Muff Potter
Im Interview: Endlich geht es wieder bergab!
19.03.2009, 11:52, Text:
linus volkmann
Muff Potter sind, um es auch mal für unsere fahrigsten Leser zu pointieren, die nächsten Tomte. Bestimmt nicht vom Sound, denn der ist bei den vier Punk-Alkopops immer noch mit voller Absicht das Brett - aber eben vom Lauf der Dinge: hohe Identifikation, viel gerechtes Fantum, zehntausend Meilen runter zwischen A1 und A7 und dabei stets gut - mitunter sogar immer besser. Linus Volkmann hielt Sänger und Gitarrist Nagel mal an.
Bei der neuen Platte fällt als Erstes auf, dass der Sound mehr die Wand sucht. Habt ihr bewusst jeglichen Prozess der Indie-Versoftung aufgehalten?
Ich finde den Begriff "Indie-Versoftung" schon eher zweifelhaft, und ich hege nach wie vor eine große Liebe zu Melodien, zu Pop, manchmal auch zu Opulenz. Tatsächlich ging es uns bei dieser Platte aber in erster Linie darum, unsere Band-Energie einzufangen. Wir wissen, dass wir keine Virtuosen sind. Alles, was wir anbieten können, sind gutes Songwriting und eine energetische Performance, und die soll man auf "Gute Aussicht" nicht nur hören, sondern geradezu physisch spüren. Es war alles sehr Kamikaze-mäßig. Kein Label, kein Geld, aber auch das Wissen, es trotzdem oder gerade deswegen genau jetzt machen zu müssen.
Man kann sich anhand des Titelvergleichs ("Steady Fremdkörper" erschien auf einem Major-Label vs. "Gute Aussicht" als Eigenrelease) nicht des Gedankens erwehren, dass ihr euch ohne die Bürde der großen Plattenfirma lockerer fühlt. Ist dem auch so?
Nein. Eigentlich waren wir sogar deutlich entspannter, als wir einen dicken Vorschuss aufs Konto bekommen haben, statt uns derbe zu verschulden, wie mit dieser Platte. Wir haben als Band nach all den Jahren eine recht stabile und selbstbewusste Haltung. Wirtschaftliche Aspekte oder die Frage, wo unsere Platte rauskommt, beeinflussen nicht die Musik oder die Texte.
muff potter - blitzkredit bop - video
Also hatte das turbulente letzte Jahr wirklich gar keinen Einfluss aufs Album?
Wenn überhaupt, dann ist das eher unterbewusst passiert. Aber es stimmt schon, dass im Zusammenbruch natürlich auch immer eine Chance liegt. Ich wollte ja nie Berufsmusiker sein. Ich war nur ein Punk vom Dorf, der gute Songs schreiben wollte. Wir wissen, wovon wir singen, wenn wir auf der neuen Platte den "Soundtracks zum Untergang"-Sampler zitieren. Endlich geht es wieder bergab! Und wenn Schema F nicht mehr funktioniert, bestätigt mich das irgendwo auch. Es gibt mir eine gewisse Genugtuung, wenn die Musikindustrie mit ihren lächerlichen Regeln den Bach runtergeht - auch wenn es mich finanziell teilweise selbst betrifft.
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