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Kochen mit...

Peaches: Bildergalerie!

22.04.2009, 16:43, Text: linus volkmann, Foto: Thomas Venker;Linus Volkmann

Peaches lebt in Berlin-Mitte. Mag asiatisches Essen, Kühlschrankmagneten und hat einst der Versuchung widerstanden, ein It-Girl zu werden. Mit ihrem vierten Album, "I Feel Cream", zeckt sie sich auch musikalisch wieder an einen ganz großen Wurf ran.

Nach dem Treffen, Essen, Sprechen mit Peaches konnte man noch länger darüber grübeln, was das eigentlich heißen sollte. Was es heißen sollte, dass sie, als es richtig losging bei ihr, die Möglichkeit gehabt hätte, in einen ganz anderen, einen Celebrity-assoziierten Lifestyle reinzugeraten. Paar Tage später laufen auf "Exklusiv" (mit Frauke Ludowig) und "Prominent" (mit Constanze Rick) Reportagen über die diesjährige Pariser Fashion Week.


Der absolute Aufhänger im TV wie auch in den Mode-Blogs durch die Bank: die Gossip-Sängerin Beth Ditto in einem hautengen blauen Kleid und wie sie mit ihren sehr vielen Pfunden mehr als all die hungrigen Frauen sonst so trotzdem die Allergeilste ist. Lagerfeld und Gaultier lassen sich gern mit ihr sehen. Wow. The birth of cool. Live - und auf RTL!

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Aus so einer dreisten Selbstermächtigung erwächst tatsächlich das Wesen von "Cool". Alle sehen zu und sind fasziniert. Und so hat es Anfang des Jahrzehnts auch bei Peaches geklingelt. All die Souveränität, mit der sie diese den Mainstream so verstörende weibliche "Predator"-Sexualität rausgehauen hat. Und der Witz, der Charme dabei. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass sie das (vermeintliche) No-Go Achselhaare niemals zum Fanal machte, sondern in Interviews eher von Bequemlich- bzw. Nachlässigkeit sprach. Wer sich leisten kann, so viel Sex in der eigenen Rolle zu postulieren, und sich dabei noch so aufreizend wenig Mühe gibt, all die lähmenden Beauty-Codes auch nur irgendwie zu bedienen, der muss wahnsinnig sein. Oder eben in der Tat weisungsbefugt und cool. Beides trifft auf Peaches zu. Nur statt Lindsay Lohen im Knast zu besuchen oder sich von Perez Hilton auf dessen Seite noch einen Schnurrbart über den angeklebten Schnurrbart malen zu lassen, lebt die Exil-Kanadierin in Berlin-Mitte und beteiligt sich an Intros kleiner Kochshow.

"Bitte schreibt nicht, dass ich krank bin!" So begrüßt uns der tapfere Indie-Star, der sich nun trotz Katarrh, Antibiotika und Bettlägerigkeit für Food'n'Talk aufgerafft hat. Selbstverständlich, Peaches! Von uns erfährt keiner ein Wort. Sollen die Fans ruhig weiter denken, du seist unsterblich und im Besitz der Antigrippe-Formel. Wir halten dicht.

Peaches soll kochen und erzählen, auch wenn wir uns ein wenig Sorgen um sie machen. Gestern London, heute Berlin und morgen New York. Immerhin gilt es gerade das neue Album vorzustellen. Und da Peaches eben kein deutsches Phänomen ist, das sich nach dem Besuch bei Radio Powerplay XL und dem Kicker wieder ablegen kann, steht in ihrer Lebenslinie ganz deutlich: "Reise, Reise!"

Aber vorher noch was in den Magen, dann geht ja vielleicht auch das Fieber runter. Doch bevor das gewünschte Gericht gebratener Tofu mit Shitake-Pilzen in scharfer Bohnensoße entstehen kann, müssen die Einkäufe mit dem englischen Originalrezept abgeglichen werden. Schnell wird klar: Die Shitake-Pilze sind getrocknet, sollen aber frisch sein und die schwarzen asiatischen Bohnen ungekocht, müssten aber eigentlich schon seit fünf Stunden köcheln.


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aus Intro #171 (Mai 2009)
 
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---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town--- Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen. Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League. Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic. Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“

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