Razorlight
Flucht und Selbstfindung
25.02.2009, 18:25, Text:
Daniel Koch,
Martin Spiess, Foto: Katharina Poblotzki
Johnny Borrell ist ein Arschloch. Ein lauter, pöbelnder Rockstar. Das muss einfach so sein. Man liest es ja ständig. Aber ist dem wirklich so? Nö. Im Gegenteil: Nachdem Borrell sich bewusst aus dem ganzen Rummel zurückgezogen hat, kommt er nun innerlich in sich ruhend mit dem sehr persönlichen Album "Slipway Fires" zurück. Das natürlich trotzdem a bisserl größenwahnsinnig klingt - man ist ja immer noch Razorlight. Das Interview führten Daniel Koch und Martin Spieß.
Du hast dich auf eine abgelegene Insel vor der schottischen Westküste zurückgezogen, um das neue Album anzugehen. Warum war es dir so wichtig, die Flucht anzutreten?
Es war wichtig für mich und die Band, sich so weit wie möglich vom Musikbusiness zu entfernen. Ich wollte gar nicht erst mitkriegen, was die Konkurrenz, die Killers oder die Kaiser Chiefs, da draußen so treibt. Nicht dass ich die Bands hier dissen will - im Gegenteil, ich schätze sie sehr. Aber ich wollte ein Album schaffen, das zeitlos für sich stehen kann und das eben nicht, wenn auch unbewusst, durch die Entwicklungen der Konkurrenz beeinflusst wurde.
War es also auch eine Flucht vor der Musikindustrie? Vor dem Druck, der da aufgebaut wird?
Schon ein wenig. Das Business ist ja eine bizarre Angelegenheit: Du machst ein Album, es geht auf Platz #2, und schon gibt's da einen, der sagt: "Schau mal, die sind aber auf Platz #1." Du spielst vor 10.000 Leuten, und einer flüstert: "Schau mal, die da spielen vor 20.000 - und haben einen Privatjet. Willst du das nicht auch?" Versteh mich nicht falsch: Diese Leute sind es auch, die dir, wenn dich noch keine Sau kennt, eine halbe Million auf den Tisch legen und sagen: "Wir glauben an dich. Mach was draus!" Aber dieses freundlich-bestimmte Pushen setzt einen natürlich unter Druck. Das wollte ich diesmal nicht, und ich bin jetzt in einer Position, in der ich das durchsetzen kann.
Es wird viel geschrieben über dich - leider nicht immer über deine Musik. Wie stehst du zum nervigen Thema Klatschpresse? Das spielte ja sicher auch eine Rolle bei der Entscheidung, nach Schottland zu gehen.
Schon. Aber ich habe zwangsläufig gelernt, damit umzugehen. Das bin nicht ich, der in diesen Medien verhandelt wird. Das ist eine Fantasiefigur, auf die man Dinge projizieren kann, die man formen kann, über die man wirklich alles behaupten kann. Seitdem ich das verstanden habe, geht's. Ich würde mich wirklich gerne mit all diesen Leuten zusammensetzen und sie fragen, wie sie eigentlich auf all das Zeug kommen, das sie da erfinden - aber dann wüsste ich, wie sich Sisyphos damals gefühlt hat. Ich trenne diese zwei Welten einfach sehr deutlich. Nur so hält man diesen Schwachsinn aus.
Die Texte auf "Slipway Fires" fallen sehr persönlich aus. Hast du Angst, dass du genau diesen Leuten jetzt dadurch mehr Angriffsfläche bietest?
Nein. Als Künstler, Sänger oder eben als der Idiot am Mikro darfst du keine Angst haben, zu viel preiszugeben. Die Leute, die mich reflexartig runtermachen, hören eh nicht genau hin. Sie werden gar nicht merken, was ich in die Platte gesteckt habe. Für mich war es eher befreiend, so tief blicken zu lassen und den Schmerz, den ich fühle, in das Album einfließen zu lassen.
Wir verlosen dreimal das neue Razorlight-Album "Slipway Fires" als Special Edition (inkl. Live-DVD und Studio-Session)! Wer das gewinnen will, schreibt eine E-Mail an verlosung@intro.de. Einsendeschluss ist der 30.03.09.
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