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Phantom/Ghost

Im Interview: Den Indiekumpels ins Bier gespuckt

27.04.2009, 16:12, Text: Martin Riemann

Jetzt ist es so weit - Phantom/Ghost sind "Thrown Out Of Drama School". Der Titel gibt den Ton gut an. Und Dirk von Lowtzow gibt den kapriziösen Gastgeber eines Liederabends, zu dem Thies Mynther gekonnt proto-monumentale Klavierskizzen hinwirft. Ergreifend, lustig und schön. Wer den beiden dabei Abgehobenheit vorwirft, kann sich, so Martin Riemann, auch gleich über Elvis' Hüftschwung beschweren. Denn hey, Authentizität ist hier der Feind!

Der erste Eindruck, den man beim Hören der Platte hat, ist der von einem angeschwipsten Varieté-Abend.
Wir finden das gut. Dieses Spielen mit den Konnotationen von Varieté oder Theater und auch schlechtem Schauspiel im Sinne von großen Gesten. Wir mögen das Hochstaplerische, das darin liegt. Auch dieses Hape-Kerkeling-Gefühl à la "Hurz" ist durchaus beabsichtigt.


Letztendlich ist das also euer Humor.
Kann man so sagen. Und der wendet sich natürlich gegen Sachen, die wir scheiße finden. Gerade dieses Oberauthentische und extrem Kumpelhafte, was man am zeitgenössischen Indierock so hasst. Dagegen zieht uns das Schäbige, aber gleichzeitig Funkelnde dieser Theaterwelt an.

Kann man dabei eigentlich von einem bestimmenden Thema ausgehen?
Es gibt schon dieses Thema des Bühnenhaften. Und wenn man das Ganze mit einem Militärmarsch anfängt, den aber in einen ¾-Takt transponiert, ihn also verweiblicht, und die Platte mit "You're My Mate" von Right Said Fred beendet, das ja auch diese Marschstruktur hat, dann weist das schon darauf hin, dass wir Spaß am konzeptuellen Arbeiten haben.

Man hat das Gefühl, dieses bewusst Unauthentische bekommt dadurch etwas sehr Verbindliches.
Genau. Nimm "The Process". Das ist eigentlich die Melodie von "My Oh My" von Slade. Und wenn du statt "My Oh My" dann "Inschallah", also Arabisch für "So Gott will" einsetzt, dann ist das zunächst ein Witz. Aber so ein Song bemächtigt sich deiner, und man wird plötzlich so, wie diese Lieder sind, und meint es ernst. Da gibt's so'n reflexives Moment. Ich weiß auch nicht, wie das funktioniert.





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aus Intro #171 (Mai 2009)
 
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