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Jarvis Cocker

Im Interview: Der Vampir, der kein Blut sehen kann

03.06.2009, 17:10, Text: Jens Friebe, Foto: Alex Vanhee

Musiker, die es allen recht machen, werden nie was Rechtes, sagen die Leute; Relevanz polarisiert, und wer von viel Feind nichts wissen will, soll sich viel Ehr halt abschminken. Jarvis Cocker (im Folgenden C) bestätigt diese Regel als Ausnahme. Viele lieben ihn, aber keiner - außer Michael Jackson vielleicht - scheint ihn zu hassen. Jens Friebe erklärt warum und spricht mit dem Sänger über dessen neues Album.

Pulp waren nie Teil eines subkulturellen Gegensatzpaars wie Blur und Oasis. Wer Britpop mochte, mochte Pulp, und wer Britpop nicht so mochte, wie zum Beispiel John Peel, sagte einfach: Pulp sind kein Britpop. Dass C keine gute Zielscheibe abgibt, liegt an seiner Beweglichkeit. Wer Probleme mit dem leicht affektierten Arschloch-Impersonator hat, kommt eventuell besser mit dem nervösen, bleichen Brillenträger klar - und umgekehrt.


Nicht dass C groß in "Rollen schlüpft" oder so. Er ist mehr wie ein Hologramm, das ohne eigenes Zutun, abhängig vom Licht und vom Blickwinkel des Betrachters (bei dem es sich in diesem Moment auf der sonnigen Terrasse eines Hamburger Luxushotels um mich handelt), den Modus seines Erscheinens wechselt. Er selbst weiß selbstverständlich um diese Ambivalenz, und er hat sie jetzt nach einundzwanzig Jahren (fast) ununterbrochener poetischer Selbstdarstellung perfekt auf eine Formel gebracht: In dem Lied "Leftovers" (das, nebenbei bemerkt, eine erotische Begegnung im paläontologischen Museum höchst formwillig mit einem Dinosaurierrockriff vertont) singt er: "I fall upon your neck just like a vampire", und ergänzt: "like a vampire who faints at the sight of blood". "Ja", sagt C auf die Frage, ob das nicht die Essenz seines Wesens in zwei Versen beschreibe, "das bin ich: der Vampir, der umkippt, wenn er Blut sieht. Ich hatte die Zeile schon lange im Kopf, aber jetzt erst habe ich das passende Lied dazu geschrieben."





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aus Intro #172 (Juni 2009)
 
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