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Bat For Lashes

Die Zweiheit der Sonne

24.06.2009, 16:00, Text: Christian Steinbrink, Foto: Katharina Poblotzki

Zunächst galt sie als kommendes Popsternchen, dann als extravagant-extrovertierte Künstlerin - mittlerweile bewegen sich die Einschätzungen von Bat For Lashes irgendwo dazwischen. Der große Durchbruch gelang ihr trotz dieser Indifferenz mit ihrem kürzlich erschienenen zweiten Album "Two Suns". Christian Steinbrink traf sie in Köln und versuchte hinter die Fassade dieser so aufregenden wie vielseitigen Musikerin zu blicken. Foto: Katharina Poblotzki.

Es ist eine der großen Glaubensfragen des Pop: Authentizität vs. Künstlichkeit. Auf der einen Seite Wahrheit, Normalität, die Betonung, real zu sein, und das Versprechen, es zu bleiben. Auf der anderen der Reiz der Wandlung, des sich immer wieder neu Erfindens, und oft auch die Einsicht, dass Authentizität nicht möglich oder auf Dauer ziemlich fad ist.


Natasha Khan (a.k.a. Bat For Lashes) ist aktuell eine der wandelbarsten und reizvollsten Figuren der Popmusik. Sowohl ihre Alben als auch die Fotografien, die von ihr im Umlauf sind, reißen blumige und theatralische Dimensionen auf, sie erfindet auf allen Spielwiesen stets neue Alter Egos, die konträrer nicht sein könnten, geht diesen Weg noch weiter als oft genannte Referenzen wie Björk, Tori Amos oder Kate Bush. Doch ist das ein bloßes Spiel, oder besitzt diese Kunst für Khan eine Funktion? Ist es vielleicht gar ein dringend benötigtes reinigendes Bedürfnis? Erstaunlicherweise ist es gar nicht so schwer, mit Khan, die gelöst und redselig auf einem speckigen Sofa im Keller eines Gemeindehauses in Köln-Nippes sitzt, ihre Beweggründe aufzudröseln.

Du hast für die Platte ja diese Figur "Pearl" entworfen. Was ist die Funktion dieser Person für dich?
Pearl hat für mich die Funktion, das Album zu einem Film zusammenzufassen. Ich nahm die Fotografien von ihrem Gesicht und tat sie in mein Buch. Ich mache immer Bücher, wenn ich an Alben arbeite, mit Illustrationen, Zeichnungen und so weiter. Es existiert ein dickes Buch zu "Two Suns". Pearl half mir, diesen blonden Femme-fatale-Charakter zu zerstören. Die Figur war schlicht New York für mich. Wie eine Schauspielerin, ein Filmstar. Ich mochte ihre Romantik. Sie half mir, Songs zu schreiben, indem ich sie mir in einem Film vorstellte.

Was ist das für ein Buch? Eine Art Tagebuch? Oder wird es eines Tages veröffentlicht?
Nein, das ist privat. Allerdings druckte das Dazed & Confused Magazine eine Seite mit Illustrationen von Pearl und ein paar Fotos ab. Also eine Collage, die ein bisschen wie mein Buch aussieht. Das Buch hilft mir, die Prozesse meiner künstlerischen Arbeit zu organisieren. Ich schaue rein und finde Textzeilen, die ich mag, oder Fotos, die mich inspirieren.

Ein wenig persönlicher ist die Struktur der auf dem Backcover der Platte abgebildeten Pearl dann doch angelegt, davon zeugen die Stücke des Albums "Two Suns", in denen es um Liebeskummer geht. Keinen fiktionalen, sondern den von Khan selbst durchlittenen. Sie zog für ihren Freund, Mitglied der nur lokal bekannten Band Moon And Moon, nach Brooklyn, um die Stadt einige Zeit später mit gebrochenem Herzen wieder zu verlassen. Der deutlichste Hinweis darauf ist der nach der Band benannte Song "Moon And Moon" mit Zeilen wie "I won't see you no more".

Ein zweiter allgegenwärtiger Einfluss auf dem Album ist New York. Die Reizüberflutung, die dieser Schmelztiegel der Kulturen für Neuankömmlinge bedeutet - Natasha selbst kommt aus dem beschaulichen englischen Brighton -, scheint von allen Seiten auf die Protagonisten. Gleich zu Beginn des Albums sind Geräusche aus der New Yorker U-Bahn zu hören.





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aus Intro #173 (Juli 2009)
 
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