktionales ergänzt.
S: Du musst dir also keine Sorgen machen, dass ich die ganze Zeit lovesick wäre. Wenn ich Musik konsumiere, möchte ich mich und meine Gefühle einfach in der Musik wiederfinden können. Ein Song muss mir als Hörerin immer diesen Spielraum geben. Ich möchte dabei gar nicht alles über den jeweiligen Künstler selbst wissen. Ein Künstler sollte sich gewisse Geheimnisse bewahren, das macht ihn ja gerade zu einem besonderen Wesen.

Das widerspricht natürlich dem Trend, dass man über jeden Popstar alles weiß. Lily Allen bloggt sogar, wann sie auf der Toilette war.
S: Ich finde das schade, da werden ganze Mythen zerstört. Das meiste, was man in diesen Blogs liest, ist ja wirklich stinklangweilig. Da fragt man sich manchmal: "Ihr seid Popstars, und das hier soll wirklich euer Leben sein?" Da fahre ich lieber den Computer wieder herunter und lasse im Kopf meine eigenen Bilder entstehen.

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aus Intro #175 (September 2009)
 
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