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Amanda Blank

Let's Talk About Pop, Baby!

24.06.2009, 17:32, Text: arno raffeiner, Foto: Katja Ruge

In einer Hinsicht hat sich seit den Tagen von TLC nicht viel verändert: Wenn eine Frau zu funky-sexy Beats auch inhaltlich explizit werden will, dann muss sie nachher drüber reden. Das hat Amanda Blank mit Arno Raffeiner getan, obwohl sie mit ihrem Debüt gerade an der Überwindung des Rechtfertigungsdogmas arbeitet - und an einem formidablen Pop-Sound aus New Philly. Foto: Katja Ruge.

Schlange, Schwert und Sünde. Das Zepter des neuen Sexbeat, den in der aktuellen Charts-Hymne von Lady Gaga besungenen "Disco Stick", auf dem die platinblonde Glamour-Queen gern reiten möchte, darf man sich in etwa so vorstellen, wie er bereits vor zwanzig Jahren auf dem Cover des Mötley-Crüe-Albums "Feelgood" ausgesehen hat, damals um ein geflügeltes Totenkopfschwert gewunden. Amanda Blank trägt dieses Zepter auf ihrem ausgewaschenen Mötley-Crüe-T-Shirt, in dem sie in einem Berliner 5-Sterne-Hotel zum Interview bittet. Sie steckt sich die nächste Zigarette an, die die rauchigen Frequenzen in ihrer tiefergelegten Stimme nur noch mehr betont, und lässt dabei die goldenen Armreifen an ihren Handgelenken klimpern. Am Ringfinger trägt sie einen tätowierten Diamanten. Eigentlich fehlt nur ein juwelenbesetzter Kopfschmuck, und die Insignien der Königin des Sounds of New Philly wären perfekt.


Amanda Blank mit Tommy-Lee- und Lady-Gaga-Vergleichen zu kommen ist natürlich eine kleine Unverschämtheit. Aber wer Songs schreibt, die durchaus das Zeug dazu hätten, sich mit "Love Game" oder "Poker Face" um Radioplay und Charts-Platzierungen zu battlen, muss sich so was gefallen lassen. Außerdem sind Unverschämtheiten Amanda Blanks Geschäft. Sex und Rap, großer Spaß und catchy Melodien, Bounce-Beats und dicke Synthies, die zwar kaum poliert, aber trotzdem voller schön greller Oberflächen sind: Daraus ist Amanda Blanks Debütalbum gemacht. Es ist so schlau wie verführerisch, so plakativ wie Pop Art aus der Dose. Das Artwork schreit Roy Lichtenstein und Rolling Stones. Schleck! Die Referenzmaschine schreit Peaches und Prince - mit ordentlich Cream on top.

Was umgekehrt auch bedeutet: Das ist alles schon mal da gewesen. Explizite Ansagen über funky Popmusik sind keine große Neuigkeit. Wie auch? Wenn der Mainstream dieser Tage von Gaga-Porno in der U-Bahn regiert wird, lässt sich mit zivilisiertem Sex zu Hause nach der Party (so wie er auf Blanks erster Single "Might Like You Better" besungen wird, offensiv zwar, aber mit einem durchaus romantischen Liebesideal im Herzen) schlecht anecken. Das hat Amanda Blank auch gar nicht vor. Ihr geht es weniger um Provo-Posen als um Selbstermächtigung auf dem immer noch männlich dominierten Schlachtfeld der Körperlichkeiten, gerade im HipHop. "Viele Frauen denken über Sex genauso wie ich. Und ich rede eben einfach darüber. Weil es niemand sonst macht", sagt sie und korrigiert sich noch im selben Atemzug: "Moment, das stimmt nicht. Es gab immer Frauen, die das getan haben. Lil' Kim und Foxy Brown sind perfekte Beispiele. Wer sagt denn, dass wir Sex nicht genauso verhandeln dürfen und können wie Männer?"





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aus Intro #173 (Juli 2009)
 
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