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Jan Delay

Im Interview: "Sich wiederholen ist Dieter Bohlen"

13.07.2009, 14:52, Text: Autor unbekannt, Sandra Grether, Kerstin Grether
[1 Kommentar]

Zum Zeitpunkt des Jan-Delay-Interviews lebte Michael Jackson noch - und auch im Sound des neuen Albums von Delay & Disko No. 1 wird er weiterleben. Denn "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" huldigt dem Bombast-Sound der Giganten des Soul-Pop. Kerstin und Sandra Grether trafen Jan Delay zu einem Gespräch über die Höhen in den Beats und die Untiefen der Wiederholung.

Es ist der erste Sommertag des Jahres. Jan Delay sitzt auf dem Balkon seines Hotelzimmers und raucht noch eine. Der authentische Verwandlungskünstler - einer der wenigen deutschen Popstars, der die Würde besitzt, subkulturelle Codes und Mainstream-Styles zu verbinden - trägt ein Queens-Of-The-Stone-Age-T-Shirt und ist beinahe verblüfft, dass wir davon verblüfft sind.


Charmant, bestens aufgelegt und mit viel Liebe zum Detail beantwortet er unsere Fragen. Man freut sich, dass man sich in einem früheren Leben im Hamburger Hafenstraßen-Disneyland schon mal zu einem Kaffee&Kuchen-Gespräch der außerirdischen Art getroffen hat.



Deine künstlerische Strategie bestand schon immer darin, Vorbilder passgenau zu kopieren und daraus deinen komplett eigenen Stil zu formen. Auf "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" hast du dich nun für eine opulente Weiterführung deines Konzepts vom "
Mercedes Dance"-Vorgängeralbum entschieden: für den speziellen Funk/Disco/Soul-Sound, der Ende der 70er, Anfang der 80er en vogue war ...
Wir haben uns zusammen den Arsch aufgerissen! Songs wie "Showgeschäft" oder "Disco" kannst du wirklich zwischen Johnny Guitar Watson, Chic und Michael und Quincy Jones im Club laufen lassen, und es kackt nicht ab! Dafür haben auch meine Produzenten "Tropf" und Matthias Arfmann gesorgt!

Erzähl mal von deiner Vorgehensweise. Ist es nicht schwierig, in deutschen Studios so 'nen Monster-Sound zu kreieren? Und warum habt ihr das "Mercedes Dance"-Album so spektakulär weitergeführt?
Du musst erst mal die Band finden, das war das Allerwichtigste. Als wir angefangen haben, das "Mercedes Dance"-Album live umzusetzen, dachte ich: "Wir sind noch nicht da, wo wir hingehören, das kann alles noch viel krasser werden! Ich und die Disko No. 1 müssen noch 'ne Platte machen!" Eine Band, die so etwas spielen kann, hat man halt nicht von Anfang an, sondern nach 100 Konzerten. Unser Drummer Jost "J-Fresh" Nickel ist auch erst später zu uns gestoßen, der ist auch 'n Wahnsinniger. Wenn die Band dann so gut eingespielt ist, ist der Ort, wo du das aufnimmst, fast schon egal: Dann brauchst du eigentlich nur noch 'n guten Engineer mit Erfahrung und einem großen Mikrofonschrank mit den besten Erzeugnissen der letzten 70 Jahre. Das kann überall auf der Welt sein.

Ihr habt diesen Ort im Vox Klangstudio von Volker Heintzen gefunden, vor den Toren Hamburgs, auf dem Gelände der Bendestorfer Filmstudios ...
Wir haben das Studio nach dem Drumsound ausgesucht. Denn alles steht und fällt letztendlich damit. Volker ist ein leidenschaftlicher Mikrofon-Sammler. Du kannst ihm 'ne Chic- Platte vorspielen und sagen: So soll das Schlagzeug klingen. Und der geht dann halt in seinen Raum rein, an seinen krassen Mikrofonschrank ..., darin steht der Wert von zwei Reihenhäusern, obwohl das nur so ein kleiner Kasten ist. Dann stöpselt er das ein und fragt in den Raum rein, wie's klingen soll. Und dann fuchst man so lange an der richtigen Soundmischung rum, bis am Ende alle glücklich sind.

Dann ist "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" jetzt das Meisterwerk, und "Mercedes Dance" war die Brücke, die dahin führte ...
Da war so 'ne Überlegung: In der Popgeschichte hat alles, was neu und geil war und die Menschen elektrisierte, nie länger als zwei Alben gehalten. Die haben natürlich noch erfolgreiche Platten gemacht, aber dieses "aaah!!" hat nie länger als zwei Platten angehalten. Aber das hieß eben für mich ...

Dass die auch perfekt sein muss.
Genau. Wir wollten auf jeden Fall eine Gogo-Nummer machen, eine Northern-Soul-Nummer, eine Chic-Nummer, 'ne Michael&Quincy-Jones-Nummer usw. Aber ich will nicht den Fehler begehen, den viele begangen haben, und werde danach etwas anderes machen: 'ne neue Beginner-Platte auf jeden Fall, auch wenn ich natürlich weiterhin mit Disko No. 1 Musik mache.


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aus Intro #174 (August 2009)
 
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Jan Delay, Disko No. 1
Intro.de Künstlerseite von Jan Delay
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  • User: Flo Bahnhofsoulbuero
  • Flo Bahnhofsoulbuero 24.02.2010 | 19:26:49

    Top Interview Jungs! Cheers! Freuen uns dass die Tour endlich bald los geht - Das Bahnhofsoulbüro mit Jan Delay ist on the road, Tag und Nacht. Stets zu Ihrer Verfügung: getontour.de
    Greets aus Hamburg, Flo

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