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Moby

Im Interview: Bin nur ein weirder Linker ohne Haare

03.07.2009, 18:03, Text: Christine Franz, Foto: Arne Sattler
[5 Kommentare]

Es gab eine Zeit, da wurden sämtliche H&M-Umkleiden Zentral-Europas mit Mobys Platten berieselt. Und dabei war doch alles nur ein grässliches Mainstream-Missverständnis, sagt Moby heute. Als eine Art persönliche Wiedergutmachung veröffentlicht der New Yorker Hobbykoch, Post-Veganer, Tierrechtler und Polit-Aktivist jetzt das Album "Wait For Me". Christine Franz traf ihn in Berlin.

Moby hat sich diesmal alle Mühe gegeben, der Industrie und dem Kommerz den Finger zu zeigen. Entstanden ist das neue Album als No-Budget-Produktion in seinem New Yorker Apartment, die erste Single ist ein wunderbar lethargisches Instrumental, das Moby als free Download verschenkt.


Und auch sonst: "Wait For Me" bleibt eher als David-Lynch-Film-Soundtrack vorstellbar (der Meister steuerte auch konsequenterweise das Video zur Single "Shot In The Back Of The Head" bei) als zur Kleiderbügelbeschallung. Zurück zu den DIY-Wurzeln also? Nichts lieber als das, meint der Mann im viel zu großen Breitcord-Jackett.

Du hast mal gesagt: "Berühmt sein ist gefährlich." Warum denn das?
Fame bringt die Leute entweder um oder macht sie depressiv. Celebritys haben im Durchschnitt die gleiche Lebenserwartung wie Bergarbeiter. Nimm Kurt Cobain, John Lennon, Jimmy Hendrix, Jim Morrison oder Princess Diana. Fame ist ziemlich ungesund. Ich spreche da aus Erfahrung. Als "Play" ein Hit wurde, ging ich ständig zu Celebrity-Partys und lief über rote Teppiche. Weil ich dachte, dass das dazugehört. Parallel zu meinem Bekanntheitsgrad stiegen bei mir auch der Alkohol- und der Drogenkonsum. Und der Arschlochfaktor. Soweit ich weiß, gibt es auf diesem Planeten niemanden, der durch Erfolg zu einem besseren Menschen geworden wäre. Zu einem interessanteren vielleicht: Wenn Britney Spears sich den Kopf rasiert und auf Paparazzi eindrischt, ist das natürlich schon bemerkenswert.

"Play" hat sich damals weltweit zehn Millionen Mal verkauft. Hat dir das Angst gemacht?
Das war schon ziemlich confusing. Ich mache jetzt schon so lange Musik. Die erste Platte meiner Band Vatican Commandos war eine Punkrock-7-Inch mit dem Titel "Hit Squad For God" und erschien 1983. Ich habe mich auch danach immer eher als den durchgeknallten Underground-Künstler gesehen. Mit diesem Selbstbild bin ich aufgewachsen. I'm just a weird bald lefty. Aber es gab Phasen in meinem Leben, in denen ich komischerweise kommerziellen Erfolg hatte. Das ist wirklich schräg, denn ich habe das nie forciert. Ich wollte mit meiner Musik nie erfolgreich sein. Vor allem keinen Mainstream-Pop-Erfolg. Das alles hat mich ziemlich verunsichert.

Gab es damals Erfolgsdruck von Seiten deines Labels?
Als ich noch bei Mute war, gab es natürlich keinen Druck. Als Mute dann von EMI gekauft wurde, gab es den plötzlich. Sie haben mir natürlich nicht direkt gesagt, dass ich ins Studio gehen und ein kommerzielles Album aufnehmen soll. Aber sie haben schon gesagt: Wenn du uns eine Single gibst, die sie im Radio spielen können, dann werden wir dieses Album richtig promoten. Wenn nicht, dann eben nicht. So einfach war das. Das war keine Drohung, sondern eine Tatsache.

Ein guter Grund, das Label zu wechseln. Oder selbst eines aufzumachen, wie du es ja zum neuen Album gemacht hast ...
Ich habe bei Mute Records unterschrieben, als es noch ein interessantes Indie-Label war. Auf einmal fand ich mich bei EMI wieder, die Mute irgendwann aufgekauft hatten. Auf Mute waren meine Labelmates Nick Cave oder Diamanda Galás. Auf EMI dann Kylie Minogue und Katy Perry. Leider hat das alles aber auch Alben wie "Hotel" sehr stark beeinflusst. Es ist ein sehr professionelles Album, das in großen Studios aufgenommen wurde und zu dem teure Videos produziert wurden. Mir wurde klar, dass das nicht meine Welt ist. Ich wollte mit dem neuen Album auf meinem eigenen Label endlich mal wieder das machen, worauf ich Lust hatte: eine persönliche, emotionale Platte. Ein Album, das kommerziell sicher nicht so erfolgreich werden wird. Das ist absolut okay. Nur bitte keines mehr, das sich millionenfach verkauft, dafür aber voller Kompromisse ist.



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aus Intro #173 (Juli 2009)
 
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  • Karl_Heinz 14.07.2009 | 10:23:51

    Hallo.

    Könnte die Autorin (oder ein anderer Mensch) bitte erklären, was ein "Post-Veganer" sein soll! Trotz langjährigem eigenen Veganismus ist mir dieser Begriff nie untergekommen und auch Google kann damit nichts anfangen. Also?

    Danke.

  • hansmoleman 14.07.2009 | 11:28:55
    ...behaupte ich mal so.

    Moby hat sich diesmal alle Mühe gegeben, der Industrie und dem Kommerz den Finger zu zeigen.


    oha! nachdem er zuvor jahrelang jede industrielle pospalte ausgeschleckt hat, die er finden konnte. dieser einst so engagierte "ökokünstler" hat mehr seiner songs an für werbung an autokonzerne verkauft, als jeder andere. überhaupt schien seine musik schon von vornherein so konzipiert, dass sie sich besonders gut für werbung und ähnlich schmierige verwertungen eignet. jetzt den "anti-kommerziellen" zu mimen ist einfach lachhaft.


    Könnte die Autorin (oder ein anderer Mensch) bitte erklären, was ein "Post-Veganer" sein soll!


    ich nehme mal an, das soll so viel wie ex-veganer heissen, also so wie fast jeder veganer nach ein paar jahren.

  • User: Gandalf
  • Gandalf 17.07.2009 | 14:46:48
    Graue Eminenz
    Hat man das Intervie eigentlich auf deutsch geführt oder ist es nur schlecht übersetzt. In englischen Sätzen sind Fame oder confusing nämlich sehr normale Ausdrucksweise, bei einem wort-suchenden Amerikaner kann ich es auch verstehen. Als deutsche Übersetzung ist es ne Katastrophe.

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