Arctic Monkeys
Im Interview: "Wir sind doch immer noch Kinder!"
21.08.2009, 19:30, Text:
Daniel Koch, Foto: Joachim Zimmermann
[2 Kommentare]
Die Arctic Monkeys mussten vom spektakulären Start ihrer Karriere an immer wieder neue Rollen erfüllen. Daniel Koch fragte sich in Anwesenheit der Band, welche es beim dritten, sehr gewagten Album "Humbug" denn nun sein wird.
Alex Turner legt eine Arroganz an den Tag, für die ich ihm nur im ersten Moment eine in die Schnauze hauen möchte. Wie er da im hübsch verschrammten Ledersofa im Berliner Münz Salon sitzt, die cowboygestiefelten Füße hochgelegt, die Beine übereinandergeschlagen, und dabei zwischen seinen langen Haaren gelangweilt und herausfordernd zugleich hervorschaut – all das lässt mich zunächst an den Typ Möchtegern-Rockstar denken, bei dem man am liebsten das Interview gar nicht erst anfängt. Die Kooks-Type war so einer oder die singende Flachpfeife von She Wants Revenge.
Aber es braucht nur ein paar begrüßende Worte, und ich merke, dass man es bei Turner eher mit einer bestimmten Attitüde zu tun hat als mit wirklicher Überheblichkeit und dass er – ähnlich wie seine Bandkollegen – ein verflucht netter Kerl mit einem angenehm staubtrockenen Humor ist. Und hey – der Typ weiß einfach: Er und seine Band haben immer noch einen verdammt guten Lauf!
Whatever They Say I Am That's What I'm Not
Turner (Gesang, Gitarre), Jamie Cook (Gitarre), Nick O'Malley (Bass) und Matt Helders (Drums) lassen Interviews heutzutage nicht mehr nur über sich ergehen, sie lassen sich gar darauf ein. Die Zeiten, in denen sie – wie zu Anfang ihrer Karriere – aus Hotelsuiten ausbrachen, um sich wie ungezogene Schüler vor der Presse zu drücken, sind augenscheinlich vorbei. Die vier stehen Rede und Antwort – und legen dabei die richtige Einstellung an den Tag: Sie versuchen das Ganze nicht so ernst zu nehmen. Es wird eh wieder jeder schreiben, was er will, und sich die Gesichte so drehen, wie er sie braucht.
"Ich versuche das Zeug gar nicht erst zu lesen", sagt Turner dazu. "Das gibt einem einen ziemlichen Hirnfick, wenn du das, was andere aus deinem Leben machen, liest – schließlich hat man es ja gelebt, aber oft eben ein wenig anders." Bei diesen Sätzen weiß man sofort, warum ihr Debüt so hieß, wie es hieß: "Whatever People Say I Am That's What I'm Not". Die Zeile stammt aus dem Roman "Saturday Night And Sunday Morning" von Alan Sillitoe – einem der vielleicht kraftvollsten literarischen Werke über die Lad-Culture der britischen Working Class. Konkret stammt das Zitat aus einem wütenden Monolog des "Helden" Arthur Seaton: "I'm me and nobody else", sagt er da kurz nach einer üblen Schlägerei. "Whatever people say I am, that’s what I'm not. They don’t know a bloody thing about me."
Jetzt, wo das Release des dritten Albums – das "Humbug" heißen wird – kurz bevorsteht, beginnt das Spiel der Presse also wieder von Neuem. Welche Arctic Monkeys dürften es denn heute sein? Und in welche Schublade muss ich sie stecken? Das Sheffield-Subkultur-Kommando sind sie längst nicht mehr. Dem Teeniewunder-Alter sind sie entwachsen. Der Hype des Jahres funktioniert eh meist nur mit Debütplatten. Und als Internet-Spektakel kann man sie heutzutage auch nicht mehr pushen. Was nun?
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hansmoleman 26.08.2009 | 11:44:39
...behaupte ich mal so.
so einen radikalen stilwechsel kann ich beim besten willen nicht raushören. da war die kluft zwischen erstem und zweitem album grösser, find ich. ich mag das neue album, aber ich schätze, das debut wird immer das beste bleiben. dieses gefühl damals, dass da in 'ner halben stunde alles rausplatzt, was sich schon lange im übungsraum angestaut hat (genau so wird's wohl auch gewesen sein), lässt sich einfach nicht wiederholen. das dritte album ist dagegen ein konsequentes weiterverfolgen, was man nach der neuorientierung beim zweiten begonnen hatte. klingt demnach auch deutlich routinierter und hüpft nicht mehr so wie ein junger hund. im gegensatz zu früher brauch man auch mehr anläufe, um damit warm zu werden. cryning lightning z.b. ist für mich inzwischen ein echter hit geworden, was ich anfangs nicht so vermutet hatte.
Gizem 28.08.2009 | 18:28:48
Hier und da komm ich auf die I
Ich bin derselben Meinung. Natürlich ist der Unterschied zu hören, aber bei vielen Bands sind die Alben und Stile verschieden. Was neu ist, sind einige neue Instrumente, das gibt dem Album diesen wüstenhaften Hauch. Ich finde das etwas ungwohnt, aber diesen Sound find ich auch gut. Aber die Texte finde ich echt völlig anders, auch wenn ich mir nur die Texte von 2 Liedern angehört hab. Ich konnte mich nicht richtig hineinversetzten, vielleicht weil sie echt düsterer geworden sind. Das find ich etwas schade, da die Arctic Monkeys zu den Bands gehörten, die das was ich fühle, wunderbar ausdrücken konnten.
Dennoch werd ich sie weiterhin anhören! Da bin ich sicher nicht die Einzige.
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