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Jack Peñate

Im Interview: Identity Is The Crisis Can't You See

07.07.2009, 17:05, Text: Mario Lasar, Foto: Anja Lubitz

Mit "Everything Is New" legt der 24-jährige Londoner ein Album vor, das den energetischen Gitarrenpop seines Seelenentblößungs-Debüts "Matinee" von 2007 hinter sich lässt, um stattdessen den von Labels wie DFA oder Permanent Vacation bekannten Kunstgriff, analoge und digitale Produktionsansätze miteinander in Einklang zu bringen, auf eins a Popsongs anzuwenden. Mario Lasar traf ihn in Hamburg zum Gespräch.

Dein neues Album nimmt sich weitaus produzierter aus als "Matinee". Es scheint diesmal weniger um Unmittelbarkeit zu gehen als um homogen arrangierte Songs, die eine angenehm poppige Wirkung entfalten.
Es ging mir vor allem darum, keine Gitarrenplatte zu machen. Also lag es nahe, ein stark von den Möglichkeiten des Studios geprägtes Album aufzunehmen. Weißt du, als ich die erste LP fertiggestellt hatte, überkam mich das Gefühl, mich zu sehr auf Gitarrenmusik festgelegt zu haben. Und das schien mir die falsche Repräsentation dessen zu sein, was ich auf längere Sicht sein und wie ich gesehen werden wollte.


Ich habe deshalb angefangen, Songs mit anderen Mitteln zu schaffen. Meistens habe ich mit dem Drumbeat angefangen. Nach dem Hinzufügen des Basses habe ich nach Sounds gesucht, die eine warme Stimmung herstellen. Drum herum wurden die Songs geschrieben. Die Platte soll räumlich wirken. Auf dem ersten Album springt einem die Musik direkt ins Gesicht, diesmal wollte ich, dass die Musik einen umschließt. Eine große Inspiration dabei waren die Talking Heads, die Gefühle über bestimmte Sounds kreiert haben. Das beste Beispiel hierfür ist wahrscheinlich "Once In A Lifetime", das eigentlich nur aus interessanten Klangmustern besteht.

Würdest du sagen, dass dein erstes Album klingt, wie es klingt, weil du zu dem Zeitpunkt noch nicht den Zugang zu den technischen Fertigkeiten hattest, über die du heute verfügst?
Definitiv, ja. Ich habe eine Zeit lang mit Leuten zusammen gearbeitet, die davor zurückschreckten, das, was ich hatte, zu ändern. Und ich selbst wusste nicht, wie ich es hätte anders machen können. Also endete ich als Repräsentation meines Live-Acts. Einschränkend muss man sagen, dass mich "Matinee" schon so zeigt, wie ich damals war. Ich mag die Platte ja auch immer noch.

"Let's All Die" und "Body Down", die beiden letzten Stücke auf dem neuen Album, handeln vom Tod. Das ist ein Thema, dem du dich bereits in "When We Die" vom letzten Album gewidmet hast. Woher kommt diese Fixierung?
Eine mittlere Obsession, ja. Aber das muss jetzt aufhören. Ich finde es interessant, auf welche unterschiedlichen Weisen die Leute mit dem Tod umgehen. Als ich neunzehn war, wurde ich während eines Aufenthalts in New Orleans Zeuge einer Begräbnisprozession. Der Umstand, dass man dem Tod mit einer ausgelassen aufspielenden Blaskapelle begegnet, hat mich sehr beeindruckt. Deswegen habe ich für "Let's All Die" auch Marschrhythmen und Bläser, diese typischen New-Orleans-Einflüsse, adaptiert. "Body Down" ist die B-Seite dieses Themas, eine düstere Variante davon. Das Stück ist inspiriert von Field Recordings und amerikanischem Gospel-Blues aus den 30ern und 40ern. Der Text handelt davon, dass ich mich mit dem Teufel anfreunde, denn "you're gonna take me in the end / so I might as well become a friend". Das ist natürlich auch ein starker Bezug auf Robert Johnson.



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aus Intro #173 (Juli 2009)
 
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