Art Brut
Im Interview: Eine Firewall gegen Satan
22.04.2009, 17:58, Text:
linus volkmann, Foto: Joachim Zimmermann
Eddie Argos, Sänger und Vortänzer von Art Brut, sieht aus wie eine Mischung aus einem unheimlich großen, verkaterten Kind und Bela Lugosi - noch hochgejazzt um die Augenbrauen-Intensität eines Theo Waigel. Die letzte Platte der Band litt unter der Last, ein Pop-Album sein zu wollen, verkündete in einem Song aber bereits: "Punkrock ist nicht tot!" - Genau auf diesem Ticket reist laut Linus Volkmann das neue Album "Art Brut Vs. Satan".
Das Interview findet in einer Privatwohnung statt, in Hamburg, Altbau, selbstverständlich ganz oben, selbstverständlich kein Fahrstuhl. Eddie Argos trägt einen altertümlichen Koffer - bisschen wie der, in dem der Rabe von "Siebenstein" aus dem öffentlich-rechtlichen Kinderprogramm wohnt. Nach der Hälfte des Aufstiegs ist Eddie fix und fertig. Lange Nächte, hohe Treppen - das hat früher nicht gepasst, das passt auch heute nicht.
Zum Glück kann er mit Schwäche kokettieren bzw. hat diese Disziplin in seinen Texten zu einer ungeheuren Meisterschaft geführt: Hört man Art Brut, weiß man, dass Eddie schlecht im Bett ist, ein notorischer Nörgler und seine Cockney-Sprechsing-Stimme selbst für erklärungsbedürftig hält. In Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" wird ja die These ausgearbeitet, dass, wenn man nur vorauseilend und offen Verfehlungen herausposaunt, man sich derer damit bei anderen eher unverdächtig als verdächtig macht. Ich glaube Eddie allerdings alles. Bestimmt ist er schlecht im Bett. Auch schon wieder geil!
Fotostrecke:Am Tatort mit: Art Brut
Die erste Single zur neuen Platte addiert ein weiteres lustvoll ausagiertes Defizit zu diesem Selbstbild: Im Video wird unter seiner Person eine Banderole eingeblendet, darauf steht: "Eddie Argos - Alcoholic", passend zum Stück "Alcoholics Unanimous". Gibt es eigentlich eine Schwäche, die der Alte nicht in einen scheppernden arty Cockney-Punkrocksong pointieren kann? Und wie lief es eigentlich mit dem Produzenten - also mit Black Francis (alias Frank Black alias der kleine Dicke mit Glatze der Pixies)? Aber mal von vorn ...
Eddie, mit "Art Brut Vs. Satan" kommt euer drittes Album bereits bei der dritten Plattenfirma raus.
Unsere allererste Single "Formed A Band" erschien ja noch bei Rough Trade. Also waren es eigentlich vier Labels, die letztlich total angepisst von uns waren. Obwohl: Nein, mit Cooking Vinyl jetzt sind wir sehr glücklich, das hält!
Noch mal ganz kurz zum vorherigen Album zurück, da feierst du in einer deutschen Zeile Punkrock ab - was sich musikalisch für euch ja erst mit diesem Album so richtig erfüllt. Im Song heißt es: "Excuse me, if my accent's rude. I learned my German from a 7inch record." Von welcher denn eigentlich?
Das habe ich mal auf einem Billy-Childish-Song gehört. "Punkrock ist nicht tot" - und, äh, geklaut.
Ich war erstaunt, wie gerade bei der Gitarre plötzlich der Punk abgeht. Obwohl: Ihr habt ja diesen Gitarristen [Ian Catskilkin], der sich auf der Bühne immer total in Rocker-Posen wirft und gern Soli oder Scorpions-mäßige Parts einstreut. Der hatte wohl diesmal mehr zu sagen im Studio.
Ja, tatsächlich. Und ich weiß natürlich, was du mit seiner Bühnenshow meinst. Er hört auch sehr gern Slayer. Und ich denke, ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass er auf der Bühne nicht in einer Metalband spielen will, sondern denkt, er ist einfach schon in einer.
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Stay Up Late!
Heavy Load heißt die Punkband. Sie bricht alle Regeln, denn sie kennt keine Regeln. +++ Stay Up Late! heißt ihre Kampagne, mit der sie das Recht für Behinderte fordern, nachts so lange ausgehen zu dürfen, wie andere auch. http://stayuplate.org
Ihr Konzert ist am So 25. Okt um 21.30 Uhr in der No Limits Lounge/Kulturbrauerei
http://www.no-limits-festival.de/infos.html#fuenfundzwanzig





