DJ Hell & Gui Boratto
Im Interview: Die Beat-Connection
22.04.2009, 14:04, Text:
Thomas Venker, Foto: Thomas Venker
Die russischen Neo-Oligarchen haben uns gelehrt, dass man sich gefälligst nicht beklagt, wenn es nicht mehr läuft, sondern den Abgang macht. Jammern passt nicht ins Bild einer Welt. Und so protzte Miami auch 2009 während der Winter Music Conference (WMC) wie einst zu seinen Vice-Tagen. Doch hinter den Kulissen tobte ein gnadenloser Bandenkrieg. Thomas Venker heftete sich fünf heiße Tage lang an die Versen einiger der gesuchtesten Beat-Manipulatoren am Markt: Guilherme Boratto (auf den Listen geführt als Gui Boratto), Jonas Temple (einer von drei CEOs des international bekannten Zwischenhändlers Beatport) sowie an die des Trios Helmut Geier (gefürchtet als DJ Hell), Peter Kruder (eine Hälfte des Gangsterduos Kruder & Dorfmeister) und Christian Prommer (u. a. für die Coups von Fauna Flash verantwortlich).
Es gehört nicht viel dazu, Miami zu bashen. Jede Menge Reiche. Nicht wenige ziemlich dumm. Und ein Lifestyle, der neben dem materiellen Posen auch viel mit Sexismus und Ausgrenzung zu tun hat. Und auch die WMC macht es einem leicht, dem Trend zu folgen.
Schon lange nicht mehr so viel schlechten Techno aus zu vielen Boxen auf einmal gehört wie zwischen Convention Hall und Strandpromenade: Progressive, Trancy und Housy machen hier 90 % der Lärmbelästigung aus. Aber Miami, das sind auch wunderschöne Art-Deco-Häuser, exil-kubanische Viertel und endlose Strände mit smaragdfarbenem Wasser. Eine wunderschöne Stadt mit vielen bezaubernden Ecken. Und auch im Programm der WMC finden sich genügend spannende Events. Genau genommen schon wieder viel zu viele.
Gui Boratto zwischen Sodom und Hotelzimmer
Ich treffe Gui Boratto allerdings auf keinem dieser Events, sondern inmitten von Sodom und Gomorra. Geladen hat ins Shelborne Hotel das englische DJ Mag. Ein Engländer, mit dem ich ins Gespräch komme, erzählt mir, dass er extra für eine Woche aus Leeds eingeflogen sei, normalerweise in einer Bank auf der mittleren Karriereebene arbeite, es für ihn in seiner Freizeit aber nur Techno gebe. Und wie toll es sei, dass an diesem Nachmittag fünf seiner absoluten Helden hier auflegen würden. Schön, wenn man die Namen von Steve Lawler, David Guetta oder Dale Anderson nicht nur kennt, sondern mit ihnen auch noch Verehrung verbinden kann.
Für mich zählt hier und jetzt allerdings nur Gui Boratto, der Brasilianer, der vor zwei Jahren mit seinem Debütalbum "Chromophobia" die Zeichen beim Kölner Vorzeigelabel Kompakt auf großen Clubsound setzte und dessen neues Album "Take My Breath Away" aktuell mit erhöhtem Trancefaktor die Fahrt intensiviert. Auch Gui ist irritiert angesichts des Umfelds, nimmt es aber gelassen. Wer Erfolg will, muss auch Kompromisse fahren. Ein solcher ist dieser Promogig am Nachmittag, der eigentliche Auftritt steht um vier Uhr nachts in der Dolce Ultralounge an.
Fotostrecke:Mit Hell und Gui Boratto in Miami
Während im Hintergrund der DJ den Bibo macht, erzählt Gui, dass dies der erste Auftritt der Albumtour sei, die ihn über u. a. New York und Montreal am Ende eines intensiven Monats nach Los Angeles und zum in der Wüste bei Palm Springs gelegenen Coachella Festival bringen wird. Er fange seine Touren durch die USA prinzipiell immer in Miami an, das habe Tradition. Hier ginge es nur ums Feiern. Zwar auf eine sehr eigene Art, aber wenn man sich darauf einlasse, dann sei das auch gut so. Wobei 2008 das bis dato beste Jahr gewesen sei. Nicht zuletzt wegen des gemeinsamen Happenings mit Ewan Pearson, Radioslave, Marcus Worgull und Konrad Black.
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pizza muss gatschig sein - wie bei den turtles!
so siehts nämlich aues!
...knusper knusper, sowas aber auch, da piepts ja wohl!





