Sonic Youth
Im Interview: Eine Band zwischen den Welten
20.05.2009, 18:32, Text:
Christian Steinbrink,
Hanno Stecher, Foto: Alfred Jansen
Es besteht kein Zweifel: Sonic Youth werden 2009 in einen neuen Blickwinkel gerückt. Das liegt nicht allein an ihrem neuen Album "The Eternal", sondern vor allem an der gerade in Düsseldorf abgelaufenen Ausstellung "Sensational Fix", die den Fokus auf die Rolle der Band als Knotenpunkt der Kunstszene New Yorks legte. Dort ansetzend, flanierten Thomas Venker und Jonathan Forsythe kochend mit Richard Kern und Glenn O'Brien, zwei langjährigen Protagonisten dieser Szene, durch das New York von einst und heute, während Hanno Stecher und Christian Steinbrink mit Kim Gordon und Jutta Koether über die veränderte öffentliche Wahrnehmung der Band sprachen. Wolfgang Frömberg hörte sich "The Eternal" an, um zu sehen, welche zentralen Ableitungen die Band aktuell aus all dem generiert.
Im Museum mit Kim Gordon & Jutta Koether
2009 ist das Jahr der Renaissance von Sonic Youth. Dass die Band dieser Tage wieder ganz oben auf der Agenda steht, dass sie sich in einer Fülle von Feuilleton-Artikeln wiederfindet und ihre Konzertkarten plötzlich so heiß gehandelt werden wie schon lange nicht mehr, ist allerdings nicht allein ihr Verdienst.
Der niederländische Kurator Roland Groenenboom war mit der Idee an die Band herangetreten, eine Ausstellung zusammenzustellen, in der ihre vielfältigen Verzweigungen in der Kunstszene New Yorks der letzten 30 Jahre dokumentiert werden sollten. Ergebnis war "Sensational Fix", eine Ausstellung, die nicht nur eine ganz spezifische und alternative Geschichte der Gegenwartskultur lieferte, sondern auch eine völlig neue Sichtweise auf das ermöglichte, was Sonic Youth wirklich ausmacht.
Fotostrecke:Sonic Youth (Intro-Shooting)
Wir sitzen im Kölner Museum Ludwig, wo Kim Gordon und Jutta Koether später am Abend unter dem Motto "Calming The Snake" zusammen eine Kunstperformance in Wort und Musik aufführen werden. Die beiden sind etwas nervös. Die Zeit drängt - der Soundcheck dauerte zu lang -, und gleich werden die Saaltüren geöffnet.
Kim, was ist neu an der Art und Weise, wie "Sensational Fix" Sonic Youth einordnet, wie die Ausstellung über euch spricht?
K: Die meisten Journalisten hatten nie einen Einblick in die Welt, die uns tatsächlich ausmachte. Sie beschrieben uns als Rockband und dramatisierten die typischen Ambitionen, die sich aus solchen Bands herauslesen lassen. Was das angeht, empfand ich uns aber immer als langweilig. Ich fand Sonic Youth immer nur interessant als Beziehungspartner all der Künstler um uns herum, wie es die Ausstellung zeigt.
Würdest du denn sagen, dass die Ausstellung aus diesem Blickwinkel auch etwas Befreiendes für euch hat? Nun besteht die Chance, dass die Band öffentlich anders wahrgenommen wird.
K: Na ja, die Leute schreiben viel. Es muss doch echt langweilig sein, wenn immer betont wird, die Band sei einflussreich, aber eigentlich weiß keiner so genau warum.
J: Ich denke, dass die Ausstellung zeigt, dass da eben nicht einfach eine Rockband ist, die hier und da ein paar verrückte Begegnungen oder Auseinandersetzungen mit anderen Rockbands hat. Es geht darum, wie sehr Sonic Youth dieses ganze Feld umspannen, in dem Musiker, Fotografen arbeiten, in dem es unterschiedliche Formen von Aktivitäten ganz vieler Leute gibt.
Tatsächlich ist die Liste an Kollaborationspartnern, die mit Sonic Youth in fast 30 Jahren Bandgeschichte zusammengearbeitet haben, ellenlang. Sie umfasst Künstler aus unterschiedlichsten Feldern und Generationen. Etablierte Altmeister wie Gerhard Richter, dessen Bild "Kerze" das Cover von "Daydream Nation" zierte, traten ebenso auf wie Underground-Legende Richard Kern oder der Filmemacher Harmony Korine, der 1998 mit gerade mal 24 Jahren das Video zu "Sunday" drehte und damit seinen Durchbruch schaffte. Dabei ist es der Düsseldorfer Ausstellung tatsächlich gelungen, das Arbeiten in einem möglichst hierarchielosen Netzwerk als wichtiges Merkmal der Identität des Projektes Sonic Youth darzustellen und erfahrbar zu machen.
Darüber hinaus zeigt die Ausstellung auch Arbeiten der einzelnen Bandmitglieder jenseits des gemeinsamen Bandkontextes. So sind Fotomontagen von Thurston Moore zu sehen oder Werke von Lee Ranaldo, der mit seiner Partnerin Leah Singer seit Jahren unter dem Projektnamen Drift Videoinstallationen entwickelt und selbst auch malt und filmt. Hier wird deutlich, dass sich die Mitglieder der Band immer als Künstler verstanden haben, die mit ihrer Arbeit die Grenzen zwischen verschiedenen Feldern und Medien verwischen und sich nicht auf ein bestimmtes Stilmittel festlegen lassen wollen. Diese grundsätzliche Offenheit ist für Gordon und Koether ein Phänomen, das in enger Verbindung zu New York als Kunstmetropole steht.
K: Ich denke, dass New York eine ganz spezifische Genetik hat, eine gewisse Prägung, die auch langfristig bestehen bleibt. Das ist eine Stadt, in der es schon immer diese Tradition gab, schrankenlos zu arbeiten und Dinge aus verschiedenen Bereichen zu kombinieren. Es könnte vielleicht damit zu tun haben, dass dort alles auf sehr kleinem Raum stattfindet, es gibt eine ganz andere Beziehung zwischen Musik und bildender Kunst als zum Beispiel in Los Angeles. New York ist viel formeller, was das angeht. Es ist ein Ort für Leute, die wirklich ernsthaft an Kunst interessiert sind.
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Intro 20.05.2009 | 18:32:00
Es besteht kein Zweifel: Sonic Youth werden 2009 in einen neuen Blickwinkel gerückt. Das liegt nicht allein an ihrem neuen Album "The Eternal", sondern vor allem an der gerade in Düsseldorf abgelaufenen Ausstellung "Sensational Fix".
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