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Kochen mit...

Glenn O'Brien - From Andy to: Warhol

26.05.2009, 16:41, Text: Thomas Venker, Foto: Jonathan Forsythe

Glenn O'Brien ist ein New Yorker durch und durch. In den 70ern gehörte er zu Andy Warhols Factory-Gang und war Teil der ersten Redaktion des heute legendären Interview Magazine; mit seiner Sendung "TV Party" wütete er für drei Jahre durch das Manhattan Cable TV. Seit letztem Jahr ist er wieder beim Interview Magazine tätig, diesmal als Chefredakteur. Dazwischen arbeitete er für diverse große amerikanische Magazine sowie eine der führenden Werbeagenturen. O'Brien ist ein Styler und Anarcho, liebt gute Anzüge und hasst feste Bürozeiten.

16.03.2009 - New York, Glenn O'Briens Loft in Soho
Zu Essen gibt es Spargel-Risotto, dazu einen kalifornischen Weißwein.


Ich bin bei der nächtlichen Lektüre von Spex-Ausgaben aus den 80er-Jahren auf die Kolumnen von dir gestoßen. Wie kam es denn dazu?
Sie hatten Sachen von mir gelesen und haben angefragt. Ich hatte Lust.

Hast du denn für uns Europäer anders geschrieben als für die Amerikaner, da wir ja so viel weiter weg waren von dem, was bei euch gerade passierte?
Klar habe ich das extra für die Spex neu geschrieben, ich wollte mich ja nicht wiederholen. Stilistisch habe ich da aber nichts verändert.

Das war ja lange vor dem Netz und der globalisierten Popwelt. Heute liest ja jeder permanent, was am anderen Ende der Welt los ist, aber damals war es was Besonderes, wenn Lester Bangs im NME oder auch im Sounds schrieb oder eben du in der Spex.
Das stimmt.

Du bist nach vielen Jahren wieder beim Interview Magazine angekommen, wo du einst unter Andy Warhol angefangen hast. Seit wann genau bist du wieder da?
Ich habe am 26.01.2008 wieder dort angefangen.

Und wie fühlt sich die Rückkehr an?
Ich liebe die Ausrichtung des Magazins. Insofern wird ein Traum von mir wahr, da ich die neue Ausrichtung bestimmen kann. Das Einzige, was mich etwas bekümmert, ist, dass ich jetzt wirklich fast jeden Tag ins Büro gehen muss.

Womit wir auch beim Sonderstatus wären, den du scheinbar immer eingenommen hast. "Editor in large" war beispielsweise deine Position beim High Times Magazine. War das die einzige Möglichkeit, dich zu bekommen, mit diesem Freibrief, von zu Hause aus arbeiten zu dürfen?
Oh ja, ich habe das sehr lange und oft gemacht. Selbst wenn ich ein Büro hatte, bin ich oft nicht hingegangen. Ich war beispielsweise eine Zeit lang Creative Director bei Island Records - ich habe ihnen gleich gesagt, dass ich kein Büro brauche, aber sie wollten mir unbedingt eins geben, das müsse so sein - ich war nie drin.

Du hattest also alle erdenklichen Freiheiten, da du nur so das Beste geben konntest?
Genau.

Und wie ist das heute in deiner Position als Chefredakteur? Bist du jemand, der das den anderen auch gewährt?
Wenn ich in der Stadt bin, gehe ich mittlerweile eigentlich jeden Tag mal hin.

Aber dürfen die anderen denn von zu Hause aus arbeiten?
Sie wollen es nicht.

Weil sie nicht fragen, weil sie zu schüchtern sind?
Einer unserer Grafiker wollte neulich von zu Hause arbeiten, da dort sein Computer schneller sei, aber das ist doch ein zu lahmer Grund.

In gewisser Weise hast du den Zeitgeist von heute - siehe skandinavische Beschäftigungsmodelle - ja vorweggenommen: Dort sagt man, dass zwei Tage pro Woche zu Hause sehr produktiv seien, da man während der Anwesenheit viel motivierter für den Austausch sei.
Ich bleibe oft den Vormittag über zu Hause, da ich dort besser schreiben kann - ich schreibe generell am liebsten morgens. Wenn ich im Büro bin, laufen dauernd alle in mein Büro. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum. Na ja, es ist schon nett, wenn die Leute sich austauschen wollen. Lange dachte ich, ich müsse irgendwann in ein Büro gehen, da ich mich dem Konkurrenzkampf mit anderen stellen müsse, jetzt bin ich auch so dort gelandet. [lacht]

Kochst du oft?
Meine Frau ist eine sehr gute Köchin. Hier mach ich das nur, weil du mich gefragt hast. Aber ich kann kochen, manchmal mache ich es trotz ihrer Kochqualitäten am Wochenende, aber ich bevorzuge es, wenn sie kocht.

Du bist Editorial Director von Brant Publications und damit für gleich drei Titel zuständig: Interview, Art In America und The Magazine Antiques. Wie hat man sich das vorzustellen, vor allem Letzteres?
Bei den beiden anderen habe ich nicht im selben Maße das letzte Wort wie beim Interview Magazine. Die Redaktionen sind größtenteils unabhängig, ich mache Vorschläge.

Das heißt, um Interview kümmerst du dich täglich, um die anderen im Wochen- oder gar Monatsturnus?
Nein, nein, schon häufiger. Ich kümmere mich bei den beiden anderen vor allem um den Look, die Cover, das Redesign, das wir gemacht haben.



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aus Intro #172 (Juni 2009)
 
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