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Auletta

Im Interview: Keine Funksprüche

04.06.2009, 17:57, Text: Hela Gori

Das Phänomen der britischen Underage-Szene ist ja spätestens seit dem universellen Erfolg der Arctic Monkeys, aber auch der Wombats oder The Subways hierzulande angekommen. Mit 1000 Robota spülte dann letztes Jahr auch eine deutsche Band über das Kriterium "total jung, fegt Etabliertes weg" hoch. Auletta aus Mainz verkörpern die Post-Abi-Fete nun ähnlich stilbewusst. Songs über Saufen, Langeweile und Erwachsenwerden müssen längst nicht mehr ästhetisch limitierten Punkbands überlassen werden. Da geht mehr.

Auletta erinnern von Style und den Thematiken der Songs her zwangsläufig an die Underage-Szene in England. Ist das etwas, das ihr verfolgt, und gibt es sie, die Entsprechung in Deutschland?


Alex: Um in Deutschland die nötige Glaubwürdigkeit von Musikexperten zugesprochen zu bekommen, sieht man am besten scheiße aus, ist alt und macht, wenn möglich, auch noch schlechte Musik. Wenn du diese Kriterien erfüllst, sieht's gar nicht mal schlecht für dich aus als Band. Der Neid muss unendlich sein. Die nicht existierende Szene in Deutschland ist wesentlich schlimmer als die sogenannte Underage-Szene aus UK. Wenn ich mir die Bands anschaue, die in Deutschland akzeptiert sind, weiß ich nicht, ob ich lachen oder doch lieber weinen soll. Ich hatte in London das große Glück, den Umbruch der Musikszene aus nächster Nähe und tagtäglich mitzubekommen, und das, was ich in London aufgesaugt habe, ist natürlich mit in unsere Musik geflossen, baut aber nicht darauf auf. Es ist vielmehr eine ganz normale Geschichte von vier Schulfreunden, die immer weitergeht.

Ihr singt viel vom Feiern, vom Überdruss. Inwieweit ist die Band für euch nur eine Band, inwieweit ein Lifestyle?
Wir lieben und leben die Band. Klar ist das Lifestyle. In Deutschland hat Lifestyle häufig noch den Nachgeschmack von etwas Oberflächlichem und steht nicht gerade oft in Bezug zu Gitarrenmusik. Aber Sex, Drugs und Rock'n'Roll gehören nun mal zusammen, ich denke, das geht den meisten so, ob sie jetzt Musik selbst machen oder hören. Und dass das alles irgendwie oft auch zum Überdruss führt, weiß ja auch jeder.



Für junge Bands gibt es ja eigentlich zwei Wege: einmal die brave Ochsentour der Bandwettbewerbe oder einfach erst mal nur für sich powern und hoffen, dass es überschwappt. Was sind eure Erfahrungen? Immerhin hat es bereits zum Plattenvertrag gereicht.
Wir haben selbst auch einige von diesen Bandwettbewerben mitgenommen, und die meisten sind komplett für den Arsch. Der Kapitalismus liebt eben den Wettbewerb. Ich finde das eigentlich unpassend im Fall von Musik. Uns war es wichtig, diese seltsame Wettbewerbskultur nicht allzu wichtig zu nehmen und sich nicht daran zu messen, ob man von einer Jury aus irgendwelchen Idioten und gescheiterten Musikern einen Preis bekommt oder nicht.

Mainz bleibt Mainz - wie sehr hilft so ein kleinstädtischer Background, und wo hindert er? Bzw. müsst ihr bald nach Berlin ziehen?
Wir sind in diesem und im letzten Jahr glücklicherweise ständig unterwegs gewesen, sodass es uns hier nicht allzu eng werden konnte. Hier in Mainz haben wir unseren Proberaum, unsere Familien und Freunde. Logischerweise fühlen wir uns somit stark mit der Stadt verbunden. Einen Einfluss auf unsere Musik im Speziellen hat sie jedoch nicht. Wir mögen Berlin ...

Welche deutschsprachigen Bands haben euch über die Jahre wirklich angemacht? Wo funkt's da bei euch?
Nur sehr selten haben wir Funksprüche aus Deutschland erhalten.

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aus Intro #172 (Juni 2009)
 
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