Tiga
Im Interview: Bello Bellissimo
27.05.2009, 18:45, Text:
Sebastian Ingenhoff
Der Titel von Tigas zweitem Album, "Ciao", soll nicht den baldigen Abschied von der internationalen Tanzbühne verkünden, sondern wurde gewählt, weil die italienische Abschiedsformel so elegant klinge und auch in grafischer Hinsicht einiges hergebe. Sebastian Ingenhoff stalkte den Kanadier einen Abend lang am Telefon.
"Ciao" ist wieder in Zusammenarbeit mit Altbekannten entstanden: Neben seinen skandinavischen Kumpels Jesper Dahlbäck und Jori Hulkkonen (mit dem er schon 2001 den Corey-Hart-Schlager "Sunglasses At Night" in einen Großraumdiscohit umgebaut hat) saßen auch diesmal wieder die Soulwax-Brüder und James Murphy mit am Steuer.
Darüber hinaus war Gonzales an dem vielleicht komödiantischsten Dancetrack des Jahres, "Shoes", beteiligt – in diesem geht es um nicht weniger als das Recht auf Schminke, Schönheit und Schuhe. Als große Neuerung gibt der smarte Kanadier jetzt auch am Mikrofon permanent eine hübsche Figur ab und nicht nur als Happening für zwischendurch.
Deine Stimme ist auf "Ciao" noch dominanter als sonst, die Tracks weisen immer mehr richtige Songstrukturen auf. Gerade die zweite Hälfte des Albums ist reiner Pop. Man könnte fast denken, du wolltest schon immer lieber gesungen haben, als Platten zu drehen.
Am Anfang war es für mich als DJ seltsam, meine Stimme zu hören, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich bin kein perfekter Sänger und werde es auch niemals sein, aber ich finde meine Stimme schon okay. Es wäre natürlich toll, mal richtig croonen zu können, so wie die Rat Packs, oder zumindest wie Gonzales, aber so weit bin ich noch nicht. [lacht] Auf der Bühne hätte ich vielleicht Probleme damit, zu singen, aber im Studio mag ich es ganz gerne. Es ist halt ein schöner Kontrast zu den Maschinen, meine Stimme verleiht der Musik etwas Persönliches, so banal es auch klingen mag. Singen ist eben eine sehr direkte Form der Kommunikation und Umsetzung von Musik. Wenn du eine Melodie im Kopf hast, kannst du sie direkt singen oder pfeifen, du brauchst keine Instrumente dafür. So entstehen viele meiner Tracks, oder eben Songs.
Bisher legst du ausschließlich auf. Wann dürfen wir denn endlich dein erstes Liveset erwarten?
Ich möchte in Zukunft natürlich schon live spielen, gerade weil sich die neueren Sachen eben immer mehr in Richtung Pop bewegen. Dass das bis jetzt noch nicht der Fall war, lag zum einen an meiner Faulheit, zum anderen aber auch an einer gewissen Unsicherheit. Ich würde ungern alleine mit meinem Laptop auf einer Bühne stehen und singen. Dazu bräuchte ich also erst einmal eine Band. Meine Traumband bestünde wahrscheinlich aus dem Drummer von Das Pop, Stephen und David [von Soulwax] würden die musikalische Koordination übernehmen, Gonzales säße natürlich am Piano, und es gäbe noch ein paar männliche und weibliche Backgroundsänger. Aber bis jetzt ist das alles noch sehr unausgegoren.
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