Yeah Yeah Yeahs
Im Interview: Dance The Pain Away
26.03.2009, 13:28, Text:
Martin Büsser, Foto: Christian Joy
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Ist Karen Orzolek die neue Debbie Harry? Radikaler hätte der Wandel von der Underground-Rock-Ikone zur Disco Queen wohl kaum ausfallen können. Im Rolling-Stone-Forum maulen bereits die enttäuschten Rock-Fans. Doch es gibt laut Martin Büsser keinen Grund zur Beschwerde, denn die Yeah Yeah Yeahs haben alles richtig gemacht und sich wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Morast gerettet.
Bislang waren die Yeah Yeah Yeahs vor allem eine großartige Live-Band, auf Platte dagegen immer ein wenig kurzatmig, hektisch, unausgegoren. Alles musste schnell gehen, Freiräume gab es keine. Und all das angeblich nur, weil Drummer Brian Chase das EP-Format abgöttisch liebt und dafür plädierte, auf jeglichen Schnickschnack jenseits straff heruntergejagter Songs zu verzichten. Das hat sich nun geändert. Seit sich die Yeah Yeah Yeahs wie Phönix aus der Asche als Dance-Band neu erfunden haben, gibt es auch Freiräume, luftige Passagen und vor allem - sehr viel Groove.
"Diese radikale stilistische Veränderung war nicht geplant", erzählt Karen. "Sie entstand schrittweise im Studio, wahrscheinlich, weil wir zum ersten Mal in unserem Leben richtig viel Zeit hatten. Früher musste alles schnell gehen, doch diesmal hatten wir ein ganzes Jahr, an einem Album zu arbeiten."
Der Eingangs-Vergleich mit Debbie Harry ist gar nicht so scherzhaft gemeint, wie er vielleicht klingen mag. Mit "It's Blitz" haben die Yeah Yeah Yeahs ähnlich wie einst Blondie einen radikalen Wandel vollzogen, der keine Rücksicht auf das Publikum nimmt: Eine mit Punk und Wave assoziierte Band hat da plötzlich alles von sich gestreift, was irgendwie noch nach Underground riechen könnte. Die neue Produktion ist perfekt, so stylish wie das Albumcover, das Foto von einer Hand, in der ein Ei zerbricht - es erinnert an Disco-Platten aus den 1970ern -, ist pure inszenierte Geste und gefrorene Form, könnte auch eine perfekte Fotovorlage für Vogue sein.
Fotostrecke:Yeah Yeah Yeahs: Karen O. Fotoshooting
"Tanzmusik ist natürlich eine Herausforderung für uns", meint Karen, "aber ich denke ja, dass wir noch immer die Balance halten. Wir spielen Dancefloor mit der Energie von Punk, aus dem Geist von Punk heraus. Dass diese Balance gewährleistet ist, liegt wohl auch daran, dass wir mit zwei sehr unterschiedlichen Produzenten zusammen gearbeitet haben. Das war zum einen unser Produzent Nick Launay, der sehr an Rock und Garage-Sound orientiert ist, ziemlich altmodisch. Und zum anderen Dave Sitek, der eine total futuristische Herangehensweise an Sound hat. Diese Spannung hat unserem Album, glaube ich zumindest, gut getan."
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