The XX
Im Interview: Klassenfahrt nach Berlin
13.07.2009, 13:42, Text:
Daniel Koch
[1 Kommentar]
Die Jungspunde The xx sind zum ersten Mal in Deutschland, sozusagen auf Klassenfahrt nach Berlin und Hamburg, um ihr Debütalbum zu präsentieren - das ein wenig klingt, als hätte sich die Shoegazing AG bei der Jahresfeier des R'n'B-Kurses betrunken, um danach in verklärter Melancholie ein Tribut an die 80er aufzunehmen. Daniel Koch traf sie in einer Berliner Jugendherberge.
Geschirrklappern erfüllt den Raum. Junge Stimmen jenseits des Stimmbruchs schwirren über die Teller hinweg, erzählen vom "Ausflug gestern", vom Umherstreifen auf dem Alexanderplatz, vom "Anschiss von Herrn Müller", den "die Jungs aus der c" abbekommen haben. Am Nebentisch kichern und tuscheln zwei Mädchen um die 16, schauen immer wieder rüber zu dem jungen, schwarz gekleideten Typen mit den raspelkurzen Schädelseiten und der seltsamen Rasierpinselfrisur und dem Musikjournalisten daneben. Als wenig später die restlichen Bandmitglieder ankommen, müssen sie sich in einem wahren Stuhllehnenslalom durch den nun proppenvollen Raum schieben.
Es passt sehr gut, dass die ersten deutschen Interviews von The xx in einem Youth Hostel am Prenzlauer Berg stattfinden, das gerade gleich mehrere Klassenfahrten beherbergt, die gerade zum Essenfassen in den Raum strömen. Wenn man mit Oliver (Gesang, Bass), Romy (Gesang, Gitarre), Baria (Gitarre) und Jamie (Produzent, Drums, Samples) spricht, hat man nämlich tatsächlich das Gefühl, sie wähnten sich inmitten einer Klassenfahrt. Sie mögen zwei, drei Jahre älter sein als die lärmenden Teenies, aber wie Oliver von ihrem ersten Abend in Berlin spricht - das hat eben auch was von der juvenilen Euphorie, die eine Schulreise nach Berlin so mit sich bringt: "Wir waren gestern im Tacheles. Großartig! Völlig weird! Wir waren oben in dieser Bar neben dem Kino, und als wir zwei Stunden später wieder runtergingen, spielten im Treppenhaus plötzlich zwei Indios auf schrottigen E-Gitarren und sangen komisches Zeugs." Und Baria ergänzt mit betonter Coolness: "Danach ging's in die Bar 25. Auch schräg. Stimmt es, dass man da sonntagmittags noch immer Leute trifft, die da schon seit Freitagabend tanzen?"
Die vier Nicht-mal-20-Jährigen stammen aus dem Süden Londons, kennen sich seit ihrer Kindheit und gehen momentan tatsächlich allesamt auf dasselbe College - nämlich die Elliot School im Vorort Putney Heath. Während die anderen Klassen hier im Raum allerdings sicher noch das eine oder andere Museum abhaken müssen oder um den Wannsee wandern dürfen, steht auf dem Tagesplan der Klasse The xx eben "Interviews", "Fototermin", "Essen mit dem deutschen Promoter" und abschließend "erster Deutschland-Gig im Magnet".
Seit ihre Single "Crystalized" in der Internet-Hype-Gemeinde Bestnoten bekam und der NME sie vertrauensvoll zur "band to watch 2009" kürte, ist das Interesse an ihnen nämlich ein großes. Dass sie an diesen Punkt kamen, ist wohl vor allem ihrem Label XL Recordings zu verdanken. Dort erkannte man schon früh ihr Potenzial und bot ihnen sogar die Möglichkeit, im neuen XL-eigenen Studio ein Album aufzunehmen - als erste Band überhaupt. Mit Nachwuchszucht, wie man es bei Majorlabels betreibt, hatte das aber wenig zu tun, stellt Oliver klar: "Wir sind keine Anfänger. Wir machen schon seit vier Jahren Musik, haben mindestens 200 Gigs hinter uns und haben x Mal die typische Londoner Runde gedreht - also die Clubs, die man dort spielen muss, damit man irgendwann einen Agenten beim Biertrinken stört. XL hatte eben Interesse gemeldet, wir fanden sie sympathisch - und als sie dann klarstellten, dass sie uns die Zeit lassen würden, die wir brauchen, entschieden wir uns für sie."
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girlswannabeher 27.07.2009 | 14:52:17
I'm a Grizzly Bear
Ich mag die sehr!
Lustiger Grund, warum sie sich The XX genannt haben.
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