Passion Pit
Im Interview: Anstalt der besseren Musik
02.07.2009, 18:04, Text:
Jelenia Gora
Passion Pit klingen wie ihr Name. Am Anfang nach Leidenschaft, dann herrscht kurz ein bisschen Flaute, wegen Überreizung der Sinne und ständigem Auf-die-Zwölf-Gehen der Musik - und schließlich bleibt es der Anstrengung und dem Geschmack des Hörers überlassen, diesen musiknerdigen Bombast-New-Wave-Disco-Anspruchs-Hymnen mit der männlichen Falsett-Stimme noch weiter zu folgen.
Das Prinzip geht auf: Die relativ neue Band aus Cambridge, Massachusetts hat schon reichlich Fans, die angeblich bei den Konzerten sogar mitsingen. Was mal wieder beweist, dass in unserer durchvisualisierten Welt immer auch die Fantasien im Kopf des Publikums - ausgelöst durch die Stärke von purer Musik - die Durchschnittsgesichter und den Durchschnitts-Style der Musiker überblenden können.
"Es ist uns egal, wie wir aussehen. 80s-Sound als Fashion-Statement hat uns noch nie interessiert", sagt der 21-jährige Michael Angelakos, ausgestattet mit charmantem Teddybear-Sex-Appeal. Die "Electro-lastige wolkige Produktion" des Debüt-Albums "Manners" möchte man beim Livekonzert in etwas "Intensives, Enthusiastisches, Buntes, Verrücktes, Rockiges" verwandeln. Auch das funktioniert. Viele Konzerte der US-Tour sind ausverkauft. Was wird da gefeiert? Vielleicht Angelakos' Fähigkeit, tieftraurige Erfahrungen in hoch aufbrausende, euphorische Popsongs zu packen. Denn genau von diesem Kontrast handelt das Album, wie man im Gespräch nach längerem Nachhaken erfährt: "'Manners' bedeutet, dass man sich anders verhält, als man fühlt. Man sagt das Gegenteil von dem, was man meint." Tja, auch das ist ein interessanter Gegensatz zum New-Romantic-Ansatz, den die Band ja auch noch verfolgt. Denn New Romantic zeichnet sich ja eigentlich dadurch aus, dass man Gefühle auch noch ausschmückt, übertreibt; sogar mehr fühlt als das Übliche! New Romantic also als ein augenzwinkerndes Aus-der-Reserve-Locken und Passion Pit als diejenigen, die ihre Reserven mit dem bewusst höflichen, geheimnisvoll-falschen Verhalten auffüllen.
Intro empfiehlt:
Passion Pit "Manners" (CD/Vinyl // Sony)
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