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The Field

Im Interview: Purzelbaum, Ohnmacht, Jubel

18.05.2009, 16:03, Text: arno raffeiner, Foto: Lars Borges

Nennt es Shoegaze-House oder Indielectro! Axel Willner alias The Field hat einst in Punk-Bands schreien und schrammeln gelernt und macht sich heute am Computer fit für die große Genießernummer auf der Bühne. Nach Dubstep zum Heulen ist jetzt Engtanz-Techno dran. Willner weiß zwar noch nicht, wie man dazu tanzt, dafür hat er Arno Raffeiner aber erzählt, wie es sich damit lebt.

Axel Willner schiebt sich noch eines dieser kleinen braunen Päckchen unter die Oberlippe und blinzelt in die Berliner Frühlingssonne. Genau so hat er Wohlgefühl am liebsten: unscheinbar verpackt, in winzigen Dosen, die jedoch, quasi endlos aneinandergereiht, große Wirkung entfalten. "Ich habe praktisch rund um die Uhr Snus im Mund, außer wenn ich esse und schlafe. Die Wirkung hält lange an und gibt dir einen konstanten Nikotin-Flow. Man fühlt sich einfach gut."


Es klingt nicht besonders charmant, Willners Musik mit dem in seiner schwedischen Heimat so beliebten Konsum von Miniteebeuteln voller Tabak gleichzusetzen. Aber die Art und Weise, wie er Gefühle und Erinnerungen in seine kleinen Samplepäckchen presst, um anschließend Schmusehymnen für den Dancefloor daraus zu machen, die steht im genau gleichen unwahrscheinlichen Verhältnis wie: hässlich-brauner Beutel zu konstantem Wohlfühl-Flow. Viele Producer wären wohl zu jeder Schandtat bereit, um herauszufinden, wie man das hinkriegt.

Axel Willner weiß es auch nicht so genau. Er macht es einfach. Bisher bestanden die Stücke, die er unter dem Pseudonym The Field veröffentlicht hat, fast ausschließlich aus Bruchstücken fremder Songs, die er am Computer zusammenfitzelte. Es war typische Klaumusik, Fan-Musik: Im Grunde war jeder einzelne Track eine Hommage an Willners Lieblingslieder, die er mit einem simplen Freeware-Programm in live eingespielten Arrangements auf die Festplatte bannte. So live, dass man auf The Fields erstem Album "From Here We Go Sublime" der Technik einmal beim emotionalen Overload zuhören kann: Der Sequencer stottert, stolpert und schlägt einen Purzelbaum mit anschließendem Totalausfall. Es dauert einige Sekunden, bis er sich von der Ohnmacht erholt - nur um gleich weiterzujubilieren.





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aus Intro #172 (Juni 2009)
 
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