Sonic Youth
The Eternal - Forever Youth
26.05.2009, 15:57, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Alfred Jansen
Wer hätte gedacht, dass die Damen und Herren noch so viel Blut in sich haben! Eine Band, die Anfang der 80er auf der Bildfläche erschien - und 2009 immer noch die Jugend im Namen trägt?
Na gut, könnte man sagen, ein Bandname ist eben wie eine mit heißer Nadel gestrickte Tätowierung. Wird man nachher nur mit Gewalt wieder los (oder indem man in die Haut eines Solokünstlers schlüpft, in der ja auch nicht jeder stecken möchte, der in der neoliberalen Ich-Gesellschaft noch bis zwei zählen kann).
Kim Gordon, Thurston Moore, Lee Ranaldo sowie der später hinzugestoßene Pete Shelley traten als Sonic Youth seit jeher unter einem programmatischen Banner auf, das sie der Jugend von heute mit einer gewissen Würde unter die Nase halten können, wofür sie weder Rick Rubin noch Oil Of Olaz brauchen. Im Laufe ihrer Geschichte haben sie sich als treibende Kraft ins Verhältnis zu einer Menge interessanter Phänomene der Popkultur gesetzt - Punk, Hardcore, Alternative Rock oder Girlism in allen Variationen. Und sie haben sich als idealistisch Rockstars killende Negationsmaschine selbstbewusst ins Nest der bildenden Kunst gepflanzt - mit Amplifiern und Gitarren.
Aber was soll das alles bedeuten? Mir zum Beispiel? Im letzten Jahr spielte Mayo Thompson a.k.a. The Red Krayola auf persönliche Einladung Cosima von Bonins in der Kölner Galerie Buchholz. Das Set war überragend - bis auf die Knochen reduziert, eine Darbietung von, äh, Persönlichkeit (nicht Image im Sinne von Karen O). Doch die Sache hatte einen Haken. Wer dachte, so ein Gig im distinguierten Ambiente einer ausgesucht smart bespielten Galerie möge eine Portion Trost spenden, sah sich getäuscht, weil den Zaungästen, die eisern ihre Kinnladen in Händen hielten, auch der mit seiner Zettelwirtschaft Wind machende Rainald Goetz nicht das Flair einer interessierten Crowd verpassen konnte. Sicher, Anti-Authentizismus ist Teil des Masterplans, aber mit Gleichgültigkeit haben wir nicht gewettet. (Und, zum Teufel, das war nicht die "Darstellung von Musik", sondern einfach Musik, Leute!).
Jochen "Apfelmann" Distelmeyer macht sich bekanntlich einen Spaß daraus, denjenigen Journalisten eine lange Nase zu drehen, die nach den Bezugsgrößen seiner Songs und Texte bohren. Im Sinne der unsterblichen Ramones knallt er ihnen lieber sinngemäß vor den Latz: "Touring is never boring" oder spricht über Studiotechnik. Gerade in seiner Kunst geht der Künstler auf, nicht in dem deutenden Gezwitscher, das die Spatzen von den Dächern pfeifen (dafür gibt es schließlich die Kritik!). Das finde ich gut!
Deswegen auch kein böses Wort über die feinen Fältchen unter Thurston Moores Kinderaugen oder den endlosen VÖ-Tour-Schweif, den Sonic Youth seit 1981 hinter sich her ziehen. Es geht auch für alternde, unangepasste Rebellen im Pop-Business einfach nicht anders. Dass am Ende des Produktionsprozesses keine marktkonforme Ware steht, ist ein Ziel, das sich nur im Feld der bildenden Kunst erreichen lässt, so die Position nachvollziehbarer Kritik (darüber könnte man natürlich lange streiten, aber mit wem?).
Sonic Youth haben die Ambivalenz ihres Daseins, die gleichzeitig die Substanz ihrer Geschichte ist, mit der Düsseldorfer Ausstellung "Sensational Fix" auf die Spitze getrieben. Rhetorische Fragen: Sind das bloß Angeber, die sich ihre Plattencover und Stücke mit fremden Federn schmücken? Oder macht die Pop/Kunst-Verbindung tatsächlich Sinn? Solange es um einen funktionierenden Mikrokosmos geht (siehe Interview) und um einen fortlaufenden Lernprozess, eindeutig Letzteres.
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