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The Dead Weather

Im Interview: Analoge Analogien

13.07.2009, 14:33, Text: Martin Riemann, Foto: David Swanson

Ist das Arbeitsethos oder Wahnsinn? Jack White hat schon wieder eine neue Band gegründet! Das geht ja nun auch besser, seit er Studio- und Labelboss in einer Person ist. Mit "Horehound" legt er sofort hochkarätig los. Martin Riemann sprach mit der frisch verliebten Supergruppe.

"Es ist nicht so, dass mir die White Stripes nicht reichen würden. Aber offensichtlich erscheint es mir als das Richtige, in anderen Bands zu spielen. Die Raconteurs entstanden auch nur durch Zufall. Ich war bei Brendan zu Besuch, zufällig kamen die Greenhorns vorbei, und plötzlich waren wir eine Band. Genauso war es mit Dead Weather. Es passiert alles so natürlich, dass ich mich kaum traue, es zu erzählen, weil es sich anhört wie eine Marketing-Lüge."


Jack White ist wohl mal wieder in was reingerutscht: Erst hinderte ihn eine Bronchitis plus Bandscheibenvorfall daran, seine Raconteurs-Tour am Mikrofon zu beenden - Alison Mosshart von den Kills sprang für die letzten Gigs ein, gemeinsam balgte man ein bisschen mit Bassist Jack Lawrence im Probenraum herum, und als man am nächsten Morgen aufwachte, war schon wieder eine verfluchte neue Band geboren. Verwunderlich ist das Ganze vor allem, da White eigentlich ein Kontrollfreak ist - noch nicht mal seine Roadies dürfen mit Bierbauch und Kutte aufkreuzen, sondern müssen in Anzug, Krawatte und Herrenhut (!) die Instrumente stimmen. Auch beim Aufbau seines eigenen Studios setzte er, neben den obligatorischen Dresscodes, strikte Maßstäbe: Digital hat Hausverbot. Ansonsten ist alles da: Aufnahmestudio, Fotostudio mit Dunkelkammer, Probebühne, sogar ein Vinylpresswerk befindet sich direkt um die Ecke. Glaubt man Queens-Of-The-Stone-Age-Keyboarder Dean Fertita, der bei Dead Weather Gitarre und Moog bedient, ist es das Paradies auf Erden. Klar, die Vorbilder heißen ja auch Chess, Motown und Sun.
Der frischgebackene Label- und Studioboss White selbst sitzt bei seiner jüngsten Band hinterm Schlagzeug. Das aber heißt keinesfalls, dass der Mann sich im Hintergrund hält. Beim Konzert in London thront er förmlich, auf einem altertümlichen Lehnstuhl sitzend, über den Fellen und dem Rest der Band. Dabei wirkt er wie einer dieser Trommler, die früher Galeerensklaven in den richtigen Takt brachten. Und wenn White seine rustikalen Beats schlägt, geben die anderen drei tatsächlich alles. Als er dann gegen Ende des Konzerts doch zur Gitarre greift, fällt die Hälfte des Publikums vor Glück fast in Ohnmacht. Natürlich ist das hier eine Allstar-Band, aber es ist kaum zu übersehen, wessen Stern am hellsten leuchtet.

Auch beim Interview am nächsten Tag wird schnell klar, dass Jack White nicht nur die größte Gürtelschnalle anhat, er sagt auch, wo's langgeht. Die anderen bestätigen entweder nur seine Meinung oder loben ihren Schlagzeuger und Produzenten in den höchsten Tönen. Auch äußerlich ist er Prototyp - was zwar nicht heißt, dass man zwangsläufig kreidebleich sein muss, um mit Jack White ins Geschäft zu kommen, aber es hilft. Bis auf Dean Fertita, der einen letzten Hauch von Sonnenbräune nicht verbergen kann, haben die anderen drei den Teint sehr gepflegter Leichen. Und Bassist Jack Lawrence verströmt mit seinem Mittelscheitel from hell, der Mad-Scientist-Brille und seiner Porzellanhaut die rätselhafte Aura einer Nerd-Mona-Lisa auf Valium. Schon beim Betrachten der Promo-Fotos bekommt man das Gefühl, es bei dem Quartett mit psychopathischen Mördern zu tun zu haben. Ein Verdacht, der mich jetzt, wo ich ihnen gegenübersitze, nicht völlig verlässt. Mein Hinweis, dass sie mir wie die Gang aus "Last House On The Left" vorkommen, wird dann auch mit stolzer Heiterkeit quittiert. Jack Lawrence (White nennt ihn LJ) sieht sowieso nicht ein, dass nur Metal gruseln darf: "Die ganze Sache hat wirklich einen absolut finsteren Tonfall. Aber das hat Tradition. Für mich klingen alte Blues-Aufnahmen, wie z. B. von Geeshie Wiley, viel düsterer als irgendwas von Cannibal Corpse oder Morbid Angel. Warum wir so stark in diese Richtung gehen, weiß ich auch nicht, das geschah alles unbewusst."





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aus Intro #174 (August 2009)
 
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