John Niven & Bela B
Töten spricht
16.03.2009, 15:44, Text:
linus volkmann,
Thomas Venker
John Nivens "Kill Your Friends" pflügte 2008 durch die Popliteraturszene wie sonst nur noch Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Ein derart rüpelhafter, sexistischer, unsympathischer Protagonist ist ja eigentlich die absolute Antithese zu unserer Indieseligkeit, doch - Überraschung, Überraschung - eine Hassliebe sollte entstehen. Und da Erfolgsgeschichten bekanntlich immer weitergehen müssen, gibt es jetzt das Hörbuch zum Printbestseller, gesprochen und auf Lesetour präsentiert von keinem Geringeren als Ärzte-Bad-Boy Bela B. Dieser stellte sich den Fragen von Thomas Venker und Linus Volkmann.
Du hast zuletzt neben John Nivens Roman auch Oliver Uschmanns "Hartmut" eingelesen. Was ist dein Trigger beim Vorleser-Sein?
Es geht mir da um persönliches Involviert-Sein. Betrifft mich das Thema? Will ich die Stimme sein, die die Botschaft des Buches nach außen trägt? Bei den beiden Elvis-Biografien letztes und vorletztes Jahr wollte ich das z. B. unbedingt. Bei Oliver war es eine spontane Backstage-Aktion vor einem Konzert, weil ich Fan seiner Bücher bin und ihm da mit meiner Popularität etwas aushelfen wollte.
Hörst du selbst Hörbücher?
Ich bekomme oft Hörbücher von Verlagen geschenkt, kaufe mir aber auch welche. Meistens höre ich die im Auto. Ich hab "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche als Hörbuch gekauft und an Ampeln bei geöffnetem Fenster immer aufgedreht. Heinz Strunks Werke sind von ihm gelesen noch besser als seine Bücher. Aktuell hab ich mir grad eine BBC-Produktion über das Leben von Phil Spector gekauft, die aber leider schon auf der ersten CD hängt.
Machst du vorm Lesen extra was mit deiner Stimme? Extrem viel rauchen, Whiskey, rumbrüllen? Oder besser Fencheltee und Honig?
Ha, ihr wollt Klischees hören?! Sorry, weder noch. Braucht das Thema mehr Bass, schlafe ich einfach weniger ... Ich erarbeite zusammen mit dem Regisseur erst bei der Aufnahme die nötige Stimme. Am letzten Tag einer Hörbuchproduktion werden dann meist die ersten zehn Seiten wiederholt. Getrunken wird dabei viel Wasser.
Ist das nicht auch eine schauspielerische Herausforderung? Immerhin musst du über Betonung die Spannung halten, die Akzente setzen. Oder ist letztlich immer alles nur DIY und Stegreif?
Es ist zuallererst ein gutes Stimmtraining. Ich lerne meine Stimme immer ein Stück weit besser kennen bei solch einer Produktion, ähnlich wie bei Musikaufnahmen. Natürlich muss ich dem Thema gerecht werden und mich in die jeweilige Figur hineinfühlen, ohne allerdings Bela B. zu verleugnen, denn den kauft der Hörer mit der CD ja auch ein.
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