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Dirty Projectors

Im Interview: Dramatisch oder traumatisch?

18.05.2009, 18:16, Text: Sandra Grether, Foto: Elke Meitzel

Es ist so nahe liegend wie fortschrittlich, aber in dieser Konsequenz hat das noch keiner gebracht: Die sowohl ganz neu wie auch ganz alt klingende hochenergetische Musik von Dave Longstreth und seiner Band Dirty Projectors - für die er als Mastermind alle Songs komponiert und, fast ist man geneigt zu sagen: dirigiert - lässt sich von Sandra Grether nur im Superlativ beschreiben.

Longstreth macht Schluss mit dem Klischee, wonach der zornige, weiße, geschichtsbewusste It-Held ein Folk-Poet ist und der zornige, farbige It-Held ein Protagonist des Urban Sounds!


Stattdessen verknüpft er Traditionslinien des nordamerikanischen Progressive Dreams - vor allem die Fingerpicking-Folk-Standards aus den 60ern - mit dem gegenwärtigen und coolen hot stuff des Urban Sounds, inklusive opulenter, oktavenreicher, mehrstimmiger R'n'B-Gesänge (gesungen von Leuten mit Indie-Roots) und afrikanisch angehautem Gitarrenspiel. Das klingt in seiner Verbindung angenehm frisch, und man hat gleich viele Fragen. Zum Beispiel: Was wird hier aufgeführt? Am Ende doch bitte nicht nur musikalisches Nerdtum?



Der ehemalige Musikstudent aus Brooklyn hat sich in der Vergangenheit aus dem Kreis seiner Musikerfreunde schon mal halbe Orchester zusammengesucht, in denen u. a. Querflöten, Saxofone, Klarinetten und Oboen zum Einsatz kamen. Dann wieder nahm er 2007 mit "Rise Above" ein etwas anderes Tribute-Album an Black Flags "Damaged" auf - nämlich ausschließlich basierend auf seinen Erinnerungen, weil er die Platte zuletzt als Jugendlicher gehört hat.

Auf mein emphatisches Nachfragen, ob er sie sich wirklich nicht zumindest ein Mal angehört habe, ernte ich nur einen verständnislosen Blick von Longstreth - es scheint ihm zu viel Emotionalität in meinen Worten zu liegen: "Nein, sagte ich doch schon, habe ich nicht", betont er sachlich. Und überhaupt: Der Gute vertraut auf seine Musikalität und die riesigen Datensätze der Musikarchive wie einst unsere globalisierte Welt aufs Bankensystem. Er hat die Rechnung aber leider ohne die armen gläubigen Schuldner und Abhängige des innerstädtischen Hedonismus gemacht.


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aus Intro #172 (Juni 2009)
 
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  • User: Intro
  • Intro 18.05.2009 | 18:16:00

    Die sowohl ganz neu wie auch ganz alt klingende hochenergetische Musik von Dave Longstreth und seiner Band lässt sich nur im Superlativ beschreiben.

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